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1. Ausgabe 2000
CAPOEIRA –Das Erbe der Sklaven
Mestre Matias Lopes – «Capoeira ist mein Leben»
Ein vielseitiges Training
Mein Leben ohne Capoeira...unvollstellbar!
Wie das geht?... Das muss man spüren
Entscheidungen...
Seit sieben Jahre mache ich Capoeira – Ich bin 8
Capoeira lässt deine Energie fliessen
Was bedeutet mir Capoeira?
Capoeira 40
 

CAPOEIRA – Das Erbe der Sklaven

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als einige Dutzend afrikanische Sklaven von den nordos-brasilianischen Zuckerrohrfedern in die Wälder von Palmares flohen, um dort die Quilombos, die versteckten Siedlungen fernab der Dörfer und Güter der Weissen zu gründen, konnte nie-mand ahnen, welches Ausmass diese Wiederstandsburgen annehmen und welche Konsequenzen sie für die Geschichte und Kultur des Landes haben würde.

Zu dieser Zeit breitete sich unter den Sklaven - befreit wie angekettet - im Nordosten Brasiliens eine Kampfform aus, deren Entstehung eng verknüpft ist mit dem Streben der Schwarzen nach Freiheit: die Capoeira. Sklaven durften keine Pistolen, Gewehre oder Hausmesser besitzen. Weil ihnen aber oft die Hände verbunden waren, wehrten sie sich meist mit den Füssen. Auf eine geschmeidige, rythmische Art, änhlich wie Tierbewegungen. Um den Kampfcharakter zu tarnen, wurden die Tänze von Instrumenten begleitet: von grossen und kleinen Trommeln und dem Berimbau, einem Saiteninstrument, bei dem ein ausgehöhlter Kürbis der Resonanzkörper ist. Es gibt keine Quelle, die eindeutig belegt, wo genau Capoeira zum ersten Mal praktiziert wurde, ob im heutigen Bundesstaat Pernambuco oder in Bahia. Sicher ist jedoch, dass sie auf den Zuckerrohrfeldern des Nordostens entstand, als eine waffenlose Kampfkunst, die heute oft mit asiatischen Kampfsportarten verglichen wird und sich doch so sehr unterscheidet.

Kampf, Tanz, Spiel, Energie...
Capoeira ist das alles und niemand kann sagen was es nun eigentlich ist. Mit leicht angehockten Beinen wiegt der Capoerista sich hin und her, die Füsse ruhelos in Bewegung - wie eine Raubkatze auf dem Sprung.
Ginga heisst der Grundschritt, ohne Ginga keine Capoeira. Capoeiristas schlagen wirbelnd aus der Drehung, im Rythmus der Begleitmusik. Sie schlagen mit den Beinen oder - überraschend - mit den Armen oder dem Kopf. Die Armen dienen aber normalweise zur Abwehr, zum Abrollen bei einer Attacke des Gegners oder zum Radschlagen, um den anderen mit dem hochfliegenden Bein am Hals zu treffen.

Der Kämpfer wischt mit dem Fuss haarscharf an der Schläfe des anderen vorbei, der dreht eine Pirouette, sinkt dabei wie ein Eiskünstläufer in sich zusammen und versucht mit angestrecktem Bein, seinem Gegner das Standbein wegzusäbeln: Rasteira Baixa wird diese Sichelattacke genannt. Zwei, drei Minuten wirbeln sie, fintieren, und bei jeder Drehung schleudert es Schweisstropfen in die Roda, die Runde der Capoeiristas. Ein neues Kämpferpaar löst sich aus dem Kreis, grüsst mit feierlicher Handbewegung die Musik - nicht die Musikanten, sondern die Instrumente: diese geben dem Kampf die Seele.

Doch bis 1930 war Capoeira geächtet und unter Strafe gestellt. Gefängnis und Deportation auf eine gottverlassene Insel weit draussen im Atlantik drohten, vorausgesetzt, der Festgenommene hatte das Glück vor Gericht stehen zu können.


