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3. Ausgabe 2003
Maculelê Ursprung und Legenden
Capoeira im Stadtteather
Mestre Bimba - O Mestre dos Mestres
O Apelido - Der Spitzname
Nur 6 Kinder in den ganzen Schweiz...
Wussten Sie dass...
250m2 Pure Energie – Die neue Academia Brasil Capoeira
Gesellschaftsstrasse 30, Bern
«Es gibt nicht Schöneres als das Lächeln eines Kindes.»

Boa Vontade, Ginga und Negaça: Drei Capoeira-Gruppen aus Brasilien...
oder die Capoeira-Erlebnisse von Façeira in Brasilien

Maculelê Ursprung und Legenden

Nilsa Eberhart
Graduada Preta

aus dem Buch «Olelê Maculelê»
von Emilia Biancardi

...Ein Krieger allein gegen viele...zu viele... Eine der vielen Legenden rund um den Ursprung des Maculelê Tanzes. Wie bei der Capoeira, kann man nicht mit Genauigkeit sagen, woher Maculelê stammt. Die Annahme, dass Maculelê aus Afrika stammt, ist am meisten verbreitet, birgt aber gleichzeitig Widersprüche. Es ist noch unklar wann und aus wel-chem Teil Afrikas der Maculelê nach Brasilien kam, und ob er einen religiö-sen oder kämpferischen Zweck hatte.
Der Journalist Antonio Monteiro spricht über Maculelê, wie Capoeira, als einen Kampf der Sklaven gegen die Herren, andere behaupten, dass er nur reiner Zeitvertrieb war.

Es wird erzählt, wenn ein Sklave entfliehen wollte, bildeten alle anderen eine Maculelê Roda (Kreis), um den Feitores (Pächter) abzulenken.
Manuel Querino, Historiker und Buchautor, erzählt in seinem Buch «Bahia de Outrora» über einen Afrikanischen Tanz genannt Cucumbi, bei dem die
Schwarzen Holzstäbe zusammen schlugen und dazu sangen. Im Maculelê werden auch Holzstäbe benutzt und es wird auch gesungen, daher die logische
Schlussvolgerung: Maculelê ist ein Fragment des Cucumbis.
Hildegardes Vianna, Folklorespezialis-tin, unterstütz mit ihrer Theorie die eine von Querino und geht sogar noch ein bisschen weiter indem sie sagt, in den Quilombos wurde Maculelê getanzt im Sinne einer Präambel für einen Kampf gegen einen Indianer König und einen Schwarzen König.

Die These vom Maculelê als Fragment des Cucumbis wird im Santo Amaro da Purificação bestätigt weil Maculelê, früher bei den Festivitäten der «Nossa Senhora da Puruficação und Nossa Senhora da Conceição» getantzt wurde. Zilda Paim, Professorin und Direktorin des Santo Amaro Maculelê Truppe, ist davon überzeugt, dass Maculelê eine Weiteren-twicklung des Cucumbis ist. Trotz der Ähnlichkeit der Lieder war das Tanzen mit Holzstäbe in der Cucum-bis aber nicht obligatorisch.

Das Wort Maculelê, bestehet aus den zwei Wörtern Macum und Lê, diesebezeichnen zwei afrikanische Instrumente. Plinio de Almeida, Buchautor aus Santo Amaro, erklärt, dass der Tanz rund um den 1757 nach Brasilien gekommen sein musste, zusammen mit den Sklaven aus Mozambique. Diese These ist umstritten.

1969 kam der Senegalesischen Ethnologe Ousmane Silla nach Salvador da Bahia, um verschiede Studien über afrikanische Folklore durchzuführen, auch über bahianische Tänze und Maculelê. In einem Interview sagte er, dass Maculelê aus Senegal stammt, als kleines Kind hätte er diesen Tanz schon gesehen.

Im brasilianischen Folkore Wörterbuch «Dicionário de Folclore Brasileiro» (1. Ausgabe) heisst es, dass Maculelê eine Ähnlichkeit mit einem Tanz aus Miranda do Douro im Portugal habe und es gäbe keine Hinweise für den afrikanischen Ursprung.

Die vielleicht am meisten verbreiteste Legende ist die aus dem Buch «Arte Negra na Cultura Brasileira» (Schwarze Kunst in der brasilianischen Kultur) von Iracy Carisse. In seinem Buch schreibt er, dass Maculelê ein Tanz ist, der aus einer Legende stammt: Ein schwarzer Krieger, der mit den Götter beschäftigt war und nicht zur Jagd gehen konnte, wurde von einem anderen Stamm attackiert, seine einzigen Waffen waren zwei Holzstäbe.

Die Legenden, Behauptungen und Studien zu Maculelê sind sehr vielfältig. Tatsache ist, dass Maculelê einen afrikanischen Ursprung hat und wie viele andere künstlerische Äusserungen der Schwarzen, durch die lokalen, kulturellen und sozialen Einflüsse geformt und weiterentwickelt wurde.

Nos somos Pretos
da Cabinda de Luanda
A Conceição viemos louvá
Aranda ê-ê-ê, Aranda ê-ê â.


