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Bomba Stolzer Tanz der Sklaven
Nilsa
Eberhart
Graduada Preta
Wir befinden uns im 17. Jahrhundert, es ist Samstagnacht bei
einer Zuckerrohplantage im Norden der karibischen Inseln von San Juan
Bautista (heutiges Puerto Rico). Eine Frau singt «Bambulae sea
allá«; ein Chor antwortet «sea contigo no mas»;
drei Männer spielen die Barriles (Trommeln). Eine Sklavin spaziert
vor die Barriles und grüsst höflich. Mit langsamen, sinnlichen
Bewegungen beginnt sie ein Gespräch mit der Primo (Haupttrommel).
Sie bewegt ihren Rock im Rhythmus mal seitlich, mal nach oben oder rollt
leicht die Schultern.
Der Primospieler
schlägt jeden Akzent dazu auf der Trummel. Die Bewegungen der Tänzerin
werden schneller, heftiger, sogar rabiat. Will sie so den Alltag vergessen?
Das Leben als Sklavin? Sich von der Unterdrückung und dem Schmerz
für einen Augenblick befreien? Oder macht sie sich über die
steifen Flamenco-Tänze der Spanier lustig? Sie imitiert deren Bewegungen
und wirft ihren Rock mit Stolz hin und her, so heftig, als ob sie ihn
zerreissen wollte. Wer möchte schon mit diesem langen, breiten
Rock den ganzen Tag in den Plantagen schuften?
Bomba nennt sich dieser Tanz voller Kraft und Temperament und der doch
sinnlich und graziös ist. Entstanden ist er aus einer Mischung
verschiedener afrikanischer Völker auf Puerto Rico, die keine gemeinsame
Sprache beherrschten und nur durch die Musik kommunizieren konnten.
Daher ist die Musik mit einfachen Texten durchsetzt, ohne viele, komplizierte
Worte, meist handelt es sich lediglich um Ruf und Antwort. Eigentlich
ist Bomba, (Bambulae, Bambula) der afrikanische Name für eine Trommel,
man tanzt die Bombas oder man tanzt Bomba. Die stolzen Bewegungen des
Flamenco erkennt man wieder in Bomba; es wirkt als ob die Sklaven mit
einem «afrikanischem touch» Flamenco tanzen.
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Nach
Puerto Rico kamen kaum Sklaven direkt aus Afrika, eher aus den anderen
karibischen Inseln wie Kuba, Curaçao und den französischen
Kolonien. Dies führte zu einer Mischung aus Rhythmen und Wörtern.
Auch durch die Cimarrones (entflohene Sklaven) der verschiedenen Inselteile,
die sich frei bewegen konnten, wurde der Tanz verbreitet. Jede Region
der Insel wurde damit durch bestimmte Rhythmen geprägt: Im Süden,
cuembé, langsame und sinnliche Musik, die hauptsächlich von
Frauen gesungen wird; Im Westen sicá, yubá stolze und charaktervolle
Musik; im Norden holandé und seis corrido sehr schnelle, fröhliche
Rhythmen die eher von Männer gesungen werden. Andere Rythmen sind
corbé, bambulaé, leró und gracimá, die aber
langsam in Vergessenheit geraten.
In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Bomba aus
der weissen Gesellschaft gestossen. Nach der Befreiung der Sklaven 1874
wollte sich niemand mehr mit diesem Teil der Geschichte oder allem Anderen,
was von der schwarzen Bevölkerung geprägt war, identifizieren.
Erst in den 50er Jahren erlebte Bomba durch verschieden sogenannte Big
Bands eine Renaissance. Sie wurde dadurch salonfähig gemacht und
in den High Society Clubs gespielt. Dank der Familie Cepeda, die bis
heute seit sechs Generationen die Tradition von Bomba erhalten hat,
interessierte sich die Jugend wieder für diesen folklo-rischen
Tanz. Bomba traditionell, nur mit den Barriles und Maraca begleitet,
wird heute in Pubs und Bars gespielt und von jedem getanzt, der den
Piquete (solo accente) beherrscht.
Als in Brasilien die Sklaven in den Senzalas (Sklaven-Unterkünfte)
einen Kampf (Capoeira) entwickelten, und in den Südstaaten Nordamerikas
die Sklaven den Gospel sangen und weinten, tanzten sich die Schwarzen
in Puerto Rico den Alltag aus den Leib. Dieses Erbe trage ich voller
Stolz tief in mir drin. BOMBA!

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Ehrengast
Mestre Itapoan
Raimundo César Alves de Almeida, Mestre Itapoan, wurde am 13.
August 1947 in Salvador da Bahia geboren. Er ist Zahnartz und Professor
an der odontologischen Fakultät der Universität von Bahia.
Seine Capoeira-Ausbildung mit Mestre Bimba begann er am 22. September
1964, von ihm wurde er auch diplomiert und spezialisiert. 1970 organisierte
Mestre Bimba ein Turnier zwischen den graduierten Schülern, Mestre
Itapoan gewann in allen Kategorien, (campeão absoluto), ein Jahr
später gewann Mestre Itapoan den Meistertitel im Einzeln- und Doppelspiel
in den Spielen der Universität von Bahia
.
Als Mestre Bimba, Bahia verliss und nach Goiás ging, enschied
sich Mestre Itapoan seine eigene Gruppe zu gründen. Am 13. November
1972 gründete er zusammen mit Helio Xaréu, die «Ginga
- Associação de Capoeira».
1975 wurde Mestre Itapoan wieder zum Meister gekrönt, er gewann
den Pokal in Capoeira-Technik im Mestre Bimbas Silber-Jubiläum
F.B.P.. Er wurde auch dreimal bahianischer Meister in der Capoeira-Technik
(1976, 77, 78).
1980 - Gründete er die «Federação Baiana de
Capoeira» (Baianischer Capoeira Verband) und Mitglied des Verwaltungs-rats.
Zudem rief er 1983 die «Associação Brasilera dos
Professores de Capoeira - ABPC» (Verein der Brasilianische Capoeira
Professoren) ins Leben.