Manoel dos Reis Machado, Mestre Bimba

In dieser wilden Zeit trat Mestre Bimba erstmals auf, ein athletischer Riese aus den Slums, 1899 geboren, von Beruf Zimmermann. Bimba gründete die erste Academia de Cultura Fisica Regional in der Altstadt von Salvador. Dort lehrte er seine Art Capoeira zu kämpfen: härter, präziser,aber auch sportlicher als die Capoeira Primitiva, die bisher vom Vater zum Sohn weiter gegeben wurden.
Anfangs musste er Polizisten und Stadträte bestechen, um seine Kurse abhalten zu können. Später lockerten die Behörden das Capoeira-Verbot und 1937 wurde Senhor Manoel dos Reis Machado, Mestre Bimba`s, Capoeira-Akademie vom Ministerium für Erziehung und öffentliche Gesundheit offiziell lizenziert als erste der Welt!
Der Sklavensport war zwar toleriert, aber gesetzlich immer noch nicht legalisiert. Dies geschah erst Ende der fünfziger Jahre. Der brasilianische Staatspräsident Getúlio Vargas damals:
“Capoeira ist der einzige wirklich brasilianische Sport“.

Heute bildet Capoeira einen Teil des obligatorischen Schulunterrichtes in Brasilien.










 
   
   
 
Mestre Matias Lopes –
«Capoeira ist mein Leben»



Als 21jähriger, gründete Matias Lopes 1985 die Associação Brasil Capoeira in Curvelo, Brasilien. Die Leidenschaft für Capoeira packte Matias bereits mit 14 Jahren. Er begriff rasch, dass Capoeira nicht bloss ein Sportart ist, sondern für ihn zur Lebensweise werden würde. So verlässt Matias Lopez 1989 seine Heimat und kommt in die Schweiz, um Capoeira auch in Europa bekanntzumachen. Dank seinem pädagogischen Flair gelingt es ihm, innert kurzer Zeit, vor allem Jugendliche für Capoeira zu begeistern. «In Brasilien steht Capoeira heute in jedem Stundenplan. Die Kinder lernen mit Aggressivität umzugehen, sie können sie spielerisch ausleben und lernen dabei auch, auf Mitmenschen einzugehen. Capoeira - eine Kampfsportart, wo der eigentliche Kampf nur mental stattfindet.

Beherrscht wird dieser Sport von den rythmischen Klängen der Begleitinstrumente: Nicht nur das Spielen dieser Instrumente gehört dazu, sondern auch, wie sie gebaut werden, singen und vielleicht eines Tages auch, selber Lieder schreiben.

In den letzten vier Jahren hat die Gruppe Brasil Capoeira die Grenzen der Schweiz überschritten, Mestre Matias wurde als spezial Gast zu mehreren Internationalen Meetings eingeladen. In England, Belgien, Holland, Portugal, Spanien, Süd-Frankreich hat er Capoeira von sehr hohem technischem Niveau unterrichtet, aber immer mit dem traditionellen und philosophischen Aspekt im Fordergrund.

Der riesige Erfolg des diesjährigen Capoeira Ostertreffens (22.-24. 4. 2000, Bern), gab den Schüler aus verschieden Städten der Schweiz und Europa, ein Beweiss dafür, wie hart die Gruppe Brasil Capoeira arbeitet, um nur das Beste zu geben. Alles andere genügt nicht.
Alleine in diesem Jahr hat Mestre Matias sieben Capoeira Projekte in Berner Primar- und Sekundarschulen geleitet. Im Oktober 2000 beginnt Capoeira als Teil des Sportunterrichts der Uni-Sport Bern im fünften Jahr. Für Ihn sind die Kinder und jungen Menschen am wichstigtem.
«Jugendliche haben meistens zu viel Energie und wissen oft nicht wohin damit, oder sie besitzen keine eigene Initiative und langweilen sich sehr schnell. Capoeira ist Energie, steigert und kontrolliert sie. Hier erlernen sie Bewegungen, wovon sie nur geträumt hätten. In der Pubertät verändert sich der Körper zu schnell und das kann sehr verwirrend sein. Den Körper besser kennen, kontrollieren, respektieren, formen und stärken, sind wichtige Fundamente in der Jugend für das Selbstvertrauen. Mehr Spass an sich selber haben, die Energie positiv zu kanalisieren und Disziplin zu entwickeln, sind Schritte, die den Jugendlichen weg von den negativen Seiten der Strasse bringen können.»




