   





























 

 
 

Capoeira im Stadtteather

DIE GOLDBERG-VARIATIONEN
von George Tabori
Premiere-Besuchvon Tanja Hackenbruch (Façeira)

Bei den Goldberg-Variationen geht es um das Theater im Theater. Eine jeru-salemsche Theatergruppe soll unter dem göttergleichen Regisseur Mr. Jay (Jahwe= Bezeichnung im jüdischen Glauben für Gott) den Stoff der Bibel auf die Bühne bringen. Dieses Unterfangen istvon Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn sieben Tage zum Proben sind zu wenig für eine solide Arbeit und so kommt die ganze Theatergruppe innerhalb der sechs Tage bis zur ersten Aufführung aus dem Chaos nicht mehr heraus. Die Schöpfung von Himmel und Erde, Luft und Wasser scheitert an der Technik, die Paradiesszene ist ein einziges Desaster: Dem Adam ist das Feigenblatt zu klein, Eva will sich nicht nackt zeigen und beim hautengen Anzug der Schlange klemmt der Reis-verschluss. Abraham verletzt Isak als er ihn auf der Bühne opfern soll und bei der Kreuzigung wird der vermeintliche Jesus aus versehen mit der Lanze erstochen. Kurz gesagt: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief!
Darunter zu leiden hat in erster Linie der Regieassistent Goldberg, der die Truppe zusammenhalten muss, krea-tive Ideen liefern soll und dem fordernden, zynischen und intoleranten Regisseur Mr. Jay versucht, gerecht zu werden.
Goldberg scheitert jedoch «Scheitern, immer scheitern, wieder scheitern, be-sser scheitern.»: Keine einzige Szene wird komplett gespielt und bereits nach dem ersten Probetag lassen ihn die Schauspieler im Stich. Goldberg bleibt nichts Anderes übrig als selbst die Rolle des Moses zu übernehmen, der sein Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft ins gelobte Land führt.
Und genau in dieser Szene treten die Capoeiristas, Mestre Matias und graduado Pernalonga, das erste Mal auf. Währenddem Moses auf den Berg steigt, um mit Gott zu sprechen, tanzen die Zurückgebliebenen um das goldene Kalb und festen ausgelassen. Dazu gehören auch die beiden Capoeiristas. Sie spielen wild zusammen, streiten sich um die Frau im goldenen Kostüm (goldenes Kalb) und kämpfen bis zum Umfallen. Mit ihnen in dieser Szene finden sich Tänzer des Stadttheaters Bern und Breakdancer, die wie die beiden Capoeiristas in Rocker- und Schläger-Kostümen stecken (darum nennt der Regisseur sie Hells Angels).

Moses, steigt später vom Berg hinab mit den beiden Gebotstafeln, die Gott ihm gegeben hat. Er hat aber Angst diese Gesetze dem Volk zu zeigen, er fürchtet die wilden, ausgelassenen Leute werden ihn verhöhnen, ihn ein Leben lang deswegen verfolgen und die Gesetze brechen. Seine Angst ist auch berechtigt, die Hells Angels umkreisen Moses, der die beiden Tafeln in der Hand hält. Dabei lässt der eine Capo-eirista, gespielt von Mestre Matias, mit finsterem Blick eine Kette von der einen Hand in die andere gleiten und rückt immer näher zu Moses auf, bis dieser seine Gesetze vorliest. Moses Befürchtung bestätigt sich: Die von ihm vorgelesenen Gesetze machen das jüdische Volk für alle Zeiten zu einem Sonderfall, es wird verfolgt und niemand sonst hält sich an die «unmenschlichen» Gesetze Gottes.

Die Goldberg-Variationen vereinen jüdischen schwarzen Humor, christliche Mythologie und modernes Theater. Das Stück ist abwechslungsreich und bringt den Zuschauer einerseits zum Lachen und andererseits zum Nachdenken.
Ernste Themen wie der Holocaust, Rassismus, Religion, Gleichberechtigung und Politik werden humorvoll thema-tisiert und von den Schauspielern
zynisch und ironisch behandelt.

Das Bühnenbild, die Technik und die Requisiten sind schon ein Schauspiel für sich und lassen einen in fremde Traumwelten abschweifen und staunen. Ein brennender Feuerball als Sonne, herumfliegende Blumen und unerwartete Spezial-Effekte fesseln die Zuschauer an die Bühne.

Die beiden Capoeiristas, welche ihre Kunst bühnenwirksam und eindrucksvoll präsentieren, sind für jeden Capo-eirista im Publikum die Stars. Sie zeigen Capoeira einmal anders, als brutaler Kampf und bedrohende Geste im Schauspiel umgesetzt. Neben der kämpferischen Leistung, muss auch die schauspielerische Leistung betont werden: Die Mimik, die Gestik und die Haltung der beiden Capoeiristas wirken professionell und hinken den «richtigen» Schauspielern und Tänzern in keiner Art und Weise hinterher – nur die Verbeugung am Schluss, die muss noch ein bisschen geübt werden!

































