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4. Ausgabe 2004
Bomba – Stolzer Tanz der Sklaven
Ehrengast– Mestre Itapoan
Capoeira Regeln von Mestre Bimba
Die speziellen Kinder von Mestre Matias
Die Bedeutung des Aufwärmens im Sport und im Speziellen im Capoeira
Das 9. Capoeira Ostertreffen in Münsigen-City, 10.-11.-12. April 2004
Capoeira, wieso?
Vor 21 Jahren brachte Mestre Lua die Capoeira in die Schweiz

Ich habe Muskelkater!

Bomba – Stolzer Tanz der Sklaven

Nilsa Eberhart
Graduada Preta



Wir befinden uns im 17. Jahrhundert, es ist Samstagnacht bei einer Zuckerrohplantage im Norden der karibischen Inseln von San Juan Bautista (heutiges Puerto Rico). Eine Frau singt «Bambulae sea allá«; ein Chor antwortet «sea contigo no mas»; drei Männer spielen die Barriles (Trommeln). Eine Sklavin spaziert vor die Barriles und grüsst höflich. Mit langsamen, sinnlichen Bewegungen beginnt sie ein Gespräch mit der Primo (Haupttrommel). Sie bewegt ihren Rock im Rhythmus mal seitlich, mal nach oben oder rollt leicht die Schultern.

Der Primospieler schlägt jeden Akzent dazu auf der Trummel. Die Bewegungen der Tänzerin werden schneller, heftiger, sogar rabiat. Will sie so den Alltag vergessen? Das Leben als Sklavin? Sich von der Unterdrückung und dem Schmerz für einen Augenblick befreien? Oder macht sie sich über die steifen Flamenco-Tänze der Spanier lustig? Sie imitiert deren Bewegungen und wirft ihren Rock mit Stolz hin und her, so heftig, als ob sie ihn zerreissen wollte. Wer möchte schon mit diesem langen, breiten Rock den ganzen Tag in den Plantagen schuften?

Bomba nennt sich dieser Tanz voller Kraft und Temperament und der doch sinnlich und graziös ist. Entstanden ist er aus einer Mischung verschiedener afrikanischer Völker auf Puerto Rico, die keine gemeinsame Sprache beherrschten und nur durch die Musik kommunizieren konnten. Daher ist die Musik mit einfachen Texten durchsetzt, ohne viele, komplizierte Worte, meist handelt es sich lediglich um Ruf und Antwort. Eigentlich ist Bomba, (Bambulae, Bambula) der afrikanische Name für eine Trommel, man tanzt die Bombas oder man tanzt Bomba. Die stolzen Bewegungen des Flamenco erkennt man wieder in Bomba; es wirkt als ob die Sklaven mit einem «afrikanischem touch» Flamenco tanzen.



Nach Puerto Rico kamen kaum Sklaven direkt aus Afrika, eher aus den anderen karibischen Inseln wie Kuba, Curaçao und den französischen Kolonien. Dies führte zu einer Mischung aus Rhythmen und Wörtern. Auch durch die Cimarrones (entflohene Sklaven) der verschiedenen Inselteile, die sich frei bewegen konnten, wurde der Tanz verbreitet. Jede Region der Insel wurde damit durch bestimmte Rhythmen geprägt: Im Süden, cuembé, langsame und sinnliche Musik, die hauptsächlich von Frauen gesungen wird; Im Westen sicá, yubá stolze und charaktervolle Musik; im Norden holandé und seis corrido sehr schnelle, fröhliche Rhythmen die eher von Männer gesungen werden. Andere Rythmen sind corbé, bambulaé, leró und gracimá, die aber langsam in Vergessenheit geraten.



In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Bomba aus der weissen Gesellschaft gestossen. Nach der Befreiung der Sklaven 1874 wollte sich niemand mehr mit diesem Teil der Geschichte oder allem Anderen, was von der schwarzen Bevölkerung geprägt war, identifizieren. Erst in den 50er Jahren erlebte Bomba durch verschieden sogenannte Big Bands eine Renaissance. Sie wurde dadurch salonfähig gemacht und in den High Society Clubs gespielt. Dank der Familie Cepeda, die bis heute seit sechs Generationen die Tradition von Bomba erhalten hat, interessierte sich die Jugend wieder für diesen folklo-rischen Tanz. Bomba traditionell, nur mit den Barriles und Maraca begleitet, wird heute in Pubs und Bars gespielt und von jedem getanzt, der den Piquete (solo accente) beherrscht.
Als in Brasilien die Sklaven in den Senzalas (Sklaven-Unterkünfte) einen Kampf (Capoeira) entwickelten, und in den Südstaaten Nordamerikas die Sklaven den Gospel sangen und weinten, tanzten sich die Schwarzen in Puerto Rico den Alltag aus den Leib. Dieses Erbe trage ich voller Stolz tief in mir drin. BOMBA!