 

 
 

Ein vielseitiges Training

Patrick Probst (Palminha)
Physiotherapeut, 3. Gürtel


Ich spiele nun schon seit einiger Zeit Capoeira und diese Sportart fasziniert mich immer wieder von neuem. Ich habe dieses Spiel zum ersten Mal gesehen als eine Gruppe in Bern auf der Strasse spielte und ich war gleich von der Energie und Schönheit des Spiels begeistert, so dass ich dann bald selbst zu trainieren anfing.Auch als Physiotherapeut fasziniert mich Capoeira, denn selten habe ich eine Sportart gesehen, welche so viele verschiedene Fähigkeiten in sich vereinigt. Da wird, wie bei andern Kampfsportarten, die Schnellkraft und Reaktionsfähigkeit trainiert. Genauso dürfen die Ausdauer und die Beweglichkeit nicht fehlen um die Energie zu erhalten und die verschiedenen Bewegungen ausführen zu können. Für akrobatischere Elemente brauchts wiederum Kraft und Stabilität, sowie eine gute Körperbeherrschung. Auch das Rhythmus-Gefühl wird gefördert, denn Capoeira wird zu Musik gespielt und diese bestimmt das Tempo und die Intensität.

Je nach Fähigkeiten der Spieler kann Capoeira sehr unterschiedlich gespielt werden. Ältere Leute werden das Spiel ruhiger und harmonischer gestalten. Jüngere und körperlich fitte Personen können das ganze Repertoire des Capoeira-Spiels benützen mit all seinen akrobatischen Momenten, mit seinen schnellen und kräftigen Bewegungen und auch mit Schlägen.

Der Grundschritt Ginga wird in leichter bis starker Kniebeugung durchgeführt, dabei ist der Rumpf nach vorne gebeugt. Der Beinschritt wird achsengerecht zu den Fuss-, Knie- wie Hüftgelenken ausgeführt. Der Grundschritt allein kräftigt hervorragend alle wichtigen Beinmuskeln. Die Wadenmuskeln werden gekräftigt um dem Schrittwechsel mit Schnelligkeit ausführen zu können. Der KniestreckerMuskel (M. Quadrizeps) muss viel exzentrische Kraft beweisen, das heisst er muss die Bewegung bremsen, halten und stabilisieren können.
Gerade diese exzentrische Kraft, welche hier trainiert wird, hilft auch im Alltag die Knien gut zu stabilisieren und gibt dem Knien einen muskulären Schutz (z.B. vor Stössen oder Misstritten). Da man diesen Grundschritt achsengerecht und mit gut stabilisierten Gelenken durchführt, wird er meist auch gut von Leuten mit leichteren Knie- oder Fussproblemen vertragen.
Auch nach Operationen am Knie oder am Fuss kann dieser Schritt meist schon relativ früh durchgeführt werden und kräftigt die Muskulatur hervorragend.

Auch wird beim Ginga die Rückenmuskulatur ideal trainiert. Während diesem Grundschritt wird der Oberkörper von den Hüftgelenken her nach vorne gebeugt. Genau diese Beugung der Beine in der Hüfte ermöglicht eine ideale achsengerechte Belastung und Kräftigung der Wirbelsäule.
Die Rückenmuskulatur wird dabei gekräftigt und stabilisiert den Rücken, lässt dem Rücken aber auch eine gewisse Beweglichkeit, welche es braucht um den Schrittwechsel optimal durchzuführen. Auch fordert dieser Grundschritt die gleichen Bewegungen und Stabilisationen, wie ich dies Rücken-Patienten beim Bücken und Heben von schwereren Lasten erlerne.
Bei all diesen Variationsmöglichkeiten und körpergerechten Bewegungen erstaunt es nicht, dass Capoeira von den verschiedensten Leuten und bis ins hohe Alter gespielt werden kann. So kann man in Brasilien Leute mit über 80 Jahren bewundern, die sich immer noch an dem Capoeira-Spiel erfreuen. Übrigens wird auch in Bern ein Training für Leute über 40 Jahren durchgeführt, die sich wieder einer sinnvollen Sportart widmen möchten, bei welcher auch der Spass am Spielen nicht zu kurz kommt.