 
 

Mestre Bimba - O Mestre dos Mestres

Mestre Bimba war vollkommen als Capoeirista: bewundert von seinen Schülern und seinen Feinden, exzellent im Spiel und auf dem Berimbau unübertroffen

Manoel dos Reis Machado, Mestre Bimba, wurde als Sohn der Dona Maria Martina do Bonfim und des damaligen Batuque Meister, Luis Candido Machado, am 23. November 1899 in Bahia ge-boren. In der Estrada das Boiadas, heute das Liberdade Quartier in Bahia, begegnete Bimba zum ersten Mal der Capoeira. Als Schüler von Mestre Bentinho, ein schwarzer Afrikaner, der als Kapitän bei der bahianischen Schifffahrt arbeitete, lernte er Capoeira Angola. Seine Ausbildung dauerte vier Jahre, dann unterrichtete Bimba Angola während zehn Jahren.

Die erste in Capoeira spezialisierte Academia, das «Centro de Cultura Física Regional», gründete Mestre Bimba 1932, im Dorf Engenho Velho de Brotas, wo er geboren wurde. Damals hatte er schon seine eigene Lernmethode entwickelt. 1937 wurde er als Sportlehrer registriert und ab 1939 unterrichtete er «Regional». 1942 eröffnete er seine zweite Academia im «Terreiro de Jesus».

Sehr viele Prominente aus der Gesellschaft und Politik wurden Schüler von Mestre Bimba. Dank einigen von ihnen drang die Capoeira Regional bis in das Regierungsgebäude von Bahia und zum damaligen Gouverneur, General Juracy Magalhães, vor. Bimbas Aufführung vor dem Gouverneur brachte ihm sehr viel Respekt und Bewunderung ein und öffnete den Weg zu Getúlio Vargas, dem Präsident der Republik. Die Capoeira Präsentation für Vargas war grundlegend für die Verbreitung der afrikanischen Kultur in Brasilien. Getúlio Vargas legalisierte daraufhin die Capoeira und ernannte sie zum brasilianischen Nationalkampf, später wurde das Capoeira- Training zusätzlich durch das Erziehungs- und Schulministerium offiziell.

Im «Centro de Cultura Física Regional» dachte man über Capoeira nicht nur als einen neuen Kampfstil nach sondern auch über eine neue Formel, um die Vergangenheit der Capoeira zu analysieren. Es entstanden eine neue Lernmethode, eine andere Art von Beziehung zwischen Capoeira und Gesellschaft und eine neue Stellung der Capoeiristas, indem man Capoeira zum Beruf machte und professionell betrieb.


Das Trainingscenter von Mestre Bimba funktionierte wie eine Schule. Es gab einen Trainingssaal, eine Garderobe, Trainingsgeräte, Bänke und Tische. An den Wänden hingen Fotos und Zeitungsartikel, die die Entwicklung der Capoeira zeigten. Mestre Bimbas Unterricht war sehr streng, ganz zu schweigen von der Auswahl der Schüler. Ein Notizbuch mit Anmeldungen, Anwesenheiten, Trainingszeiten und der Einteilung der Gruppen in verschiedenen Stufen, wurde jeden Tag kontrolliert und nachgeführt. Obwohl Mestre Bimba in der schriftlichen Sprache nicht sehr begabt war, schaffte er es, Verträge mit sehr spezifischen Klauseln mit den Tourismus-gesellschaften abzuschliessen, Hauptpunkt war immer der Stundenplan. Er machte auch Dokumentationen über seine Arbeit, Plakate für die Aufführungen, besonders in der Zeit der Taufe. Alle Schüler waren verantwortlich für die Werbung in den Zeitungen, für die Events und natürlich für den Verkauf der Eintritte. Bimbas Schule war ein Vorbild für alle Capoeira Schulen seiner Zeit. Die administrativen Wurzeln dieser Academia sind bis heute lebendig.

In den dreissiger Jahren, als Mestre Bimba, Kenner der Angola Wurzel, eine neue Richtung einschlug, verursachte die neu kreierte Capoeira Regional eine Revolution in der Welt der Capoeira. Schnelle Bewegungen, eine offensivere Stellung ohne aggressiv zu wirken, scharfes Denken, List, schnellere Rhythmen, eine lebendigere Roda und die weisse Abadá (Uniform) entstanden damals. Diese Eigenschaften sind bis heute bezeichnend für die Capoeira Regional.

1974 verliess uns Manoel dos Reis Machado, um in der Himmelsroda als Mestre Bimba weiter zu spielen.
Axé Mestre Bimba



































 
   
 
O Apelido - Der Spitzname


Im Centro de Cultura Física Regional, Mestre Bimbas Academia, entstand ein Ritual von grosser Bedeutung und Schönheit. Einige Tage nach der Anmeldung, wenn der Schüler die ersten Sequencias (Bewegungsabläufe) gelernt hatte, sagte Mestre Bimba plötzlich: «Heute hängst Du nach dem Draht». Dies bedeutete, dass der Schüler zum ersten Mal nach dem Rhythmus des Berimbau spielen durfte.