   





























 

 
 

Ehrengast – Mestre Itapoan

Raimundo César Alves de Almeida, Mestre Itapoan, wurde am 13. August 1947 in Salvador da Bahia geboren. Er ist Zahnartz und Professor an der odontologischen Fakultät der Universität von Bahia. Seine Capoeira-Ausbildung mit Mestre Bimba begann er am 22. September 1964, von ihm wurde er auch diplomiert und spezialisiert. 1970 organisierte Mestre Bimba ein Turnier zwischen den graduierten Schülern, Mestre Itapoan gewann in allen Kategorien, (campeão absoluto), ein Jahr später gewann Mestre Itapoan den Meistertitel im Einzeln- und Doppelspiel in den Spielen der Universität von Bahia
.
Als Mestre Bimba, Bahia verliss und nach Goiás ging, enschied sich Mestre Itapoan seine eigene Gruppe zu gründen. Am 13. November 1972 gründete er zusammen mit Helio Xaréu, die «Ginga - Associação de Capoeira».

1975 wurde Mestre Itapoan wieder zum Meister gekrönt, er gewann den Pokal in Capoeira-Technik im Mestre Bimbas Silber-Jubiläum F.B.P.. Er wurde auch dreimal bahianischer Meister in der Capoeira-Technik (1976, 77, 78).

1980 - Gründete er die «Federação Baiana de Capoeira» (Baianischer Capoeira Verband) und Mitglied des Verwaltungs-rats. Zudem rief er 1983 die «Associação Brasilera dos Professores de Capoeira - ABPC» (Verein der Brasilianische Capoeira Professoren) ins Leben.

1990 erhielt Mestre Itapoan die Nationalsport-Verdienst-Medaille. Er schrieb die Bücher: «Bimba, Perfil do Mestre», «Mestre Atenilo - O Relâmpago da Capoeira Regional», «Bibliografía Crítica da Capoeira» und «A Saga do Mestre Bimba». Zusätzlich ist er Verleger bei der «Negaça» Zeitschrift.

Doch in erster Linie ist er ein Capoeirista Regional.



Welchen Rat würden Sie allen nicht brasilianischen Schülern geben? (Gingando 2002)
«Alle Schüler, egal von wo, müssen sehr, sehr viel trainieren, lernen, suchen und viel Geschichte studieren, um wirklich zu spüren was Capoeira ist. Die Capoeira ist nicht eine physische Kunst, bei der man ein paar Bewegungen lernt und trainiert und hop jetzt bin ich ein Capoeirista. Sie können ein erstklassiger Capoeira Athlet sein, aber nie ein richtiger Capoeirista. Capoeirista zu sein ist etwas viel Grös-seres, so, nonstop studieren und viel nach Brasilien reisen. Der Traum jedes Judoka und Karateka ist es, einmal nach Japan zu gehen, um die alten Meister zu treffen, der Traum jedes Capoeirista ist es, einmal nach Bahia zu gehen und diese Energie der Schwarzen zu spüren, die sie in Europa niemals spüren werden. Um ein kompletter Capoeirista zu werden, müssen sie sich sehr anstrengen, sonst werden sie immer nur ein Athlet bleiben».

































 
 

Capoeira Regeln von Mestre Bimba

Na casa dos outros, se for dormir, durma com um olho fechado e outro aberto.
Wenn Du im Haus eines anderen schläfst, schlafe mit einem offenen und einem geschlossenen Auge.

Não dobre esquinas. / Biege nicht in Ecken ein.

Não passe debaixa de árvores frondosas á noite.
Gehe nachts nicht unter dicht belaubten Bäumen.

Não sente de costas pra rua em lugar algum.
Setze Dich nicht irgendwo mit dem
Rücken zur Straße hin.

Não ande em ruas escuras. / Laufe nicht in dunklen Straßen.

Seguro morreu de velho. / Sicher währt am längsten.

Na roda, se cochilar o cachimbo cai.
Wenn man in der Roda schläft, fällt die Pfeife. Mit anderen Worten, man bekommt was auf den Deckel.

Deixe de fumar. È proibido fumar durante os treinos.
Gib das Rauchen auf. Es ist verboten, während der Trainings-stunde zu rauchen.

Deixe de beber. O uso do álcool prejudica o metabolismo muscular.
Gib das Trinken auf. Der Genuss von Alkohol beeinträchtigt den Stoffwechsel der Muskeln.