1990 erhielt Mestre Itapoan die Nationalsport-Verdienst-Medaille. Er
schrieb die Bücher: «Bimba, Perfil do Mestre», «Mestre
Atenilo - O Relâmpago da Capoeira Regional», «Bibliografía
Crítica da Capoeira» und «A Saga do Mestre Bimba».
Zusätzlich ist er Verleger bei der «Negaça»
Zeitschrift.
Doch in erster Linie ist er ein Capoeirista Regional.
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Welchen Rat würden
Sie allen nicht brasilianischen Schülern geben? (Gingando 2002)
«Alle Schüler, egal von wo, müssen sehr, sehr viel trainieren,
lernen, suchen und viel Geschichte studieren, um wirklich zu spüren
was Capoeira ist. Die Capoeira ist nicht eine physische Kunst, bei der
man ein paar Bewegungen lernt und trainiert und hop jetzt bin ich ein
Capoeirista. Sie können ein erstklassiger Capoeira Athlet sein,
aber nie ein richtiger Capoeirista. Capoeirista zu sein ist etwas viel
Grös-seres, so, nonstop studieren und viel nach Brasilien reisen.
Der Traum jedes Judoka und Karateka ist es, einmal nach Japan zu gehen,
um die alten Meister zu treffen, der Traum jedes Capoeirista ist es,
einmal nach Bahia zu gehen und diese Energie der Schwarzen zu spüren,
die sie in Europa niemals spüren werden. Um ein kompletter Capoeirista
zu werden, müssen sie sich sehr anstrengen, sonst werden sie immer
nur ein Athlet bleiben».
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Capoeira Regeln von Mestre Bimba
Na casa dos outros,
se for dormir, durma com um olho fechado e outro aberto.
Wenn Du im Haus eines anderen schläfst, schlafe mit einem offenen
und einem geschlossenen Auge.
Não dobre esquinas. / Biege nicht in Ecken ein.
Não passe debaixa de árvores frondosas á noite.
Gehe nachts nicht unter dicht belaubten Bäumen.
Não sente de costas pra rua em lugar algum.
Setze Dich nicht irgendwo mit dem
Rücken zur Straße hin.
Não ande em ruas escuras. / Laufe nicht in dunklen Straßen.
Seguro morreu de velho. / Sicher währt am längsten.
Na roda, se cochilar o cachimbo cai.
Wenn man in der Roda schläft, fällt die Pfeife. Mit anderen
Worten, man bekommt was auf den Deckel.
Deixe de fumar. È proibido fumar durante os treinos.
Gib das Rauchen auf. Es ist verboten, während der Trainings-stunde
zu rauchen.
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Deixe de beber. O uso do álcool prejudica o metabolismo muscular.
Gib das Trinken auf. Der Genuss von Alkohol beeinträchtigt den
Stoffwechsel der Muskeln.
Evite demonstrar aos seus amigos de fora da roda de capoeira os seus
progressos. Lembre-se de que a surpresa é a melhor aliada na
luta.
Vermeide es deinen Freunden außerhalb der Capoeira-Roda deine
Fortschritte zu zeigen. Denk dass die Überraschung dein bester
Verbündeter im Kampf ist.
Evite conversar durante os treinos. Você está pagando pelo
tempo que passa na academia e observando os outros lutadores aprenderá
mais.
Vermeide es während des Trainings zu schwätzen. Du bezahlst
für die Zeit, die Du in der academia verbringst, und beim Beobachten
der anderen Kämpfer kannst du viel lernen.
Gingue sempre. / Geh immer in die Ginga.
Pratique, diaramente, os exercícios fundamentais.
Trainiere täglich die Basisübungen.
Não tenha medo se aproximar do oponente. Quanto mais próximo
se mantiver, mais aprenderá.
Habe keine Furcht Dich dem Gegner zu nähern. Je näher Du an
ihm dran bist, desto mehr kannst Du lernen.
Conserve sempre o corpo relaxado. / Lass den Körper immer entspannt.
È melhor apanhar na roda do que na rua.
Es ist besser sich in der Roda zu schlagen als auf der Straße.
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Die speziellen Kinder von Mestre Matias
Interview
von Graduada Preta mit Mestre Matias
Wie
lange unterrichten sie schon Capoeira?
Einundzwanzig Jahre.
Was hat sie in all diesen Jahren am meisten geprägt?
Die Arbeit, die ich mit speziellen Kindern gemacht habe.
Wo haben sie unterrichtet? Wie lange?
In Curvelo und Umgebung (Minas Gerais) unterrichtete ich sechs Jahre
lang und zweieinhalb Jahre davon in der APAI (Associação
Pais e Filhos), einem Verein für Eltern und Kinder, der mit der
LBA, (Legião brasileira de alfabetização) der Brasilianischen
Alphabetisierungsliga, zusammen arbeitete.
Wie sind sie zu dieser Arbeit gekommen?
Ein Schüler von mir unterrichtete an dieser Schule Handarbeiten
und ich wollte dort mit einem Capoeira-Projekt beginnen. So ging ich
dorthin und besprach meine Idee mit den Direktoren. Anfangs waren sie
nicht sehr begeistert und zweifelten an den Fähigkeiten der Kinder.
Doch nach einer Woche bekam ich eine positive Zusage und begann einmal
pro Woche eine Stunde kostenlos Capoeira zu unterrichten.
Was meinen sie mit «speziellen» Kindern?
Diese Kinder waren etwas Besonderes. Da waren verschieden Stufen von
Behinderungen und Kinder mit emotionalen Problemen. Sie kamen zum Beispiel
aus zerstörten Verhältnisse, wo sich die Mutter prostituierte
und der Vater trank, oder sie hatten gar keine Eltern. Das Sozialamt
brachte sie dorthin, die meisten waren sehr klein und sehr verwirrt.
Sie blieben dort bis sie etwa fünfzehn Jahre alt waren.