Alle waren sehr aufgeregt, vor allem die älteren Schüler waren völlig ausser sich, denn jetzt konnten sie den Neuen einen Spitznamen verpassen. Toll! Damit lernte man sehr viel über den Gruppen-Zusammenhalt und die Bedeutung, ein Schüler von Bimba zu werden. Mestre Bimba achtete immer darauf, dass der Spitzname nicht zu kritisch oder gar erniedrigend war, sonst musste er gewechselt werden. Das war der erste Schritt in das Leben eines Capoeiristas, dann kam die Batizado (Taufe), das grosse Fest, mit anderen Schülern, Freunden und der Familie. Der Spitzname war so etwas wie der Auslöser für die eigene Kreativität im Spiel: Bimbas Techniken begannen zu wirken, der Schüler begann mitzuwachsen und man lernte von den Anderen und gleichzeitig von sich selbst.



Der Spitzname ist eine Tradition der Capoeira-Kultur, der Aussenseiter wenig Bedeutung beimessen, für Capoeiristas ist sie jedoch grundlegend.

Einige Capoeira Spitznamen:

Salario Minimo
Sururú
Samambaia Gafanhoto
Chule Pé de vento
Gigante Maizena
Pezão
Cromado
Jujuba Secol
Manga Rosa Farofa
Balança Bezerra
Bolacha Tuiuiu
Jararaca etc. Panguá
Tripa Alegria
Sopa Serrinha
Maritaca Koala
Surubim Bomba
Juriti Façeira



































 
 

Nur 6 Kinder in den ganzen Schweiz...

Janko Richter Matias
(Originaltext ohne Korrekturen)


...haben einen Capoeira Mestre als Vater, Ich bin eines davon.
Ich heisse Janko, bin 11 Jahre alt, mache 9 Jahre Capoeira. Als Capoeirista macht man das war der Mestre von dir verlangt, beachtet und respektiert ihn.

Wenn ich im Training oder in der Roda bin, gebe ich mein bestes, ich strenge mich an und wenn ich das nicht tun würde dann wär ich auch nicht so weit.

Wenn ich im Training etwas lerne dann versuch ich es mit anderen sachen zu vermischen, und in der Roda ausprobieren. Aber viele sachen lernt man aus Video‘s, man sieht sachen probiert sie 30 mal uns einmal klappts.
Das leben als Capoeirista ist am anfang nicht leicht. Man muss sachen lernen und lernen, üben und üben. Die sachen Die man kennt, die man versteht, die man weiss wie man sie macht und kann, die sollte man immer wieder üben auch wenn man es schon kann, sonst könnte man es auch verlernen.
Und eins muss jeder Capoeirista wiessen das man einer Mestre nie einen: Galopante oder Joelhada geben darf!


Janko macht einen «Au nas costas » mit dem Papa,
Mestre Matias


































 
 

Wussten Sie dass...

....Mestre Bimba nur Schüler mit einem unterschiebenen Arbeitsausweis, Studenten oder fest Angestellte in seiner Schule aufnahm.

....es früher ein Berimbau de Boca (Mund Berimbau) oder trompa de Paris gab, bei dem der Resonanzkörper statt einer Calabaza, der Mund war.

.....esquentabanho die Bezeichnung Mestre Bimbas für ein schnelles, rassiges Spiel war. So soll dieser Name entstanden sein: Bimba zwang seine Schüler eine kalte Dusche nach dem Training zu nehmen, da sehr wenig Wasser vorhanden war, mussten sie sehr schnell duschen.


... die Capoeiristas früher calças boca de sino, sehr breiten Hosen, trugen. Als die Capoeira verboten war (1890-1937), kontrollierte die Polizei die Verdächtigen mit eine Zitrone. Sie steckten die Zitrone in die Hose, falls diese locker durch die Hosenbeine am Boden landete, war die Person als Capoeirista entlarvt.

































 

250m2 Pure Energie –
Die neue Academia Brasil Capoeira


Melanie Wysmann
(Monitora Bomba)


19.15 - Das 18.30 Training ist noch voll im Energierausch, schon an der Treppe kann man das Klatschen und Singen hören. Mestre Matias singt Paranuaue- e die Schüler antworten.
 
Einladend führt die in freundlichem Blau gestrichene Treppe zur neuen Academia. Jeder, der die Treppe betritt, wird ganz bestimmt neugierig und will einen Blick hinter diese Türe werfen. Hat man dies getan, so sieht man eine kleine Eingangshalle, die genug Raum für Schuhe, Jacken und Anderes bietet.

Nicht zu übersehen ist die selbstkreierte Duschecke, wobei dem Schild «Girls duschen» besondere Beachtung geschenkt werden muss!!! Geschmückt ist der Eingang mit diversen Capoeira-Fotos und Capoeira-Bildern. Werfen wir einen Blick hinter die nächste Türe, wir betreten jetzt die Academia.


Mestre Matias und Mestrando Tim

19.20 - Viele Schüler sind für das fortgeschrittenen Training um 19.30 Training eingetroffen. Einige Schüler mit höheren Gürteln unterstützen Mestre Matias bei der Schluss-Roda des Anfängertrainings.
 