Evite demonstrar aos seus amigos de fora da roda de capoeira os seus progressos. Lembre-se de que a surpresa é a melhor aliada na luta.
Vermeide es deinen Freunden außerhalb der Capoeira-Roda deine Fortschritte zu zeigen. Denk dass die Überraschung dein bester Verbündeter im Kampf ist.

Evite conversar durante os treinos. Você está pagando pelo tempo que passa na academia e observando os outros lutadores aprenderá mais.
Vermeide es während des Trainings zu schwätzen. Du bezahlst für die Zeit, die Du in der academia verbringst, und beim Beobachten der anderen Kämpfer kannst du viel lernen.

Gingue sempre. / Geh immer in die Ginga.

Pratique, diaramente, os exercícios fundamentais.
Trainiere täglich die Basisübungen.

Não tenha medo se aproximar do oponente. Quanto mais próximo se mantiver, mais aprenderá.
Habe keine Furcht Dich dem Gegner zu nähern. Je näher Du an ihm dran bist, desto mehr kannst Du lernen.

Conserve sempre o corpo relaxado. / Lass den Körper immer entspannt.

È melhor apanhar na roda do que na rua.
Es ist besser sich in der Roda zu schlagen als auf der Straße.


































 
   
 

Die speziellen Kinder von Mestre Matias

Interview von Graduada Preta mit Mestre Matias

Wie lange unterrichten sie schon Capoeira?
Einundzwanzig Jahre.

Was hat sie in all diesen Jahren am meisten geprägt?
Die Arbeit, die ich mit speziellen Kindern gemacht habe.

Wo haben sie unterrichtet?
Wie lange?
In Curvelo und Umgebung (Minas Gerais) unterrichtete ich sechs Jahre lang und zweieinhalb Jahre davon in der APAI (Associação Pais e Filhos), einem Verein für Eltern und Kinder, der mit der LBA, (Legião brasileira de alfabetização) der Brasilianischen Alphabetisierungsliga, zusammen arbeitete.

Wie sind sie zu dieser Arbeit gekommen?
Ein Schüler von mir unterrichtete an dieser Schule Handarbeiten und ich wollte dort mit einem Capoeira-Projekt beginnen. So ging ich dorthin und besprach meine Idee mit den Direktoren. Anfangs waren sie nicht sehr begeistert und zweifelten an den Fähigkeiten der Kinder. Doch nach einer Woche bekam ich eine positive Zusage und begann einmal pro Woche eine Stunde kostenlos Capoeira zu unterrichten.

Was meinen sie mit «speziellen» Kindern?
Diese Kinder waren etwas Besonderes. Da waren verschieden Stufen von Behinderungen und Kinder mit emotionalen Problemen. Sie kamen zum Beispiel aus zerstörten Verhältnisse, wo sich die Mutter prostituierte und der Vater trank, oder sie hatten gar keine Eltern. Das Sozialamt brachte sie dorthin, die meisten waren sehr klein und sehr verwirrt. Sie blieben dort bis sie etwa fünfzehn Jahre alt waren.
Es gab aber auch Kinder mit physischen Behinderungen. Es fehlten Ihnen zum Beispiel ein Arm oder ein Bein oder sie konnten nicht laufen. Auch Kinder mit heftigen Koordinations-Problemen, taubstumme und blinde Kinder sowie solche mit Retardationen oder dem Down-Syndrom.

Haben Ihnen die anderen Lehrer vertraut beim Umgang mit Behinderten?
Nein, am Anfang waren sie etwas skeptisch und distanziert weil ich nur ein junger Capoeira Professor war. Nach sechs Monaten hatten wir eine Sitzung, um Bilanz zu ziehen und um zu entscheiden, ob ich weiter machen durfte. Da gingen die Sportlehrerinnen zu der Direktorin und lobten die Fortschritte der Kinder. Sie waren von der Koordination, Konzentration und Begeisterung der Kinder einfach beeindruckt.

Wie entwickelte sich Ihre Arbeit dann?
Also, ich unterrichtete am Anfang nur die Kinder mit den Problemen zuhause, aber mit der Zeit begannen sich auch die anderen, die immer nur zuschauten, dafür zu interessieren. So machte ich den Vorschlag einen ganzen Tag Capoeira für alle zu geben. Das war sehr, sehr anstrengend für mich, es war eine Arbeit die sehr viel Substanz erforderte, aber es lohnte sich tausendmal. Ich begann um sieben Uhr morgens bis sechzehn Uhr und hatte ungefähr 200 Kinder in Gruppen von achtzehn bis fünfundzwanzig. Das alles je zweimal pro Woche. Nach wenigen Monaten konnte man die Fortschritte sehen, sogar bei den Kindern mit absolut keiner motorischen Koordination, die nicht mal in die Hände klatschen konnten. Die Taubstummen hatten mehr Schwierigkeiten, als diejenigen mit dem Down-Syndrom, die mich wahnsinnig überrascht hatten. Mit der Zeit, spielten die Kinder in der Roda.

