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CAPOEIRA
Das Erbe der Sklaven
Gegen
Ende des 16. Jahrhunderts, als einige Dutzend afrikanische Sklaven von
den nordos-brasilianischen Zuckerrohrfedern in die Wälder von Palmares
flohen, um dort die Quilombos, die versteckten Siedlungen fernab der
Dörfer und Güter der Weissen zu gründen, konnte nie-mand
ahnen, welches Ausmass diese Wiederstandsburgen annehmen und welche
Konsequenzen sie für die Geschichte und Kultur des Landes haben
würde.
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Zu
dieser Zeit breitete sich unter den Sklaven - befreit wie angekettet
- im Nordosten Brasiliens eine Kampfform aus, deren Entstehung eng verknüpft
ist mit dem Streben der Schwarzen nach Freiheit: die Capoeira. Sklaven
durften keine Pistolen, Gewehre oder Hausmesser besitzen. Weil ihnen
aber oft die Hände verbunden waren, wehrten sie sich meist mit
den Füssen. Auf eine geschmeidige, rythmische Art, änhlich
wie Tierbewegungen. Um den Kampfcharakter zu tarnen, wurden die Tänze
von Instrumenten begleitet: von grossen und kleinen Trommeln und dem
Berimbau, einem Saiteninstrument, bei dem ein ausgehöhlter Kürbis
der Resonanzkörper ist. Es gibt keine Quelle, die eindeutig belegt,
wo genau Capoeira zum ersten Mal praktiziert wurde, ob im heutigen Bundesstaat
Pernambuco oder in Bahia. Sicher ist jedoch, dass sie auf den Zuckerrohrfeldern
des Nordostens entstand, als eine waffenlose Kampfkunst, die heute oft
mit asiatischen Kampfsportarten verglichen wird und sich doch so sehr
unterscheidet.
Kampf, Tanz, Spiel, Energie...
Capoeira ist das alles und niemand kann sagen was es nun eigentlich
ist. Mit leicht angehockten Beinen wiegt der Capoerista sich hin und
her, die Füsse ruhelos in Bewegung - wie eine Raubkatze auf dem
Sprung.
Ginga heisst der Grundschritt, ohne Ginga keine Capoeira. Capoeiristas
schlagen wirbelnd aus der Drehung, im Rythmus der Begleitmusik. Sie
schlagen mit den Beinen oder - überraschend - mit den Armen oder
dem Kopf. Die Armen dienen aber normalweise zur Abwehr, zum Abrollen
bei einer Attacke des Gegners oder zum Radschlagen, um den anderen mit
dem hochfliegenden Bein am Hals zu treffen.
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Der
Kämpfer wischt mit dem Fuss haarscharf an der Schläfe des
anderen vorbei, der dreht eine Pirouette, sinkt dabei wie ein Eiskünstläufer
in sich zusammen und versucht mit angestrecktem Bein, seinem Gegner
das Standbein wegzusäbeln: Rasteira Baixa wird diese Sichelattacke
genannt. Zwei, drei Minuten wirbeln sie, fintieren, und bei jeder Drehung
schleudert es Schweisstropfen in die Roda, die Runde der Capoeiristas.
Ein neues Kämpferpaar löst sich aus dem Kreis, grüsst
mit feierlicher Handbewegung die Musik - nicht die Musikanten, sondern
die Instrumente: diese geben dem Kampf die Seele.
Doch bis 1930 war Capoeira geächtet und unter Strafe gestellt.
Gefängnis und Deportation auf eine gottverlassene Insel weit draussen
im Atlantik drohten, vorausgesetzt, der Festgenommene hatte das Glück
vor Gericht stehen zu können.

Manoel dos Reis Machado, Mestre Bimba |
In dieser wilden Zeit trat Mestre Bimba erstmals auf, ein athletischer
Riese aus den Slums, 1899 geboren, von Beruf Zimmermann. Bimba gründete
die erste Academia de Cultura Fisica Regional in der Altstadt von Salvador.
Dort lehrte er seine Art Capoeira zu kämpfen: härter, präziser,aber
auch sportlicher als die Capoeira Primitiva, die bisher vom Vater zum
Sohn weiter gegeben wurden.