Es gab aber auch Kinder mit physischen Behinderungen. Es fehlten Ihnen
zum Beispiel ein Arm oder ein Bein oder sie konnten nicht laufen. Auch
Kinder mit heftigen Koordinations-Problemen, taubstumme und blinde Kinder
sowie solche mit Retardationen oder dem Down-Syndrom.
Haben Ihnen die anderen Lehrer vertraut beim Umgang mit Behinderten?
Nein, am Anfang waren sie etwas skeptisch und distanziert weil ich nur
ein junger Capoeira Professor war. Nach sechs Monaten hatten wir eine
Sitzung, um Bilanz zu ziehen und um zu entscheiden, ob ich weiter machen
durfte. Da gingen die Sportlehrerinnen zu der Direktorin und lobten
die Fortschritte der Kinder. Sie waren von der Koordination, Konzentration
und Begeisterung der Kinder einfach beeindruckt.
Wie entwickelte sich Ihre Arbeit dann?
Also, ich unterrichtete am Anfang nur die Kinder mit den Problemen zuhause,
aber mit der Zeit begannen sich auch die anderen, die immer nur zuschauten,
dafür zu interessieren. So machte ich den Vorschlag einen ganzen
Tag Capoeira für alle zu geben. Das war sehr, sehr anstrengend
für mich, es war eine Arbeit die sehr viel Substanz erforderte,
aber es lohnte sich tausendmal. Ich begann um sieben Uhr morgens bis
sechzehn Uhr und hatte ungefähr 200 Kinder in Gruppen von achtzehn
bis fünfundzwanzig. Das alles je zweimal pro Woche. Nach wenigen
Monaten konnte man die Fortschritte sehen, sogar bei den Kindern mit
absolut keiner motorischen Koordination, die nicht mal in die Hände
klatschen konnten. Die Taubstummen hatten mehr Schwierigkeiten, als
diejenigen mit dem Down-Syndrom, die mich wahnsinnig überrascht
hatten. Mit der Zeit, spielten die Kinder in der Roda.
Am siebten September, dem Tag der Unabhängigkeit, machen in Brasilien
alle Schüler einen Strassenumzug, bei dem sie Musikinstrumente
spielen oder auf der Strasse tanzen usw. Aber weil diese Schule für
spezielle Kinder war, haben wir bereits im Vorfeld rund um die Schule
geübt, um die Kinder für diesen Tag vorzubereiten. Da passierte
etwas, das mich tief berührt hat. Ein Freund von mir wollte mich
spielerisch überraschen und packte mich von hinten am Nacken. Eines
der Down-Syndrom-Kinder sah das und rannte zu mir, um mich zu retten.
Es schnappte meinen Kollegen am Hals und schrie ihn an. Es würgte
ihn immer mehr und mehr und wollte nicht loslassen. Mann hatte dieses
Kind Kraft! Diese Kinder sind unglaublich, wenn sie jemanden gern haben,
dann ist das einfach pure Liebe, es wollte mich verteidigen.
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Wissen
Sie, ob einige dieser Kinder bis heute trainieren?
Im Oktober 2003 war ich wieder in Curvelo und plötzlich sprach
mich ein kräftiger Bursche an: «Oh Mestre kennen sie mich
nicht mehr?» ich schaute zweimal und erinnerte mich an sein Gesicht,
aber nicht an den Namen. Er war eines der Kinder mit Problemen zuhause.
Dann traf ich einen anderen, er war leicht Geistigbehindert, auf der
Strasse. Er sagte: «Mestre wissen sie nicht mehr wer wir sind?»
Ich musste überlegen. Er war mit einem Mädchen zusammen und
ich hatte beide an der APAI unterrichtet. Beide arbeiten jetzt und führen
ein einfaches gutes Leben, das sind Kinder die gerettet worden sind.
Capoeira ist Musik, wie war das denn wenn sie keine Musik hören
konnten?
Mit sehr viel Liebe konnten sie die Musik spüren. Die Taubstummen
haben tatsächlich etwas wahrgenommen. Ich stellte die Lautsprecher
auf den Boden, obwohl dieser nicht aus Holz war. Die Kinder balancierten
den Körper hin und her, es war erstaunlich. Es war geplant, einen
speziellen Raum mit Holzboden zu bauen, aber dann wollte ich nach Europa
und die Schule wollte niemanden anderen zum Unterrichten. Entweder ich
oder keiner.
Beim Klatschen war es schwierig, einige trafen vielleicht einmal von
zehn Versuchen, die die wenig sprechen konnten, machten irgendeinen
Laut, und die Melodie war da, ich weiss nicht wie. Andere hatten Hörapparate
und wollten dennoch mitsingen. Die Gehörlosen sprachen mit den
Händen, ich konnte das nicht, und die Lehrerin sagte zu mir, dass
wenn die Kinder dicke Augenbrauen zeigen, sprächen sie über
mich. Ich schaffte es immer, mit ihnen körperlich zu kommunizieren,
wie, weiss ich nicht, nur wenn ich etwas Kompliziertes erklären
musste, dann rief ich die Lehrerin zu Hilfe.
Wie
haben die Kinder mit physischen Behinderungen die Capoeira Bewegungen
geschafft?
Capoeira Bewegungen zu machen ist eigentlich falsch gesagt, Capoeira
zu erleben wäre richtig. Man ist so gut, wie man gut sein kann.
Da waren Kinder die nicht laufen konnten, und versuchten sich auf ihre
Art zu bewegen. Einer machte einen Kopfstand und die Beine sind einfach
irgendwie nach oben gegangen. So unglaublich wie es scheint da waren
einige, die stellten die Hände auf den Boden, konnten die Beine
nicht bewegen, aber sie gingen hoch. Einer, der nicht laufen konnte,
machte eine mächtig schnelle Meia Lua de compasso, es war erstaunlich.
Um in der Roda zu spielen, musste er sich mit den Händen schleppen.
Das alles ist sehr berührend, sie alle wollten einfach versuchen
zu spielen, ihre Grenzen vergessen und Spass haben.