Mestre Matias führt Trainings mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, mit Frauen und Männern durch, so dass eigentlich alle Leute, welche Interesse an Capoeira haben ihre geeignete Trainingsgruppe finden können.


   
















 
 
Wie das geht?...Das muss man spüren

André Hefti (Linguinha)
Personal Trainer / Capoeira Monitor



Mein name ist Linguinha, so bin ich in der Capoeira getauft, und ich spiele und lebe Capoeira seit 1995.

Alles begann mit der Liebe zu einer Brasilianerin, die auch mein Interesse für die brasilianische Kultur und Geschichte weckte. In die Capoeira wächst man so langsam rein, vor allem hier in der Schweiz ist es etwas schwieriger, Capoeira wirklich zu leben. Doch dazu später. Schon seit längerem wollte ich unbedingt einmal 2-3 Monate nach Brasilien gehen, um Capoeira dort zu spielen. Im Sommer 2000 war es endlich soweit. Ich packte meine sieben Sachen und flog nach Salvador.
Dort hatte ich schon am ersten Tag Kontakt zu Capoeiristas und genau hier fängt der Unterschied zwischen Schweiz und Brasilien, bzw. Salvador an. Salvador die Mutterstadt der Capoeira, so sagen es zumindest die Bahianos, ist fest mit der Capoeira verankert, auch wenn das so etliche Reiche nicht so schätzen. Für mich war es das Paradies, Capoeira an jeder
Strassenecke, am Strand, in den Academias einfach überall. Ich wohnte in einem armen Quartier in Salvador: Boca do Rio. Dort gab es etliche Capoeira Gruppen. Ich trainierte einige Male mit der Gruppe Palmares, doch es zog mich zu der historischen Schule von Mestre Bimba. Dort trainierte ich 2,5 Monate mit Mestre Bamba und seinen Professores. Das Training war hart, sehr hart. Anfänglich, und ich war sicher nicht schlecht trainiert, hatte ich so einige Mühe nur eine Stunde durchzuhalten.

Doch dein Wille, und vor allem dein Wille und Herz ist es was dich in der Capoeira weiterbringt“, und so hatte ich nach kurzer Zeit keine Probleme mehr. So trainierte man am Tage einige Stunden in der Academia oder am Strand, und am Abend war man voller Energie.

In der Academia jammerte man nicht, wenn man Schmerzen hatte, oder vielleicht auch nur den Respekt eines höher graduirten anzuzweifeln, das waren Sachen die man einfach nicht machte.
In der Capoeira lernst du dich einzuordnen, deine Person für einmal zurückzunehmen und die Capoeira in den Vordergrund zu stellen. Ich lernte in Salvador die Capoeira zu leben, nicht nur zu spielen, nein wirklich zu leben. Wie das geht kann ich hier nicht in Worte fassen, das muss man spüren, erleben und leben. Ich realisierte das ich Capoeira in Salvador 24h atmen konnte. Ich war erfüllt von einer unbändigen Energie und ich war und bin immer noch stolz ein Capoeirista zu sein. Als die Brasilianer merkten, dass ich mit Herz dabei bin, haben sie mich aufgenommen und mir auch einige Geheimnisse der Capoeira preisgegeben.

Es war der Zeitpunkt gekommen, in dem ich mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen konnte, in die Schweiz zurück zu kehren, da hier die Kultur nicht für die Capoeira geschaffen ist. Ich lernte dort das Capoeira halt nicht nur im Unterricht stattfindet, nein, sondern auch im ganz normalen täglichen Leben, das ist in der Schweiz sehr schwierig zu erleben, da man hier diese Werte der Capoeira und das Lebensgefühl als Capoerista nicht versteht, denn man kann es nicht fassen, berechnen und schon gar nicht wirklich erklären. Capoeira in der Schweiz ist Sport, in Brasilien einfach alles.