Anfangs musste er Polizisten und Stadträte bestechen, um seine
Kurse abhalten zu können. Später lockerten die Behörden
das Capoeira-Verbot und 1937 wurde Senhor Manoel dos Reis Machado, Mestre
Bimba`s, Capoeira-Akademie vom Ministerium für Erziehung und öffentliche
Gesundheit offiziell lizenziert als erste der Welt!
Der Sklavensport war zwar toleriert, aber gesetzlich immer noch nicht
legalisiert. Dies geschah erst Ende der fünfziger Jahre. Der brasilianische
Staatspräsident Getúlio Vargas damals:
Capoeira ist der einzige wirklich brasilianische Sport.
Heute bildet Capoeira einen Teil des obligatorischen Schulunterrichtes
in Brasilien.

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Mestre
Matias Lopes
«Capoeira ist mein Leben»
Als 21jähriger, gründete Matias Lopes 1985 die Associação
Brasil Capoeira in Curvelo, Brasilien. Die Leidenschaft für Capoeira
packte Matias bereits mit 14 Jahren. Er begriff rasch, dass Capoeira nicht
bloss ein Sportart ist, sondern für ihn zur Lebensweise werden würde.
So verlässt Matias Lopez 1989 seine Heimat und kommt in die Schweiz,
um Capoeira auch in Europa bekanntzumachen. Dank seinem pädagogischen
Flair gelingt es ihm, innert kurzer Zeit, vor allem Jugendliche für
Capoeira zu begeistern. «In Brasilien steht Capoeira heute in jedem
Stundenplan. Die Kinder lernen mit Aggressivität umzugehen, sie können
sie spielerisch ausleben und lernen dabei auch, auf Mitmenschen einzugehen.
Capoeira - eine Kampfsportart, wo der eigentliche Kampf nur mental stattfindet.
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Beherrscht
wird dieser Sport von den rythmischen Klängen der Begleitinstrumente:
Nicht nur das Spielen dieser Instrumente gehört dazu, sondern auch,
wie sie gebaut werden, singen und vielleicht eines Tages auch, selber
Lieder schreiben.
In den letzten vier Jahren hat die Gruppe Brasil Capoeira die Grenzen
der Schweiz überschritten, Mestre Matias wurde als spezial Gast zu
mehreren Internationalen Meetings eingeladen. In England, Belgien, Holland,
Portugal, Spanien, Süd-Frankreich hat er Capoeira von sehr hohem
technischem Niveau unterrichtet, aber immer mit dem traditionellen und
philosophischen Aspekt im Fordergrund.
Der riesige Erfolg des diesjährigen Capoeira Ostertreffens (22.-24.
4. 2000, Bern), gab den Schüler aus verschieden Städten der
Schweiz und Europa, ein Beweiss dafür, wie hart die Gruppe Brasil
Capoeira arbeitet, um nur das Beste zu geben. Alles andere genügt
nicht.
Alleine in diesem Jahr hat Mestre Matias sieben Capoeira Projekte in Berner
Primar- und Sekundarschulen geleitet. Im Oktober 2000 beginnt Capoeira
als Teil des Sportunterrichts der Uni-Sport Bern im fünften Jahr.
Für Ihn sind die Kinder und jungen Menschen am wichstigtem.
«Jugendliche haben meistens zu viel Energie und wissen oft nicht
wohin damit, oder sie besitzen keine eigene Initiative und langweilen
sich sehr schnell. Capoeira ist Energie, steigert und kontrolliert sie.
Hier erlernen sie Bewegungen, wovon sie nur geträumt hätten.
In der Pubertät verändert sich der Körper zu schnell und
das kann sehr verwirrend sein. Den Körper besser kennen, kontrollieren,
respektieren, formen und stärken, sind wichtige Fundamente in der
Jugend für das Selbstvertrauen. Mehr Spass an sich selber haben,
die Energie positiv zu kanalisieren und Disziplin zu entwickeln, sind
Schritte, die den Jugendlichen weg von den negativen Seiten der Strasse
bringen können.»