Ich habe unglaublich viel von diesen Kindern gelernt, ich sehe diejenigen,
die alles haben, zwei Arme, zwei Beine,
alles funktioniert perfekt und sie reklamieren über jede Kleinigkeit.
Wenn jemand zu mir kommt und sagt, mir tut es hier weh, oder ich habe
keine Arbeit mehr, oder ich muss mich operieren lassen, dann sage ich,
das geht vorbei und alles wird wieder gut. Dann kommen mir die Bilder
von meinen speziellen Kinder in den Sinn, die nie wie wir «Normale»
agieren werden, aber den Wille hatten es zu probieren.
Diese Zeit war eine fundamentale Lehre für mich in Sachen Geduld
und Mitgefühl. Ich habe so Vieles gelernt. Es war nicht immer einfach.
Wir alle werden auch mal genervt. Die Frustration nicht raus schreien
zu können, ist für einen Stummen zerreisend. Einen nervösen,
genervten Stummen zu erleben ist echt erschreckend, sie schlagen einfach
alles, was in der Nähe ist oder sogar sich selbst. Das machte mich
sehr traurig, und ich musste lernen mit diesem Gefühl umzugehen.
Aber die Kinder haben auf meinen Unterricht sehr ungeduldig gewartet,
an dem Tag waren alle immer aufgeregt und fröhlich.
Ich lernte wie der Wille, körperliche Behinderungen sprengen kann,
sie gaben mir unglaubliche Kraft.

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Die Bedeutung
des Aufwärmens im Sport und im Speziellen im Capoeira .
von Macaco Branco
(Adrian Almendinger)
Was versteht man unter Aufwärmen?
Unter Aufwärmen werden alle Massnah-men verstanden, die vor einer
sportlichen Belastung der Herstellung eines optimalen psychophysischen
und koordinativ-kinästhetischen Vorberei-tungszustandes sowie der
Verletzungsprophylaxe dienen. (Aus: J. Weineck, «Optimales Training»
1996, s.645)
Vereinfacht gesagt, Körper und Geist sollen auf die anschliessende
sportliche Belastung vorbereitet werden.
Was heisst das nun für ein bevorstehendes Capoeira Training?
Da Capoeira eine vielseitige Sportart ist, mit komplexen, koordinativ
anspruchsvollen Bewegungen, die sowohl Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer
und Beweglichkeit, als auch eine gute Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit
in hohem Masse voraussetzen, ist ein vielseitiges, ganzheitliches Aufwärmen
vor dem eigentlichen Training unabdingbar.
Wie sieht denn ein ganzheitliches optimales Aufwärmen in der Capoeira
aus?
Da Capoeira immer in Verbindung mit Musik ausgeführt wird, kann diese
bereits ins Aufwärmen miteinfliessen; Samba, Samba-Reggae oder Pagode
eignen sich ausgezeichnet für ein gutes unterhaltsames Aufwärmen.
Zudem wird mit einer gut gewählten Musik eine positive, motivierte
Stimmung erzeugt.
Das Aufwärmen sollte folgende vier Punkte beinhalten, die nachfolgend
erklärt und mit Beispielen erläutert werden.
1. Laufen
Beim Laufen soll die Körper- und Muskeltemperatur erhöht werden
sowie das Lungen- und Kreislaufsystem auf die spätere Anstrengung
vorbereitet werden. Dass die Erwärmung der Körpertemperatur
eine enorme Bedeutung auf die Leistung hat, zeigt sich darin, dass, bei
jedem Grad Temperaturerhö- hung ein Anstieg der Stoffwechselvorgänge
um 13% festzustellen ist. Anders gesagt, je wärmer unser Körper-system
ist, umso schneller können wir reagieren und umso bessere Leistungen
können wir erbringen. Selbstverständlich besteht eine Limite
nach oben, die bei ca. 38 Grad liegt.
Verschiede Formen: Leichtes Joggen, Aerobic-Schritte, Tanzkombinationen.
2. Hüpfen
Beim Hüpfen sollen Gelenke und der ganze Bewegungs-apparat weiterhin
erwärmt werden. Dies hat den Effekt, dass die Gelenke durch die jetzt
produzierte Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) genährt werden
und damit spätere Druckkräfte besser aufgefangen werden können.
Zudem soll mit verschiedenartigem Hüpfen die koordinative Leitungsfähigkeit
verbessert werden.
Verschiedene Formen: Hampelmann, Einbeinhüpfen, Langlaufhüpfen
etc.
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3. Dehnen
Das Dehnen soll immer erst bei erwärmten Körper (also nach den
Schritten 1 & 2) stattfinden. Denn erst jetzt sind die Muskeln, Sehnen
und Bänder optimal dehnfähig.
Es gibt unterschiedliche Dehnformen, hinter denen jeweils verschiedene
Motive stehen. Man kann beispielsweise
Dehnen, um Verletzungen
vorzubeugen oder Dehnen, um die verschiedenen Facetten der Beweglichkeit
auszubauen. Dabei ist die erstgenannte Form immer ein Muss für das
Capoeira-Training.
Die zweite Form kann je nach dem, wie oder was man anschliessend trainieren
will, gewählt werden. So gibt es z.B. eine aktive Form des Dehnens,
die bei den Schlägen für ein grösseres Bewegungs-ausmass
sorgt. Dies kann man mit oft wiederholten Beinschwingen nach hinten und
vorne oder auf die Seiten erreichen. Hat aber jemand das Ziel den Spagat
zu beherrschen, so muss er passiv Dehnen. Das heisst, er muss in Ruhestellung
mit dem eigenen Körpergewicht oder mit der Hilfe eines Partners die
Dehnung vorantreiben.
Wichtig ist beim Dehnen ausserdem, dass man eine korrekte Körperhaltung
hat (gerader Rücken) damit es nicht zu Fehlbelastungen kommt.
4.
Kräftigen
Durch das Dehnen sind die Muskeln nun langgezogen und entspannt. Es
geht jetzt darum, die Muskeln in eine optimale Ausgangslage zu bringen,
damit sie das nachfolgende Training mit Erfolg bestreiten können.