In der Academia selbst laden ungefähr 250 Quadratmeter zum Trainieren ein. Ein erster Blickfang bietet das grosse und selbstgemalte «Brasil Capoeira-Transparent», welches mit den Farben Blau, Grün und Gelb die gegenüberliegende Wand am anderen Ende der Academia schmückt. Weiter sorgen viele Fotos und Bilder von Batizados, Workshops oder Ostertreffen für eine freundliche und gemütliche Atmosphäre.
Gleich links neben der Eingangstüre steht der kleine Brasil Capoeira-Shop mit T-Shirts, Abadás, Solinhas, Büchern, Videos und Turnschuhen.

A propos Schuhe...unsere Füsse gewöhnen sich nun an härtere Zeiten, denn im Gegensatz zur alten Academia ist der Boden hier aus Beton. Aber das ist halb so schlimm, denn mit einer liebevollen Fusspflege erholen sich die Füsse rasch und werden zum weiter trainieren animiert. Zudem gibt es ja noch die «Solinhas da Preta»...!
 
19.25 - Alle Ankömmlinge des 19.30 Uhr Trainings beginnen in der Roda zu spielen. Die Anfänger sind vom Können der Fortgeschrittenen begeistert, und gleichzeitig macht es ihnen ein bisschen Angst.
 
Platz zum Trainieren haben wir nun genug. Während sich Einige noch hinter den zwei Pfosten in der Mitte des Raumes verstecken, beobachten sich die Anderen im Spiegel und befassen sich mit der Technik der Ginga, der Meia Lua oder der Arrmada. Andere üben sich auf den Tatamis im Salto, Aú, Macaco oder dem Handstand. Zudem besteht die Möglichkeit am eigenen Muskelaufbau zu arbeiten, indem man sich in der «Fitnessecke» anhand der aufghängten Poster über die Muskelverläufe orientiert, sogar mal eine Hantel zur Hand nimmt und gezielte Übungen ausführt.
 

 

 

Im Nilsas Shiatsuraum kann man sich mit einer Shiatsumassage verwöhnen lassen und sich dabei entspannen. Aber natürlich erst nach dem Training oder nach Vereinbarung.

19.30 - Salve Capoeira! Abschied für die Anfänger und Begrüssung der Fortgeschrittenen. Das Anfängertraining ist damit zu ende, jetzt kommen die Fortgeschrittenen ins Schwitzen. Mestre Matias muss sich mit einzelnen Schülern des ersten Trainings beschäftigen, die immer viel zu fragen haben. Daher lässt er Graduada Preta das Aufwärmen des nächsten Trainings gestalten. Preta pfeifft uns zusammen wie ein Feldmarschall. Sie schaut in die Runde und lacht...was sie wohl wieder plant? Samba, Afro, Ginga-Chi oder knallhartes Krafttraining? Bei Pretas Einwärmen muss man auf alles gefasst sein!

Wenn wir gerade nicht zu zweit Entrada oder Tesoura in Kombination mit Negativa und Rollê üben oder in drei verschiedenen Rodas das Spielen lernen, laden wir unseren Überfluss an Energie an den beiden Sandsäcken, mit Quiexada, Benção, Martelo oder Galo-pante ab. Und das tut zwischendurch richtig gut..
 
In der selbstgemalten Roda üben wir am Ende des Trainings das neu Gelernte oder festigen die uns bereits bekannten Bewegungen. Wir spielen auch Berimbau, Pandeiro oder Ata-baque und Singen.
 
19.50 - Uuff! Wir haben das Aufwärmen hinter uns!! Aber jetzt kommt der Mestre... Angriffe, Verteidigung, Bodenarbeit, Akro in der Reihe,  alles mit so vielen Wiederholungen bis er zufrieden ist.


Ginga!


Das Kinder-Training

Im Videoraum können wir uns durch die Grossprojektion der verschiedenen Videos von der Welt der Capoeira verzaubern lassen, fast so als wären wir hautnah dabei. Oder wir können Erinnerungen von bereits vergangen Treffen wecken und uns dabei selber beim Spielen beobachten.
 
20.45 - nach der Roda bleiben Viele auf den Tatamis und trainieren weiter Saltos, Folha seca, etc. Façeira und ich versuchen uns anschliessend im Singen und Berimbau spielen, unser nächstes grosses Ziel, das wir anpeilen. Dass ich schon so bald in Portugiesisch singen kann, hätte ich nie gedacht! Von unserem Gesang verscheucht gehen
Einige bereits duschen und verabschieden sich.

 
Es ist stark zu spüren mit wie viel Liebe und Freude Mestre Matias seine Academia einrichtet, gestaltet und umsorgt.
Ich fühle mich wirklich daheim in der Academia!




































 
 

«Es gibt nicht Schöneres als das Lächeln eines Kindes.»

Interview mit Mestre Canelão in Salvador, Brasilien
von Nilsa Eberhart


Mestre Matias und Mestre Canelão

Wie war Ihre erste Begegnung mit der Capoeira?