In Salvador konnte ich zum ersten Mal meinen Mestre Matias wirklich verstehen, und so einiges, was er mir im Laufe der Zeit gesagt und gezeigt hatte, begriff ich erst jetzt. Ich weiss wie schwierig es für ihn ist Capoeira zu vermitteln, denn Capoeira ist nicht nur Sport, es ist
das Gefühl und die Freiheit, die man damit erlangt. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, wenn man Capoeira wirklich leben will, muss man einmal in das Mutterland der Capoeira gehen und dort Capoeira spielen und leben. Es ist sehr schön zu sehen, dass sich Capoeira verbreitet und mittlerweilen auf der ganzen Welt existiert. Es ist auch ganz wichtig die Geschichte der schwazen Sklaven zu kennen, aus der auch Capoeira entstand, und den Rassismus und die Diskriminierung, die auch heute noch sehr stark existiert (Weiss gegen Schwarz und umgekehrt) abzulegen.
Ich bedanke mich hiermit noch einmal ganz herzlich bei Gott, bei meinem Mestre Matias, der mich die Capoeira und deren Geheimnisse lehrt, bei allen Capoeiristas ohne die kein Capoeira existiert.

Axé
Capoeira Monitor Linguinha




























 
   

 

Entscheidungen...

Marlen Gysel (Energía)
Sportstudentin, 3. Gürte
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"As decisões são apenas o começo de alguma coisa (...) quandovocê toma uma decisão, na verdade você já está a mergulhar numa correnteza poderosa, daquela você nunca tenha sonhado na hora da decisão."
Paulo Coelho (Entscheidungen sind lediglich der Anfang irgendeiner Sache. Wenn du eine Entscheidung triffst, dann bist du in Wirklichkeit schon daran, in einen reissenden Strom zu tauchen, von dem du zum Zeitpunkt der Entscheidung nie geträumt hättest.)

Die Entscheidung, in die wundervolle Welt des Capoeira einzutauchen, hat auch mein Leben auf den Kopf gestellt und heftig durchgeschüttelt. Der reissende Strom dieser von Energie und Lebensfreude pulsierenden Kampfsportart und Lebensphilosophie hat mich in sich aufgenommen und führt mich an immer neue, faszinierende Gestade. Respekt und Rücksicht spielen hier die Hauptrolle, Schüchterne werden zu strahlenden Sternen, und Übermütige können ihren Bewegungsdrang zu Genüge ausleben.

Mestre Matias hat mich durch das Capoeira gelehrt, Geduld zu haben und nicht mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. "Pé quente, cabeça fria" ist das, was im Spiel zählt. Nirgendwo kann ich besser meine Freude ausleben und Alltagssorgen, überschüssige Energie und Wut im Bauch loswerden, als beim Training in der Academia, an den zahlreichen Aufführungen oder an den packenden internationalen Treffen, die mir das Capoeira ermöglicht.
Capoeira lässt mich meinen Körper in seiner ganzen Dynamik erfahren dank ihm getraue ich mir auch im Alltag und im Berufsleben mehr zu.

Ich warte gespannt darauf, wohin mich dieser reissende Strom in Zukunft noch tragen wird.


   























 
 
Seit sieben Jahre mache ich Capoeira – Ich bin 8

Janko Matias-Richter,
acht Jahre alt,
Originaltext ohne Korrekturen


ich heisse JANKO. ich Mache seit siben jare CAPOEira, und ich bin Acht Jare ALT.CAPOEIRA ist Nichtz für weich eier. Im CAPOEira Mus man auch Mussik Lernen. CAPOEIRA ist Beweglich. CAPOEIRA ist spanend. CAPOEira ist Natürlich mit Einwermen, und Müst Nicht denken das Ligistütze nicht dabei sind. für die kiender istz Halb Schwer. Aber für die Erwachsen istz dopelt so Schwer. Aber für Mich istz es ganz einfach.
CAPOEIRA ist eine Kunst. CAPOEIRA ist cool. Mit CAPOEIRA kan man auch Menschen töten. CAPOEIRA ist so wie karate und judo das Ales ist fast gleich. Am Schlus macht man einen Kreis und dan tut man das im Kreis was man gelernt hat.