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Ein
vielseitiges Training
Patrick Probst
(Palminha)
Physiotherapeut, 3. Gürtel
Ich
spiele nun schon seit einiger Zeit Capoeira und diese Sportart fasziniert
mich immer wieder von neuem. Ich habe dieses Spiel zum ersten Mal gesehen
als eine Gruppe in Bern auf der Strasse spielte und ich war gleich von
der Energie und Schönheit des Spiels begeistert, so dass ich dann
bald selbst zu trainieren anfing.Auch als Physiotherapeut fasziniert
mich Capoeira, denn selten habe ich eine Sportart gesehen, welche so
viele verschiedene Fähigkeiten in sich vereinigt. Da wird, wie
bei andern Kampfsportarten, die Schnellkraft und Reaktionsfähigkeit
trainiert. Genauso dürfen die Ausdauer und die Beweglichkeit nicht
fehlen um die Energie zu erhalten und die verschiedenen Bewegungen ausführen
zu können. Für akrobatischere Elemente brauchts wiederum Kraft
und Stabilität, sowie eine gute Körperbeherrschung. Auch das
Rhythmus-Gefühl wird gefördert, denn Capoeira wird zu Musik
gespielt und diese bestimmt das Tempo und die Intensität.
Je nach Fähigkeiten der Spieler kann Capoeira sehr unterschiedlich
gespielt werden. Ältere Leute werden das Spiel ruhiger und harmonischer
gestalten. Jüngere und körperlich fitte Personen können
das ganze Repertoire des Capoeira-Spiels benützen mit all seinen
akrobatischen Momenten, mit seinen schnellen und kräftigen Bewegungen
und auch mit Schlägen.
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Der
Grundschritt Ginga wird in leichter bis starker Kniebeugung durchgeführt,
dabei ist der Rumpf nach vorne gebeugt. Der Beinschritt wird achsengerecht
zu den Fuss-, Knie- wie Hüftgelenken ausgeführt. Der Grundschritt
allein kräftigt hervorragend alle wichtigen Beinmuskeln. Die Wadenmuskeln
werden gekräftigt um dem Schrittwechsel mit Schnelligkeit ausführen
zu können. Der KniestreckerMuskel (M. Quadrizeps) muss viel exzentrische
Kraft beweisen, das heisst er muss die Bewegung bremsen, halten und stabilisieren
können.
Gerade diese exzentrische Kraft, welche hier trainiert wird, hilft auch
im Alltag die Knien gut zu stabilisieren und gibt dem Knien einen muskulären
Schutz (z.B. vor Stössen oder Misstritten). Da man diesen Grundschritt
achsengerecht und mit gut stabilisierten Gelenken durchführt, wird
er meist auch gut von Leuten mit leichteren Knie- oder Fussproblemen vertragen.
Auch nach Operationen am Knie oder am Fuss kann dieser Schritt meist schon
relativ früh durchgeführt werden und kräftigt die Muskulatur
hervorragend.
Auch wird beim Ginga die Rückenmuskulatur ideal trainiert. Während
diesem Grundschritt wird der Oberkörper von den Hüftgelenken
her nach vorne gebeugt. Genau diese Beugung der Beine in der Hüfte
ermöglicht eine ideale achsengerechte Belastung und Kräftigung
der Wirbelsäule.
Die Rückenmuskulatur wird dabei gekräftigt und stabilisiert
den Rücken, lässt dem Rücken aber auch eine gewisse Beweglichkeit,
welche es braucht um den Schrittwechsel optimal durchzuführen. Auch
fordert dieser Grundschritt die gleichen Bewegungen und Stabilisationen,
wie ich dies Rücken-Patienten beim Bücken und Heben von schwereren
Lasten erlerne.
Bei all diesen Variationsmöglichkeiten und körpergerechten Bewegungen
erstaunt es nicht, dass Capoeira von den verschiedensten Leuten und bis
ins hohe Alter gespielt werden kann. So kann man in Brasilien Leute mit
über 80 Jahren bewundern, die sich immer noch an dem Capoeira-Spiel
erfreuen. Übrigens wird auch in Bern ein Training für Leute
über 40 Jahren durchgeführt, die sich wieder einer sinnvollen
Sportart widmen möchten, bei welcher auch der Spass am Spielen nicht
zu kurz kommt.