«Guck mal, meine erste Begegnung mit der Capoeira war fast ein Zufall. In meinem Dorf gab nichts Ähnliches, man redete sehr schlecht und negativ über Capoeira. Kampfkünste begeisterten mich immer ich begann mich dann nach etwas Geeignetem zu erkundigen. Ein Kollege von mir hatte in Rio trainiert,und als er zurück in unser Dorf in der Nähe von Natal kam begann er, mir einige Bewegungen zu zeigen. Dann kehrte er wieder nach Rio zurück und ich trainierte diese wenigen Bewegungen weiter. Jedesmal wenn jemand vorbei kam, der etwas mit Capoeira zu tun hatte, war ich dabei, immer auf der Suche nach etwas Neuem. Damals war ich 15 oder 16 Jahre alt. Nach etwa vier Jahren kam Mestre Indio, der in Natal mit Mestre Pinachi trainierte. Ich blieb zehn Jahren mit ihm, nachher begann ich zu reisen. Ich ging nach Salvador wo ich Mestre Itapoan in den 90er kennen lernte.»

Wie sehen Sie Ihre Capoeira-Arbeit jetzt im Vergleich zu der Zeit als Sie damit angefangen haben?

«OOOOH! Es ist etwas ganz Anderes, jetzt ist es wirklich super, ich hatte damals überhaupt keine Unterstützung. Heute versuchen die verschieden Ämter alles, was mit Kultur zu tun hat zu unterstützen, sie sehen Capoeira mit anderen Augen. Ich habe sehr viel für die Entwicklung der Capoeira in meinem Kanton getan, jetzt kann man überall spielen: Von den Strassen bis hin zu den Universitäten.»

Wer oder was inspirierte Sie eine Arbeit mit Strassenkindern aufzubauen?

«Als Kind war ich auch sehr arm. Meine Eltern halfen immer allen Leuten, mein Vater hatte eine Bäckerei und verschenkte alles, deswegen ging er bankrott. Ich war immer sehr wütend darüber, und kritisierte ihn ständig, aber als ich zu unterrichten begann, fühlte ich auch diesen Drang, anderen zu helfen, ich wollte das lernen, und begann zu verstehen, dass helfen, etwas sehr Schönes ist.»

Welches sind die grössten Probleme, mit denen sie konfrontiert werden?

«DROGEN. Es ist sehr, sehr schwierig mitanzusehen, wie Kinder zu Grunde gehen, sterben oder den Kopf völlig verlieren. Es macht mich unendlich traurig, Kinder zu sehen, die in meine Obhut kommen und es dann doch nicht schaffen sich davon zu befreien. Aber es gibt sehr viele denen ich geholfen habe, die aus dem Sumpf ausgestiegen sind, einen Schulabschluss geschafft haben, einen Beruf und eine Familie haben. Das ist meine Bestätigung, das Schönste an meiner Arbeit. Eine Person von zwanzig schafft es nicht aus das Elend rauszukommen; früher hatten Drogenhändler meine Schule attackiert, angeschossen, heute ist es Gott
sei Dank viel ruhiger geworden.»

Welches war der schönste Moment für Sie?

«Ich hatte schon so viele wünderschöne Momente in der Capoeira, das ich es nicht genau sagen kann. In den letzten Jahren bin ich sehr zerbrechlich und sentimental geworden, alles berührt mich sehr. Besonders wenn ich irgendwo hin reise und sehe mit wie viel Enthusiasmus die Jugend trainiert, ich hatte das nicht, Frauen trainierten damals auch nicht, und jetzt kommandieren Frauen in der Roda, und das alles auch noch ausserhalb Brasiliens. Es ist fantastisch wie Mädchen, Mutter und Vater, ganze Familien zusamme-ntrainieren. Ich hatte diese Unterstützung nicht, nicht von meinen Eltern, sie sagten, dass Capoeria etwas für Land-streicher und Diebe sei. Um zu trainieren musste ich mich immer verstecken, der einzige, der davon wusste, war mein Grossvater.»

Ist für Sie die Arbeit mit Armen- und Strassenkindern einfacher geworden?

«Arbeiten mit Kinder und Jugendliche ist ein zweischnei-diges Schwert. Heute bin ich viel besser vorbereitet. Ich gebe allen sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit. Machmal werde ich sogar missverstanden deswegen. Diese Kinder sind sehr arm, was die Liebe anbelangt, zu Hause, auf der Strasse; und ich nehme sie dann zu mir oder bringe sie zu meinen Eltern und bitte meine Mutter, sie wie eigene Kinder aufzunehmen, sie zu lieben. Ich habe viele Kinder die so aufgewachsen sind, ich unarme sie und gebe alles von mir.

Diese Kinder sind wie wilde Tiere die Aufmerksamkeit zu erregen versuchen, die Liebe brauchen. Anhalten, sich mit ihnen unterhalten, diesen Hunger stillen, das kostet nichts. Heute habe ich mich mit einem Jungen in Pelorinho unterhalten. Er wollte Geld um Brot zu kaufen, ich sagte, ich gebe dir das Geld, aber Du kaufst dir ein Brot! Er ging und kaufte sich das Brot dann kam zurück zu mir. Bevor ich ihm das Geld gab, unterhielt ich mich ein bisschen mit ihm. Ich wollte wissen, warum er auf der Strasse wohnt und er sagte, dass hier alles viel einfacher für ihn ist, dass er so essen kann. Das hat mich sehr traurig gemacht. Wo ist die Menschenwärme geblieben? Wo sind seine Eltern, um ihn zu umarmen? Manchmal glaube ich, dass ich nicht von diesen Welt bin. Ich kann nicht fassen wie egoistisch und grausam die Welt geworden ist. Es gibt wenig Leute mit sehr, sehr Viel und sehr viel Leute mit sehr, sehr Wenig oder gar Nichts.