Mein Leben ohne Capoeira...unvollstellbar!

Felipe Vieira (Buffalo)
Schüler, 2. Gürtel


Ich bin Felipe Vieira und ich mache schon fast ein Jahr Capoeira. Jede freie Minute mache ich Capoeira. Es gefällt mir sehr gut. Ich will weiter machen so lange ich kann. Ich danke allen, die mir helfen und mich im Capoeira weiter bringen. Ohne Capoeira kann ich kaum mehr leben. Vielen Dank an unserem Mestre Matias.



















 
 

Capoeira lässt deine Energie fliessen

Esther Ambühl (Sarará)
Medizinische Masseurin
2.Gürtel


Ich habe ungefähr vor zweieinhalb Jahren mit Capoeira begonnen. Ich bin 37 Jahre alt, habe eine Familie und arbeite zweieinhalb Tage pro Woche als medizinische Masseurin.
Ich habe mich eigentlich in meinem Leben schon immer gerne und viel bewegt. Aber warum sind gerade die Bewegungen des Capoeira für mich so faszinierend? Ich denke, es kommen verschiedene Aspekte zusammen.

Der Sport
Im Capoeira trainiert man sehr ausgewogen: Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, aber auch Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Reaktion und Konzentration. Trotz intensivem Training – Verbissenheit hat keinen Platz – denn immer bleibt Capoeira auch ein Spiel und soll Freude machen. Man lernt verschiedene Bewegungen und Bewegungsabfolgen, aber jeder ist frei , wie er diese in der Roda, im Spiel mit dem Gegenüber, anwenden will. Phantasie und schnelles Agieren und Reagieren in den unterschiedlichsten Situationen machen Capoeira abwechslungsreich und spannend.

Die Musik
Aber Capoeira lebt nicht nur von der Bewegung alleine. Dieser Sport hat seine Wurzeln in der brasilianischen Geschichte und Tradition, und daher gibt es auch kein Capoeira ohne Musik. Die Bewegungen werden getragen vom Rhythmus, vom Klang der Instrumente und dem Gesang. Wenn alles zusammenspielt,

beginnt die Energie zu fliessen. Den Rhythmus klatschen, sich bewegen, singen, spielen - jeder kann seine Energie beitragen und zusammen gibt es sehr viel "Power"- und alle können daran teilhaben. Capoeira öffnet das Herz, gibt dir Selbstvertrauen und macht dich aufgestellter, fröhlicher und voller Energie.

Die Atmosphäre
Als ich mit Capoeira begann, ist mir sogleich die fröhliche und umgängliche Atmosphäre im Training aufgefallen. Auch als Anfänger bist du sofort akzeptiert. Niemand scheut sich, in der Roda mit dir zu spielen auch wenn die Bewegungen noch holprig sind, und du sicher gerade in diesem Moment vergessen hast, was du vorher im Training geübt hast.
Anfangs braucht es etwas Mut, in der Roda mitzuspielen, wenn man das Gefühl hat, man könne doch noch nichts. Aber das wird sich bald ändern, denn schluss-endlich ist mitmachen besser als zuschauen und dazu: Übung macht den Meister.