Mit anderen Worten: die Muskelspannung muss wieder aufgebaut werden.
Hierzu eignen sich Übungen für Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur
(Liegestützen, Rumpfbeugen, Kniebeugen etc.).
Hat jemand das Ziel seine Muskeln spezifisch zu vergrössern, kommt
er nicht drumherum an den Kraftmaschinen zu trainieren.
Mit diesen vier, hier modellhaft aufgeführten Schritten, ist der
Körper optimal für ein Capoeira Training vorbereitet.
Die Reihenfolge der verschiedenen Aufwärmschritte sollte so eingehalten
werden, damit der Sinn und Zweck des Aufwärmens erfüllt wird.
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Das 9. Capoeira Ostertreffen in Münsigen-City,
10.-11.-12. April 2004
Nilsa Eberhart (Graduada
Preta)
An Ostern, wenn unzählige Menschen ihre Zeit in kilometerlangen
Staus verbringen, schwitzen, singen, spielen und springen die Capoeiristas
jeweils am Ostertreffen. Dieses Jahr fand es in der Schlossmatt Turnhalle
in Münsin-gen statt und man könnte es im Nachhinein als ein
Treffen der Harmonie bezeichnen.
Die beiden (Bern)
Organisatoren Mestre Matias und Graduada Preta, leisteten harte Arbeit,
wobei sie den Schwerpunkt ihrer Anstrengungen auf die Pünktlichkeit
setzten. Am Samstag schon ab 9.00 Uhr bereitete Preta in der Turnhalle
Hinweisschilder, farbige Armbänder und Anmeldungen für die
über hundert Schüler vor. Energía aus Lausanne, war
ihr dabei eine grosse Hilfe. Gleichzeitig rannte Mestre Matias mit den
T-Shirts, den Instrumenten und allen eingeladenen Mestres hin und her.
Mestre Magôo
aus Portugal, wie immer lächelnd, begeisterte die Schüler
in seinem ersten Kurs mit Rasteiras und Xessouras. Die Körperbeherrschung
von Professor Pica Pau, aus Rotterdam, beeindruckte uns alle sehr. Bei
ihm wirkt ein Aú (Rad), nicht wie ein einfaches Aú, seine
Bewegungen sind vollendet kontrolliert und können auch in Zeitlupe
stattfinden.
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Einer der Höhenpunkte war sicher Mestre Paulãos Samba de Roda
Training. Er brachte auch den steifsten unter uns richtig in Schwung und
dazu, sich harmonisch zu bewegen. Die Gesangstunde von Mestre Magôo
endete schlussendlich in einer zweistündige Roda, womit zwar das
Programm vollständig aus den Fugen geriet, der Energiepegel jedoch
deutlich anstieg.
Am Abend wurden wir königlich verwöhnt. Unsere brasilianischen
Köchinnen zauberten aus 10 kg Reis, 12 kg Huhn, 7 kg Bohnen, 8 kg
Salat, 7 kg Kartoffeln und 6 kg Karotten, leckere Gerichte, die uns wieder
belebten. Nach ein paar Stunden Samba tanzen in der Colosseo Bar, waren
auch die aufgedrehtesten reif fürs Bett.
Auch am Sonntag fing das Training wieder pünktlich an, im Afrotakt
weckte Mestre Matias unsere verschlafenen Muskeln und Gemüter auf.
Noch acht Stunden Queijadas, Negativas, und Martelos, mit Mestre Passaro
und Prof. Negola aus Genf, Mestre Zebelê aus Biel und Contra-Mestre
Papa aus Neuenburg. Dank dem Pizzaschmaus in der Pause hielten wir bis
am Abend durch. Das Programm am Abend bestand aus Feijoada, einem Capoeira-Video
und dem Bett.
Der Hauswart musste unser «Dream-Putz-Team» fast aus der Halle
rauswerfen, sie wollten weiter putzen bis alles blitzte und glänzte.
Schlussendlich liessen sie sich dann aber doch dazu bewegen, die Besen
und Wischer abzugeben.
Am Montag erlebten die Überlebenden ein «Warm-up» mit
Graduada Preta, Graduada Monika aus Lausanne und Graduado Linguinha aus
Basel, eine feurige Mischung aus Raggeton, Bogaloo und Samba Raggae...Cool!
Es folgte eine heisse Schluss Roda. Da flogen einem die Martelos, Xessouras
und Rasteiras nur so um die Ohren. Die Mestres zeigten uns wieder einmal,
warum sie Mestres sind und wir noch einen sehr langen Weg vor uns haben.
IIIIEEEEE!
Bis zum nächsten Jahr in Lausanne.
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Capoeira,
wieso?
von Nora und Miriam
(Moranginho und Onzinha) (13J. alt)
Warum wir Capoeira machen Capoeira ist mehr als nur ein Sport! Du musst
Musik (Gesang, Berimbau, Atabaque und Pandeiro), Akrobatik, Kreativität,
Tanz, Kampf, Geschichte, Körperbeherrschung und noch vieles mehr
lernen.
Im Training kannst du deine Aggressionen abbauen und neue Energie auftanken
(auch innerlich). Wenn du in die Academia kommst, tauchst du in eine andere
Welt ein. Du bist ganz dich selbst und vergisst den Stress. Du musst,
ob du nun einen guten oder schlechten Tag hast, immer alles geben!
Du brauchst auch Kraft (körperlich und innerlich) und Mut, Respekt,
Selbstvertrauen und viel Disziplin.
Wahrscheinlich weil Capoeira in den Sklavenhütten und auf den Zuckerrohrfeldern
als Freiheits-und Befreiungskampf diente, ist beim Spielen in der Roda,
die Freiheit immer noch zu spüren.
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Vor 21 Jahren
brachte Mestre Lua die Capoeira in die Schweiz
Gespräch mit Mestre
Lua Rasta in Bern - Mestre Matias
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Mestre erzählen Sie uns wie Sie nach Europa kamen und was sich dann
alles ereignet hat.