Mestre Matias führt Trainings mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen,
mit Frauen und Männern durch, so dass eigentlich alle Leute, welche
Interesse an Capoeira haben ihre geeignete Trainingsgruppe finden können.
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Wie
das geht?...Das muss man spüren
André Hefti (Linguinha)
Personal Trainer / Capoeira Monitor
Mein name ist Linguinha, so bin ich in der Capoeira getauft, und ich spiele
und lebe Capoeira seit 1995.
Alles begann mit der Liebe zu einer Brasilianerin, die auch mein Interesse
für die brasilianische Kultur und Geschichte weckte. In die Capoeira
wächst man so langsam rein, vor allem hier in der Schweiz ist es
etwas schwieriger, Capoeira wirklich zu leben. Doch dazu später.
Schon seit längerem wollte ich unbedingt einmal 2-3 Monate nach Brasilien
gehen, um Capoeira dort zu spielen. Im Sommer 2000 war es endlich soweit.
Ich packte meine sieben Sachen und flog nach Salvador.
Dort hatte ich schon am ersten Tag Kontakt zu Capoeiristas und genau hier
fängt der Unterschied zwischen Schweiz und Brasilien, bzw. Salvador
an. Salvador die Mutterstadt der Capoeira, so sagen es zumindest die Bahianos,
ist fest mit der Capoeira verankert, auch wenn das so etliche Reiche nicht
so schätzen. Für mich war es das Paradies, Capoeira an jeder
Strassenecke, am Strand, in den Academias einfach überall. Ich wohnte
in einem armen Quartier in Salvador: Boca do Rio. Dort gab es etliche
Capoeira Gruppen. Ich trainierte einige Male mit der Gruppe Palmares,
doch es zog mich zu der historischen Schule von Mestre Bimba. Dort trainierte
ich 2,5 Monate mit Mestre Bamba und seinen Professores. Das Training war
hart, sehr hart. Anfänglich, und ich war sicher nicht schlecht trainiert,
hatte ich so einige Mühe nur eine Stunde durchzuhalten.
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Doch
dein Wille, und vor allem dein Wille und Herz ist es was dich in der Capoeira
weiterbringt, und so hatte ich nach kurzer Zeit keine Probleme mehr.
So trainierte man am Tage einige Stunden in der Academia oder am Strand,
und am Abend war man voller Energie.
In der Academia jammerte man nicht, wenn man Schmerzen hatte, oder vielleicht
auch nur den Respekt eines höher graduirten anzuzweifeln, das waren
Sachen die man einfach nicht machte.
In der Capoeira lernst du dich einzuordnen, deine Person für einmal
zurückzunehmen und die Capoeira in den Vordergrund zu stellen. Ich
lernte in Salvador die Capoeira zu leben, nicht nur zu spielen, nein wirklich
zu leben. Wie das geht kann ich hier nicht in Worte fassen, das muss man
spüren, erleben und leben. Ich realisierte das ich Capoeira in Salvador
24h atmen konnte. Ich war erfüllt von einer unbändigen Energie
und ich war und bin immer noch stolz ein Capoeirista zu sein. Als die
Brasilianer merkten, dass ich mit Herz dabei bin, haben sie mich aufgenommen
und mir auch einige Geheimnisse der Capoeira preisgegeben.
Es war der Zeitpunkt gekommen, in dem ich mir eigentlich gar nicht mehr
vorstellen konnte, in die Schweiz zurück zu kehren, da hier die Kultur
nicht für die Capoeira geschaffen ist. Ich lernte dort das Capoeira
halt nicht nur im Unterricht stattfindet, nein, sondern auch im ganz normalen
täglichen Leben, das ist in der Schweiz sehr schwierig zu erleben,
da man hier diese Werte der Capoeira und das Lebensgefühl als Capoerista
nicht versteht, denn man kann es nicht fassen, berechnen und schon gar
nicht wirklich erklären. Capoeira in der Schweiz ist Sport, in Brasilien
einfach alles.