Alles was ich bin, alles was ich habe, habe ich der Capoeira zu verdanken. Ich war nie auf einer Universität, aber ich bin überallhin gereist. Meine Arbeit hat mich bis nach Europa gebracht. Meine Arbeit mache ich nicht nur mit den Strassenkindern, sondern auch mit Jugendlichen und Senioren. Zum Beispiel organisiere ich jedes Jahr ein Fest mit mehr als 200 Senioren, einige spielen Capoeira oder Tanzen. Das Schönste ist, sie lächeln zu sehen. Das gibt mir Kraft.»

Gibt es Rivalitäten oder Eifersucht in der Schule?

«In meine Schule ist wie in einer grossen Familie, alle helfen einander. Ich habe nicht nur arme Kinder. Neben den Strassen-Weisen sitzt auch der Sohn vom Doktor. Wer keine Unterkunft hat, wohnt in der Schule bis wir etwas für ihn finden. Die, die mehr haben, zahlen für die, die nichts haben. Manchmal ist es sehr schwierig, es Allen recht zu machen. Gebe ich dem Einen mehr Aufmerksamkeit, wird der Andere eifersüchtig, Kinder wie Erwachsene.

Es ist eine harte Arbeit, aber es gibt nicht Schöneres als dasLächeln eines Kindes.»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
Boa Vontade, Ginga und Negaça: Drei Capoeira-Gruppen aus Brasilien...oder die Capoeira-Erlebnisse von Façeira in Brasilien
Tanja Hackenbruch (Façeira)
BOA VONTADE...
Man stelle sich vor, wie ich mich am 31.11. 2003 gefühlt habe: Vor 5 Tagen hatte ich mein Studium an der Uni abgeschlossen, feierte das noch in der kalten Schweiz und nun stieg ich in Brasilien, genauer in Natal, bei 35 Grad Celsius aus dem Flugzeug. Erwartet wurde ich von Mestre Canelão und seinen Schülern. Eine ganze Delegation holte mich am Flughafen ab und dann gings direkt zum ersten Capoeira-Event: eine Batizado in einem kleinen Dorf in der Nähe von Natal.


Tanja spielt mit Mestre Canelão

Eine Woche blieb ich bei Mestre Canelão und ich erlebte ein Capoeira-Ereignis nach dem anderen: Sowohl bei der Batizado im Dorf als auch bei der grossen Batizado in Natal wurde ich immer voll miteinbezogen. Ich durfte am
Anfang jeweils mit den Mestres spielen, durfte wie alle Mestres eine kleine Rede halten und sogar Kinder taufen. Ich musste Autogramme geben, wurde ständig fotografiert und ich gab sogar für eine TV-Reportage ein Interview. Alle Menschen waren herzlich, freundlich und unheimlich lieb zu mir. Vom Morgen bis am Abend wurde ich verwöhnt und umsorgt.

Das Allerschönste in Natal waren für mich die Rodas am Abend bei der Academia von Mestre Canelão. Ich fühlte mich dort geborgen wie in einer Familie. Die besten Schüler von Canelão gaben mir Tipps, zeigten mir einzelne Schläge, Kombinationen und Akrobatik. Mit den Mädchen übte ich Samba tanzen und war beeindruckt wie selbst die Kleinsten bereits «hüftelen» und kokettieren konnten. Ich lernte in Natal Capoeirstas kennen, die seit sie laufen können Capoeira spielen, die dank Mestre Canelão ein Zuhause und ein sinnvolles drogenfreies Leben gefunden haben. Die Capoeira hat sie von der Strasse geholt und Capoeira ist das Wichtigste in ihrem Leben. Sie spielen mit so viel Leidenschaft und Risiko, wie ich es noch nirgendwo gesehen habe.

GINGA...
Nach einer Woche bei Canelão ging meine Reise weiter nach Salvador. Hier wartete ein grossartiges Ereignis auf mich: Die Grupo Ginga von Mestre Itapoan feierte ihr 30jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums gabs ein grosses Treffen mit Workshops, einem Wettkampf und natürlich einer Batizado.