«1983 kam ich mit einem Charter Flug nach Europa, genauer gesagt
nach Marseille. Kulturell gesehen passierte für mich dort nicht viel,
auch nicht mit der Capoeira. In Nyon fand dann das African Roots Festival
statt, dort lernte ich einen Brasilianer kennen, der als Geigenspieler
engagiert war. Mit seiner Hilfe konnten meine Kollegen und ich einen kleinen
Musikauftritt durchführen. Wir spielten Afoche und Siranda. Da keine
Capoeiristas zu finden waren, konnte ich nicht Capoeira spielen. Bei dieser
Gelegenheit lernte ich ein Mädchen aus Genf kennen, mit dem ich mich
befreundete, sie lud mich zu sich nach Hause ein. Sie wohnte in einer
Wohngemeinschaft mit einem Amerikaner, der Jesse hiess. Jesse war schon
mal in Brasilien gewesen und kannte die afro-brasilianische Kultur. Mit
dem Französischen hatten wir beide sehr grosse Schwierigkeiten, zudem
hat meine Freundin den ganzen Tag gearbeitet und so konnte sie mir fast
nie bei der Verbreitung meiner Arbeit helfen. Trotzdem begann ich langsam,
Capoeira zu unterrichten, lange Zeit hatte ich nur drei Schüler.
Dann lernte ich Mari-Jo kennen, meine jetzige Frau, mit der ich drei Kinder
habe. Sie half mir unglaublich viel; mit der Sprache, beim Finden geeigneter
Lokale, sowie mit der Werbung. Paulo Siquera, (ein Mestre aus Rio), war
zu dieser Zeit in Deutschland und ich kontaktierte ihn, damit er zu mir
nach Genf kam. Mein Interesse an der Musik entwickelte sich weiter und
ich war bei den verschiedenen Open Airs und Musik Festivals involviert.
Ich spielte Berimbau und Perkussion mit Parafina, einer Gruppe aus Burkina
Faso, wir hatten so grossen Erfolg, dass wir uns für das Welt Musik
Festival anmelden konnten. Als Parafina den Afroteil des Auftritts beendet
hatte, spielten Paulo und ich Capoeira zum Jembé. Zu meinem Glück
schaute eine Theatergruppe mit 24 Personen zu, eine Gruppe, aus der auch
mein langjähriger Schüler Tartaruga kam. Am nächsten Tag
hatte ich schon ein Lokal von einem der Tänzer in der Rue de Genève
und dort begann ich diese Gruppe zu unterrichten. Da viele schon Tänzer
waren, wurde es viel einfacher für mich, ihnen die Bewegungen zu
lehren. Langsam drangen wir in viele andere kulturellen Happenings ein.
Ich machte nicht nur Capoeira, auch Bumba meu Boi, Samba, Maculelê,
und das waren alles Neuheiten in der Schweiz, dank denen wir sehr viele
Einladungen bekamen. Mein Schüler, Christian Tartaruga hat alles
noch auf Video, viele Sachen, an die ich mich überhaupt nicht mehr
erinnere, richtige Geschichte.
Da war auch ein Kulturhaus, wo sich sehr viele Latinos trafen. Mit der
Capoeira war es schwierig, weil ich der einzige Capoeirista war. Ihr habt
jetzt mehrere Gruppen und könnt besser arbeiten. Ich musste meine
Frau voll in die Capoeira miteinbeziehen, um mit jemandem trainieren zu
können. Ich hatte die Grundlagen der Capoeira Regional, ich lernte
die Sequencias und cintura desprezada von Mestre Bimba, obwohl ich eher
zur Angola tendierte. Aber ich konnte meine Schüler nirgendwo hin
mitnehmen, um ihnen Capoeira richtig zu zeigen. Zum Glück erfuhr
ich dann, dass China, ein Schüler von Mestre Pexinho (Senzala) in
Paris war. Er organisierte eine Batizado (Taufe) mit Mestre Sorriso, Garrincha
und Peixinho. Ich nahm alle meine Schüler und sagte: «Jetzt
werdet ihr erleben, was Capoeira ist!» Und wir fuhren nach Paris.
Ich hatte kein Geld, die Artisten aus der Theatergruppe hatten auch nicht
viel Geld, um mich zu bezahlen, ich hatte langsam genug und wollte zurück
nach Brasilien. Dann kam unser erstes Kind zur Welt, so wohnten wir jeweils
sechs Monate hier und sechs Monate in Brasilien. Jetzt komme ich nur noch
ab und zu wenn ich eingeladen werde. Meine Tochter lebt hier und ich muss
auch kontrollieren, was sie so anstellt. Das Lokal, wo wir früher
trainierten, eher als "Squaters", ist heute völlig renoviert
und Tartaruga unterrichtet dort Kinder. Ich komme, wenn er mich braucht.
Denn wer lange ohne Kontakt zu anderen Capoeiristas trainiert braucht
neuen Input. Er muss auch noch sehr viel lernen, die Kinder sollen auch
Anderes aus der Capoeira sehen als nur das, was er lehrt.
Als ich hierher kam, hatte ich niemanden und niemand verstand etwas von
der Capoeira. Ich freue mich sehr zu sehen, wie die Capo-eira in der Schweiz
gewachsen ist.» |
Mestre wie war
ihr Einsteig in die Capoeira?
Meine Geschichte in der Capoeira ist ähnlich, wie deine Matias,
nur dass du etwas jünger bist als ich. Das Problem der brasilianischen
Gesellschaft und die Gehirnwäsche unserer Eltern, die glaubten,
Capoeira sei etwas für Landstreicher und Diebe, prägten meine
Entwicklung. Ich komme aus einer sehr grossen schwarzen Hafenarbeiter-Familie.
Mit fünfzehn Jahren hatte ich noch nie etwas von Capoeria gehört.
Für die ganze Familie war das ein Tabuthema und sie wollten nicht,
dass jemand von uns Jungen Capoeirista werden würde. Die Diskriminierung
war sehr stark. Bei einem Familiengespräch wo alle meine Brüder
von jemandem erzählten, der mit der Polizei gekämpft hatte,
hörte ich das Wort zum ersten mal. «Der Bursche war Capoeirista».