In Salvador konnte ich zum ersten Mal meinen Mestre Matias wirklich verstehen,
und so einiges, was er mir im Laufe der Zeit gesagt und gezeigt hatte,
begriff ich erst jetzt. Ich weiss wie schwierig es für ihn ist Capoeira
zu vermitteln, denn Capoeira ist nicht nur Sport, es ist
das Gefühl und die Freiheit, die man damit erlangt. Mittlerweile
bin ich der Überzeugung, wenn man Capoeira wirklich leben will, muss
man einmal in das Mutterland der Capoeira gehen und dort Capoeira spielen
und leben. Es ist sehr schön zu sehen, dass sich Capoeira verbreitet
und mittlerweilen auf der ganzen Welt existiert. Es ist auch ganz wichtig
die Geschichte der schwazen Sklaven zu kennen, aus der auch Capoeira entstand,
und den Rassismus und die Diskriminierung, die auch heute noch sehr stark
existiert (Weiss gegen Schwarz und umgekehrt) abzulegen.
Ich bedanke mich hiermit noch einmal ganz herzlich bei Gott, bei meinem
Mestre Matias, der mich die Capoeira und deren Geheimnisse lehrt, bei
allen Capoeiristas ohne die kein Capoeira existiert.
Axé
Capoeira Monitor Linguinha
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Entscheidungen...
Marlen
Gysel (Energía)
Sportstudentin, 3. Gürtel
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"As
decisões são apenas o começo de alguma coisa (...)
quandovocê toma uma decisão, na verdade você já
está a mergulhar numa correnteza poderosa, daquela você
nunca tenha sonhado na hora da decisão."
Paulo Coelho (Entscheidungen sind lediglich der Anfang irgendeiner Sache.
Wenn du eine Entscheidung triffst, dann bist du in Wirklichkeit schon
daran, in einen reissenden Strom zu tauchen, von dem du zum Zeitpunkt
der Entscheidung nie geträumt hättest.)
Die Entscheidung, in die wundervolle Welt des Capoeira einzutauchen,
hat auch mein Leben auf den Kopf gestellt und heftig durchgeschüttelt.
Der reissende Strom dieser von Energie und Lebensfreude pulsierenden
Kampfsportart und Lebensphilosophie hat mich in sich aufgenommen und
führt mich an immer neue, faszinierende Gestade. Respekt und Rücksicht
spielen hier die Hauptrolle, Schüchterne werden zu strahlenden
Sternen, und Übermütige können ihren Bewegungsdrang zu
Genüge ausleben.
Mestre Matias hat mich durch das Capoeira gelehrt, Geduld zu haben und
nicht mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. "Pé quente,
cabeça fria" ist das, was im Spiel zählt. Nirgendwo
kann ich besser meine Freude ausleben und Alltagssorgen, überschüssige
Energie und Wut im Bauch loswerden, als beim Training in der Academia,
an den zahlreichen Aufführungen oder an den packenden internationalen
Treffen, die mir das Capoeira ermöglicht.
Capoeira lässt mich meinen Körper in seiner ganzen Dynamik
erfahren dank ihm getraue ich mir auch im Alltag und im Berufsleben
mehr zu.
Ich warte gespannt darauf, wohin mich dieser reissende Strom in Zukunft
noch tragen wird.

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Seit
sieben Jahre mache ich Capoeira Ich bin 8
Janko
Matias-Richter,
acht Jahre alt,
Originaltext ohne Korrekturen
ich heisse JANKO. ich Mache seit siben jare CAPOEira, und ich bin Acht
Jare ALT.CAPOEIRA ist Nichtz für weich eier. Im CAPOEira Mus man
auch Mussik Lernen. CAPOEIRA ist Beweglich. CAPOEIRA ist spanend. CAPOEira
ist Natürlich mit Einwermen, und Müst Nicht denken das Ligistütze
nicht dabei sind. für die kiender istz Halb Schwer. Aber für
die Erwachsen istz dopelt so Schwer. Aber für Mich istz es ganz einfach.