Am Treffen fühlte ich mich ganz zu Anfang ein wenig verloren: So viele Gruppen waren hier, man spürte eine gewisse Rivalität und ich gehörte nirgends dazu. Bald kamen aber die Schüler von Itapoan auf mich zu und unterhielten sich mit mir. Zudem lernte ich an diesem Treffen einige nette Mestres kennen, die sich ebenfalls um mich sorgten. Hier nur diejenigen, die mir am Besten in Erinnerung sind: Mestre Suassuna, dessen Gesang toll war, Mestre Mão Branca, der mich ständig umgarnt hat, Mestre Paulão aus Brasilia, der so sanft und anständig war und zahlreiche Schüler von Mestre Bimba von denen mich der kleine Mestre Gigante am meisten beeindruckt hat.
Mestre Itapoan bestand darauf, dass ich an der Copa feminina mitmachte. Mir war sehr mulmig zumute, als ich mit meiner Startnummer und den anderen Meninas darauf wartete, das erste Mal antreten zu müssen. Wie das Leben so spielt, trudelten kurz vor dem Start Mestre Matias und Nilsa ein. Jetzt wurde ich erst richtig nervös, denn vor dem
Façeira mit Mestre Itapoan, Roda in der Küche eigenen Mestre wollte ich natürlich besonders gut abschneiden. Ich musste gegen zwei schwarze junge Frauen antreten, die salvadorisches Capoeira in Reinform spielten. Es machte mir, unglaublich Spass mit diesen starken und schnellen Frauen zu spielen. Obwohl ich natürlich nicht immer wusste wie mir geschah, als sie gesprungene Tesouras und rasteiras aus jeder Position machten.

Die Batizado am folgenden Tag war ebenfalls schön und es war mir eine Ehre, vor der ganzen salvadorianischen Capoeira-Szene in der Roda feminina zusammen mit Nilsa «Brasil Capoeira» aus der Schweiz zu vertreten.

Der Höhepunkt in Sachen Capoeira in Salvador fand ein paar Tage später statt. Itapoan machte in seinem Haus ein kleines Fest und lud dazu nur einige seiner Schüler, seine Familie und Mestre Magôo ein. Ich ging mit meiner neuen Freundin Sundown aus Belo Horizonte dorthin. Es war wunderschön; wir spielten in der Küche Capoeira bis die Gläser zerschlugen und wir sangen bei Kuchen und Getränken bis tief in die Nacht hinein. Nun fühlte ich mich auch hier geborgen und wohl. Ich hatte schon die zweite Familie in Brasilien gefunden. Im Gegensatz zu Canelão sind die Schüler und die Grupo Ginga von Itapoan ganz anders: Die meisten haben studiert und kommen aus sozial gut gestellten Familien. Ihr Spiel ist kaum akrobatisch, hat wenig Elemente am Boden und sie halten sich an Bimbas Capoeira. Sie spielen schnell, kampfbetont und äusserst effizient.



Tanja spielt mit Mestre Itapoan in der Küche
NEGAÇA...
Der nächste Capoeira-Trip führte mich zusammen mit Sundown nach Belo Horizonte. Ihr Freund, Mestre Aranha, hat dort eine Academia. Mestre Aranha ist eine imposante Erscheinung: Gross, schwarz und vor allem sehr kräftig. Er kommt aus einer armen Familie und er ist ein Capoeira-Kämpfer, der trotz seiner Masse wahnsinnig schnell ist. In Belo Horizonte ging ich jeden Tag in Aranhas Training. Seine Academia ist düster, voller Löcher am Boden und stinkig. Die Schüler kommen eher aus der unteren Gesellschafts-schicht und es ist für Aranha nicht einfach, mit diesen Capoeiristas zusammenzuarbeiten. Der Stil der Grupo Negaça ist dem unseren recht ähnlich und auch Aranhas Trainingsmethoden glichen jenen von Matias. Das Beste in Belo Horizonte war die Roda auf der Praça da Liberdade am Tag vor meiner Abreise nach Rio. Zahlreiche Sonntags-spaziergänger besuchten unsere Roda und schauten zu. Es war heiss und es entstand eine aufregende, energie-geladene Atmosphäre. Am Abschluss sang Aranha für mich das Lied «Moça Façeira» und ich musste dazu mit jedem aus der Gruppe spielen. Bei diesem letzten Spiel in Braslien, glaubte ich, dass mein Herz zerspringen müsse vor Glück, alles war so schön: die Musik, die Bewegungen, das Wetter, mein eigenes Körpergefühl; einfach perfekt.

..und zum Schluss noch dies: Capoeira ist eine vielfältige, anspruchsvolle Kunst, die schwer fassbar ist. Ich glaube, dass ich in Brasilien vor allem in dem Sinne ein Stück weiter gekommen bin, dass ich angefangen habe, zu begreifen und zu fühlen, was Capoeira überhaupt ist. Capoeira ist pure Freude, Lust und Freiheit. Sie verlangt aber auch Disziplin und Opfer. Ich habe gelernt, dass es nicht so wichtig ist, viele Bewegungen oder Kunststücke perfekt zu beherrschen, wichtiger ist mit Leidenschaft und Freude bei der Sache zu sein. Es geht nicht darum, wer besser ist, sondern darum, dass man zusammen etwas Gutes erlebt und die Gefühle miteinander teilen kann. Es spielt keine Rolle ob man spielt, singt, klatscht oder ein Instrument spielt, alles ist gleichwertig und gehört dazu. Nur die Einheit, das Zusammenspiel in der Roda bringen einen Capoeirista und seine Gruppe weiter.

«Brasil Capoeira» ist eine gute Gruppe und wir haben einen Mestre, der schön und effektiv Capoeira spielt. Wir sollten alle davon profitieren und in den Rodas noch mehr die Freude und die Lust an der wunderschönen Kunst
erleben und zur Schau tragen!