Das bliebt mir im Kopf... «Wow, der Typ, der alle Polizisten besiegt
hatte war Capoeirista ... hey, Mann, cool!».
Alle Capoeiristas hatten sich damals im Zentrum von Salvador konzentriert.
Die Academia von Mestre Bimba war oben in der Stadt, die von Mestre
Pastinha etwas weiter unten und Caiçara in der Terreiro. Als
das Fernsehen kam, sah ich einen Maculelê Auftritt von Mestre
Popo, da waren alle in weissen Abadás, ohne T-Shirt und ich war
begeistert. Aber ich hatte noch keine Freiheiten von zuhause aus, ich
musste am Abend spätestens um 21.00 Uhr daheim sein, am morgen
musste ich lernen. Später konnte ich mit meinem Onkel in einer
Schuhfabrik arbeiten, ich war immer um 17.00 Uhr fertig und anstatt
nach Hause zu gehen, ging ich natürlich ins Zen-trum, ich musste
mir immer irgend eine Ausrede einfallen lassen.
Die erste Capoeira, die ich sah, war die von Mestre Pastinha. Ich wusste
über die Geschichte der Sklaverei oder Zumbi oder allgemein über
die Geschichte der Schwarzen fast nichts. Ich war schon eher ein wilder
Teenager mit einer Vorliebe für Schlägereien und brauchte
etwas in die Richtung Kampfsport. Da war die Capoeira von Mestre Pastinha
nicht ganz das, was ich suchte. Eines Tages spazierte ich nach oben
Richtung Academia von Mestre Bimba und hörte die heissen Berimbaus
«chin-chin-chin-dong-din». Da waren Filote de Onça,
Accordeon, Camisa roxa, Sasi, (der schon gestorben ist), Volta grande
etc. Ich blieb dort stehen und schaute zu, am gleichen Tag meldete ich
mich an und so begann ich mit der Capoeira Regional. Ich war damals
sechzehn Jahre alt. Mann, ich trainierte mit Mestre Bimba Ginga, er
hob meine Hände wie bei allen anderen hin und her, alle hatten
genau dasselbe erlebt.
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Dann lernte ich
Geni kennen, der Schüler von Mestre Canjiquinha. Er lebte im gleichen
Quartier wie ich, Lua de bobô. Wie sollte ich das wissen, brother...niemand
sagte je etwas, Capoeira war ein grosses Geheimnis, da war eine Schlägerei
zwischen Capoeiristas... Mann..., niemand sagte was. Mestre Bimba wollte
nicht, dass seine Schüler auf der Strasse spielen, aber für
Camisa roxa war das keine Tabu mehr und er prügelte sich mit den
Schülern von Mestre Waldemar. Ich ging mit Geni zu Canjiquinha
in der Plaza da Sé, wo dieses grosse Metallkreuz steht. Die ganze
Woche bis Freitag spielte dort Canjiquinha, Samstag und Sonntag spielte
Caiçara. Am Tag trainierte ich mit Mestre Bimba am Abend war
ich bei Mestre Canjiquinha.
So lernte ich alle diese Persönlichkeiten kennen. Roda in der Strasse
jeden Tag, hey, ich war fast nicht mehr zu Hause. Am Sonntag von 10-12.00
Uhr war Capoeira Ausdauertraining in der Lapinha und dann den ganzen
Tag bei Mestre Waldemar. Die Zeit verging (oder das Wasser im Fluss
floss) und dann lebte ich in der Academia von Preguiça mit Perro
groso und Camisinha. Später ging Camisinha zu Rafael von Senzala.
Ich finde, das war die beste Zeit der Senzala, damals waren alle etwas
einfühlsam, als ich nach Rio ging, waren wir alle wie Brüder,
alle halfen einander, langsam wurden einige Köpfe heisser und grösser.
Ich kehrte nach Bahia zurück und als ich wieder nach Rio ging war
da mein Ticket nach Europa.
Capoeira hat sich sehr verändert, aber es hat alles schon mal gegeben,
Saltos und verrückte Bewegungen, das alles sah ich schon als Junge.
Capoeiristas, die so gut waren, wie viele heute, Nichts ist neu, alles
wird nur renoviert. Ich bin für Entwicklung aber gleichzeitig bin
ich traditionell und klassisch. Die Capoeira damals war schön und
pur. Die Capoeiristas heute sind professioneller und organisierter geworden,
das ist gut.
Mein Rat ist im Leben sowie im Spiel flexibel zu sein, einander zu helfen
und sich zu respektieren. Mestre Bimba hat uns ein grosses Erbe hinterlassen,
wir sollten das Beste daraus machen.
Danke Mestre Lua für dieses Interview, Sie sind ein lebendiges
Stück Capoeira-Geschichte
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Ich
habe Muskelkater!
Gutes Auf- und
Abwärmen, vernünftig dosiertes Training und
einwandfreie Ausrüstung können akute und chronische Verletzungen
verhindern. Was ist zu tun, falls das Unglück doch passiert?
Muskelkrampf
Die plötzliche Verkrampfung betrifft meist die Wadenmusku-latur.
Man nimmt an, dass der Verlust von Elektrolyten durch Schwitzen sowie
Sauerstoffmangel in der Muskulatur einen Krampf auslösen. Deshalb
ist es zur Vorbeugung ratsam, dem Körper genügend Flüssigkeit
(salzhaltige Getränke) zuzuführen.
Behandlung: Die betroffene Muskulatur so lange dehnen, bis sich der
Krampf löst. Danach sollte sie mit kaltem Wasser oder Eis abgerieben
werden. Die Extremität leicht schütteln, um den Muskel zu lockern.
Muskelkater
Muskelkater entsteht durch die Überlastung nicht genügend trainierter
Muskelpartien. Er tritt vor allem bei ungewohnten und damit neuen Bewegungsabläufen
auf.
Behandlung: Warme Bäder, Schwimmen, Lockerungs- und Dehnungsübungen.