CAPOEIRA ist eine Kunst. CAPOEIRA ist cool. Mit CAPOEIRA kan man auch
Menschen töten. CAPOEIRA ist so wie karate und judo das Ales ist
fast gleich. Am Schlus macht man einen Kreis und dan tut man das im Kreis
was man gelernt hat.
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Mein
Leben ohne Capoeira...unvollstellbar!
Felipe
Vieira (Buffalo)
Schüler, 2. Gürtel
Ich
bin Felipe Vieira und ich mache schon fast ein Jahr Capoeira. Jede freie
Minute mache ich Capoeira. Es gefällt mir sehr gut. Ich will weiter
machen so lange ich kann. Ich danke allen, die mir helfen und mich im
Capoeira weiter bringen. Ohne Capoeira kann ich kaum mehr leben. Vielen
Dank an unserem Mestre Matias.
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Capoeira
lässt deine Energie fliessen
Esther
Ambühl (Sarará)
Medizinische Masseurin
2.Gürtel
Ich
habe ungefähr vor zweieinhalb Jahren mit Capoeira begonnen. Ich
bin 37 Jahre alt, habe eine Familie und arbeite zweieinhalb Tage pro
Woche als medizinische Masseurin.
Ich habe mich eigentlich in meinem Leben schon immer gerne und viel
bewegt. Aber warum sind gerade die Bewegungen des Capoeira für
mich so faszinierend? Ich denke, es kommen verschiedene Aspekte zusammen.
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Der
Sport
Im Capoeira trainiert man sehr ausgewogen: Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer,
aber auch Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Reaktion und Konzentration.
Trotz intensivem Training Verbissenheit hat keinen Platz
denn immer bleibt Capoeira auch ein Spiel und soll Freude machen. Man
lernt verschiedene Bewegungen und Bewegungsabfolgen, aber jeder ist
frei , wie er diese in der Roda, im Spiel mit dem Gegenüber, anwenden
will. Phantasie und schnelles Agieren und Reagieren in den unterschiedlichsten
Situationen machen Capoeira abwechslungsreich und spannend.
Die Musik
Aber Capoeira lebt nicht nur von der Bewegung alleine. Dieser Sport
hat seine Wurzeln in der brasilianischen Geschichte und Tradition, und
daher gibt es auch kein Capoeira ohne Musik. Die Bewegungen werden getragen
vom Rhythmus, vom Klang der Instrumente und dem Gesang. Wenn alles zusammenspielt,
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beginnt
die Energie zu fliessen. Den Rhythmus klatschen, sich bewegen, singen,
spielen - jeder kann seine Energie beitragen und zusammen gibt es sehr
viel "Power"- und alle können daran teilhaben. Capoeira
öffnet das Herz, gibt dir Selbstvertrauen und macht dich aufgestellter,
fröhlicher und voller Energie.
Die Atmosphäre
Als ich mit Capoeira begann, ist mir sogleich die fröhliche und
umgängliche Atmosphäre im Training aufgefallen. Auch als Anfänger
bist du sofort akzeptiert. Niemand scheut sich, in der Roda mit dir
zu spielen auch wenn die Bewegungen noch holprig sind, und du sicher
gerade in diesem Moment vergessen hast, was du vorher im Training geübt
hast.
Anfangs braucht es etwas Mut, in der Roda mitzuspielen, wenn man das
Gefühl hat, man könne doch noch nichts. Aber das wird sich
bald ändern, denn schluss-endlich ist mitmachen besser als zuschauen
und dazu: Übung macht den Meister.
Der Gingaschritt
Zum Schluss habe ich mir noch einige Gedanken zum Grundschritt Ginga
gemacht. Auch in meinem Beruf beschäftige ich mich viel mit fliessender,
aber auch blockierter Energie, zudem beginne ich im nächsten Jahr
eine Ausbildung in prof. Kinesiologie (Kinesiologie = Lehre der Bewegungsenergie).