Der Gingaschritt

Zum Schluss habe ich mir noch einige Gedanken zum Grundschritt Ginga gemacht. Auch in meinem Beruf beschäftige ich mich viel mit fliessender, aber auch blockierter Energie, zudem beginne ich im nächsten Jahr eine Ausbildung in prof. Kinesiologie (Kinesiologie = Lehre der Bewegungsenergie).
Unter der Sicht der Kinesiologie ist z.B. der Grundschritt Ginga eine wichtige Bewegung für die Gehirnintegration d.h. wir besitzen zwei Hirnhälften. Die rechte Hemisphäre ist für die linke Körperseite und die linke Hemisphäre für die rechte Körperseite zuständig. Verbunden sind die beiden über Nervenfasern. Meist ist die linke Hirnhälfte verantwortlich für das analytische Denken und die rechte für Gefühle und Intuition. Damit wir uns gut fühlen, Probleme optimal lösen können, konzentriert und aufmerksam sind, ist es wichtig,dass beide Gehirnhälften gut zusammenspielen. Fördern kann man dieses Zusammenspiel durch die Überkreuzbewegung. Das heisst, man bringt die linke und rechte Körperseite dynamisch in Beziehung. Und dies geschieht genau beim Ginga. Rechter Arm und linkes Bein vorne und dann Wechsel usw. Eigentlich ist es eine etwas spezielle Laufbewegung, nur dass wir beim Laufen im Alltag oft vergessen unsere Arme mitzuschwingen. Die Schultern bleiben starr und blockieren so unsere Bewegungsenergie. Nicht so beim Ginga. Der Einbezug der Arme ist sehr wichtig auch zum Schutz, und gleichzeitig entsteht eine dynamische Überkreuzbewegung. Sicher auch ein Grund, warum ich mich jeweils nach dem Training so wach fühle und meine Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit wesentlich erhöht ist.

Capoeira ist so vielschichtig und doch so einfach. "ES FÄGT!"




































 
 

Was bedeutet mir Capoeira?

Mirjam Rufer (Manga Rosa)
Gymnasiastin, 3. Gürtel

Capoeira war ein Freiheitskampf der Sklaven. Für mich hat Capoeira heute noch mit Freiheit zu tun. Zwar nicht als Kampf sondern mehr symbolisch. Indem ich ständig von neuen auf mein Gegenüber eingehe (angreife und ausweiche), ensteht ein Bewegungsablauf, bei dem ich an nichts denke.
Die Bewegungen "geschehen"einfach; beinahe instinktiv. So kann ich meine Gedanken auf einen Punkt bringen. Ich vergesse den Alltag für einen Moment und kann voll in den Augenblick eintauchen. Wenn ich so das “Jetzt“ spüre, fühle ich mich frei. Capoeira ist für mich mehr als nur ein Sport, es ist eine Art Lebensschulung. Man lernt, mit Aggressivität umzugehen, sich anzupassen ohne sich zu unterordnen, die Energie richtig einzusetzen, Körper-beherrschung, Flexibilität, Selbstvertrauen und das Capoeira einfach Spass macht.
In Capoeira liegt viel verborgen.



































 
   
 

Capoeira 40

Katrin Gysel


Neugierig und im Grunde überzeugt davon, dass das nichts für uns eher steife Senioren und Seniorinnen ist, treten wir, drei Frauen und ein Mann, in der Academia zur ersten Lektion an. Mestre Matias wärmt uns eine halbe Stunde lang systematisch und rücksichtsvoll auf. Er bringt mit immer wieder neuen Übungen unsere Muskeln, Bänder und Gelenke in Bewegung. Ab und zu sehen wir unserer Gesichtsfarbe und dem leicht gequälten Ausdruck im Spiegel an, dass Grenzen bald erreicht sein werden.....

Feinfühlig leitet aber Matias mit Musik zu anderen Aufgaben über, er lässt uns nach der Ginga schon erste richtige Bewegungen machen, die uns das Gefühl geben, doch nicht nur Komiker im falschen Film zu sein.

Was uns natürlich speziell gefällt sind seine ruhigen, fliessenden aber auch kraftvollen, dynamischen Demonstrationen.
Es ist wenig, wenn wir nur einmal pro Woche eine Stunde lang trainieren, aber wir freuen uns immer darauf und spüren, dass die elastischen, runden Bewegungen des Capoeira zusammen mit der Musik unser körperliches und seelisches Wohlbefinden steigern.

Und so ganz leise macht sich auch eine Lust bemerkbar, die Lust am Kämpfen, am Angreifen und Verteidigen - aber bitte nur unter uns, unter den Capoeiristas ab 40.

Training: Dienstag und Freitag 09.15 - 10.15Uhr
Jürg, Katrin, Christa und Shamin