Mit einem leichten Bewegungstraining sollte stets sofort begonnen werden.
Muskelzerrung
Bei plötzlicher Überdehnung eines Muskels entsteht eine Muskelzerrung,
wobei manchmal auch kleine Muskelfasern reißen können. Der
Sportler spürt einen stechenden Schmerz, die Belastung des betreffenden
Muskels ist nicht mehr möglich (Schonhaltung).
Behandlung: Eine Kälteanwendung bringt Linderung. Bei tiefer liegenden
Muskeln ist sie jedoch wirkungslos. Der Sportler kann selbst wenig tun.
Ein Arzt sollte einen funktionellen Stützverband anlegen, der eine
langsame Belastung zulässt.
Muskelfaserriss / Muskelriss
Meist handelt es sich um Faserrisse größeren Ausmaßes,
manchmal sogar mit komplettem Durchriss eines Muskels. Der Sportler spürt
einen heftigen, messerscharfen Schmerz. Oft kann man auch eine schmerzhafte
Delle zwischen den auseinanderklaffenden Muskelzügen tasten.
Behandlung: Kälteanwendung, Eispackung und feuchtkalte Umschläge.
Achtung! Eine sofortige ärztliche Behandlung ist notwendig. Muskelverletzungen
sind hartnäckige Verletzungen und bedingen immer eine mehrwöchige
Pause.
Wasserblasen
Blasen mit Gewebewasser entstehen zumeist durch Druck und Scheuern (z.B.
von Schuhen).
Behandlung: Blasen sollten nicht geöffnet werden, da sie sich
ansonsten fast immer entzünden. Sie werden nur desinfiziert und mit
einem Verband abgedeckt, der sie gegen Druck schützt. Blasen trocknen
nach einigen Tagen aus. Dann hat sich eine neue Hautschicht gebildet und
der obere Teil löst sich von selbst ab.
Achtung! Stark gerötete und schmerzende Blasen unbedingt vom Arzt
behandeln lassen!
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Schürfwunden
Schürfwunden entstehen, wenn sich die Haut abreibt. Der Sportler
zieht sich Schürfwunden überwiegend durch Stürze zu. Geschehen
diese Verletzungen im Freien (auf der Straße oder einem Hartplatz),
sind die Wunden häufig stark verschmutzt.
Behandlung: Schürfwunden werden (wenn möglich) unter fließendem
Wasser gereinigt und gut abgetrocknet (keine Papiertaschentücher
verwenden). Anschließend ein Desinfektionsmittel auftragen. Am besten
lässt man Schürfwunden offen heilen. Wenn ein Verband angelegt
wird, dann sollte ein Mullverband dem Pflaster vorgezogen werden, da Schürfwunden
oft nässen und feuchte Pflasterverbände Infektionen fördern.
Achtung! Pflasterspray, Puder und Salben verschmieren die Wunde und verzögern
die Heilung.
Prellung (Kontusion)
Die am häufigsten auftretenden Sportverletzungen sind Prellungen.
Ein Stoß oder Schlag - und schon ist es passiert. Die Haut wird
zwar nicht verletzt, aber es entstehen Quetschungen in tiefer liegenden
Hautschichten. Dabei werden oft kleine Blutgefäße zerrissen.
Es kann zu Blutergüssen kommen, die durch Verfärbungen der Haut
längere Zeit sichtbar bleiben.
Behandlung: Prellungen sind zunächst sehr schmerzhaft. Kälteanwendungen
wie Eiswürfel, Kältepackungen oder feuchter Druckverband lindern
den Schmerz. Hinweis: Kältesprays gehören ausschließlich
in die Hände von ausgebildetem Personal. Der falsche Einsatz von
Kältespray kann zu Erfrierungen des Gewebes führen und den Schaden
noch verschlimmern.
Bei starken Prellungen ist ein Arztbesuch notwendig, da für den Laien
oft nicht erkennbar ist, ob Muskelfasern gerissen sind oder ein großer,
in der Tiefe liegender Bluterguss vorhanden ist. Der Arzt oder Physiotherapeut
wird in diesem Fall durch geeignete Verbände (z.B. Stützverband,
Tapeverband) und spezielle Übungen die volle Beweglichkeit rasch
wieder herbeiführen.
Verstauchung (Fachausdruck: Zerrung oder Distorsion)
Bei der Verstauchung handelt es sich um die Verletzung eines Gelenks.
Dabei wird der normale Bewegungsspielraum des betreffenden Gelenks überschritten.
Typische Verstauchungen sind das Umknicken mit dem Sprunggelenk oder das
Verdrehen des Kniegelenks. Die Folgen einer Verstauchung reichen von einer
leichten Schwellung bis hin zum Bänderriss.
Behandlung: Als Erstbehandlung ist die sofortige Anwendung von Kälte
(Eiswürfel, Eisbeutel, Kältepackungen) angezeigt. Später
sollte ein gut sitzender Kompressions- und Stützverband angelegt
werden. Ein Bänderriss muss unbedingt ärztlich versorgt werden.
Ansonsten kann eine spätere Instabilität des Gelenks durch Lockerung
der Bänder die Folge sein.
Verrenkung (Luxation)
Hierbei handelt es sich immer um schwerwiegende Gelenk-verletzungen. Oft
kann neben der eigentlichen Verrenkung ein Bruch der Gelenkfläche
vorhanden sein. Verrenkungen heilen oft - trotz fachgerechter Behandlung
- nicht ohne bleibende Einschränkung der Gelenkfunktion aus. Häufig
betroffen sind: Schulter-, Knie- und Sprunggelenk sowie die Fingergelenke
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Behandlung: Die Erstbehandlung
besteht in der Kühlung und Ruhigstellung des verletzten Gelenks.
Achtung! Der ungeübte Laie sollte niemals versuchen, ein ausgekugeltes
Gelenk wieder einzurenken. Der Verletzte muss so rasch wie möglich
in ärztliche Behandlung. Je länger damit gewartet wird, umso
schwieriger wird die Einrenkung und desto gravierender fallen die Spätfolgen
aus
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