Unter der Sicht der Kinesiologie ist z.B. der Grundschritt Ginga eine
wichtige Bewegung für die Gehirnintegration d.h. wir besitzen zwei
Hirnhälften. Die rechte Hemisphäre ist für die linke
Körperseite und die linke Hemisphäre für die rechte Körperseite
zuständig. Verbunden sind die beiden über Nervenfasern. Meist
ist die linke Hirnhälfte verantwortlich für das analytische
Denken und die rechte für Gefühle und Intuition. Damit wir
uns gut fühlen, Probleme optimal lösen können, konzentriert
und aufmerksam sind, ist es wichtig,dass beide Gehirnhälften gut
zusammenspielen. Fördern kann man dieses Zusammenspiel durch die
Überkreuzbewegung. Das heisst, man bringt die linke und rechte
Körperseite dynamisch in Beziehung. Und dies geschieht genau beim
Ginga. Rechter Arm und linkes Bein vorne und dann Wechsel usw. Eigentlich
ist es eine etwas spezielle Laufbewegung, nur dass wir beim Laufen im
Alltag oft vergessen unsere Arme mitzuschwingen. Die Schultern bleiben
starr und blockieren so unsere Bewegungsenergie. Nicht so beim Ginga.
Der Einbezug der Arme ist sehr wichtig auch zum Schutz, und gleichzeitig
entsteht eine dynamische Überkreuzbewegung. Sicher auch ein Grund,
warum ich mich jeweils nach dem Training so wach fühle und meine
Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit wesentlich erhöht
ist.
Capoeira ist so vielschichtig und doch so einfach. "ES FÄGT!"

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Was
bedeutet mir Capoeira?
Mirjam
Rufer (Manga Rosa)
Gymnasiastin, 3. Gürtel
Capoeira war ein Freiheitskampf der Sklaven. Für mich hat Capoeira
heute noch mit Freiheit zu tun. Zwar nicht als Kampf sondern mehr symbolisch.
Indem ich ständig von neuen auf mein Gegenüber eingehe (angreife
und ausweiche), ensteht ein Bewegungsablauf, bei dem ich an nichts denke.
Die Bewegungen "geschehen"einfach; beinahe instinktiv. So
kann ich meine Gedanken auf einen Punkt bringen. Ich vergesse den Alltag
für einen Moment und kann voll in den Augenblick eintauchen. Wenn
ich so das Jetzt spüre, fühle ich mich frei. Capoeira
ist für mich mehr als nur ein Sport, es ist eine Art Lebensschulung.
Man lernt, mit Aggressivität umzugehen, sich anzupassen ohne sich
zu unterordnen, die Energie richtig einzusetzen, Körper-beherrschung,
Flexibilität, Selbstvertrauen und das Capoeira einfach Spass macht.
In Capoeira liegt viel verborgen.

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Capoeira
40
Katrin Gysel
Neugierig
und im Grunde überzeugt davon, dass das nichts für uns eher
steife Senioren und Seniorinnen ist, treten wir, drei Frauen und ein
Mann, in der Academia zur ersten Lektion an. Mestre Matias wärmt
uns eine halbe Stunde lang systematisch und rücksichtsvoll auf.
Er bringt mit immer wieder neuen Übungen unsere Muskeln, Bänder
und Gelenke in Bewegung. Ab und zu sehen wir unserer Gesichtsfarbe und
dem leicht gequälten Ausdruck im Spiegel an, dass Grenzen bald
erreicht sein werden.....
Feinfühlig leitet aber Matias mit Musik zu anderen Aufgaben über,
er lässt uns nach der Ginga schon erste richtige Bewegungen machen,
die uns das Gefühl geben, doch nicht nur Komiker im falschen Film
zu sein.
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Was
uns natürlich speziell gefällt sind seine ruhigen, fliessenden
aber auch kraftvollen, dynamischen Demonstrationen.
Es ist wenig, wenn wir nur einmal pro Woche eine Stunde lang trainieren,
aber wir freuen uns immer darauf und spüren, dass die elastischen,
runden Bewegungen des Capoeira zusammen mit der Musik unser körperliches
und seelisches Wohlbefinden steigern.
Und so ganz leise macht sich auch eine Lust bemerkbar, die Lust am Kämpfen,
am Angreifen und Verteidigen - aber bitte nur unter uns, unter den Capoeiristas
ab 40.
Training: Dienstag und Freitag 09.15 - 10.15Uhr
Jürg, Katrin, Christa und Shamin
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