Am siebten September, dem Tag der Unabhängigkeit, machen in Brasilien alle Schüler einen Strassenumzug, bei dem sie Musikinstrumente spielen oder auf der Strasse tanzen usw. Aber weil diese Schule für spezielle Kinder war, haben wir bereits im Vorfeld rund um die Schule geübt, um die Kinder für diesen Tag vorzubereiten. Da passierte etwas, das mich tief berührt hat. Ein Freund von mir wollte mich spielerisch überraschen und packte mich von hinten am Nacken. Eines der Down-Syndrom-Kinder sah das und rannte zu mir, um mich zu retten. Es schnappte meinen Kollegen am Hals und schrie ihn an. Es würgte ihn immer mehr und mehr und wollte nicht loslassen. Mann hatte dieses Kind Kraft! Diese Kinder sind unglaublich, wenn sie jemanden gern haben, dann ist das einfach pure Liebe, es wollte mich verteidigen.


Wissen Sie, ob einige dieser Kinder bis heute trainieren?
Im Oktober 2003 war ich wieder in Curvelo und plötzlich sprach mich ein kräftiger Bursche an: «Oh Mestre kennen sie mich nicht mehr?» ich schaute zweimal und erinnerte mich an sein Gesicht, aber nicht an den Namen. Er war eines der Kinder mit Problemen zuhause. Dann traf ich einen anderen, er war leicht Geistigbehindert, auf der Strasse. Er sagte: «Mestre wissen sie nicht mehr wer wir sind?» Ich musste überlegen. Er war mit einem Mädchen zusammen und ich hatte beide an der APAI unterrichtet. Beide arbeiten jetzt und führen ein einfaches gutes Leben, das sind Kinder die gerettet worden sind.

Capoeira ist Musik, wie war das denn wenn sie keine Musik hören konnten?

Mit sehr viel Liebe konnten sie die Musik spüren. Die Taubstummen haben tatsächlich etwas wahrgenommen. Ich stellte die Lautsprecher auf den Boden, obwohl dieser nicht aus Holz war. Die Kinder balancierten den Körper hin und her, es war erstaunlich. Es war geplant, einen speziellen Raum mit Holzboden zu bauen, aber dann wollte ich nach Europa und die Schule wollte niemanden anderen zum Unterrichten. Entweder ich oder keiner.
Beim Klatschen war es schwierig, einige trafen vielleicht einmal von zehn Versuchen, die die wenig sprechen konnten, machten irgendeinen Laut, und die Melodie war da, ich weiss nicht wie. Andere hatten Hörapparate und wollten dennoch mitsingen. Die Gehörlosen sprachen mit den Händen, ich konnte das nicht, und die Lehrerin sagte zu mir, dass wenn die Kinder dicke Augenbrauen zeigen, sprächen sie über mich. Ich schaffte es immer, mit ihnen körperlich zu kommunizieren, wie, weiss ich nicht, nur wenn ich etwas Kompliziertes erklären musste, dann rief ich die Lehrerin zu Hilfe.

Wie haben die Kinder mit physischen Behinderungen die Capoeira Bewegungen geschafft?
Capoeira Bewegungen zu machen ist eigentlich falsch gesagt, Capoeira zu erleben wäre richtig. Man ist so gut, wie man gut sein kann. Da waren Kinder die nicht laufen konnten, und versuchten sich auf ihre Art zu bewegen. Einer machte einen Kopfstand und die Beine sind einfach irgendwie nach oben gegangen. So unglaublich wie es scheint da waren einige, die stellten die Hände auf den Boden, konnten die Beine nicht bewegen, aber sie gingen hoch. Einer, der nicht laufen konnte, machte eine mächtig schnelle Meia Lua de compasso, es war erstaunlich. Um in der Roda zu spielen, musste er sich mit den Händen schleppen. Das alles ist sehr berührend, sie alle wollten einfach versuchen zu spielen, ihre Grenzen vergessen und Spass haben.

Ich habe unglaublich viel von diesen Kindern gelernt, ich sehe diejenigen, die alles haben, zwei Arme, zwei Beine,
alles funktioniert perfekt und sie reklamieren über jede Kleinigkeit. Wenn jemand zu mir kommt und sagt, mir tut es hier weh, oder ich habe keine Arbeit mehr, oder ich muss mich operieren lassen, dann sage ich, das geht vorbei und alles wird wieder gut. Dann kommen mir die Bilder von meinen speziellen Kinder in den Sinn, die nie wie wir «Normale» agieren werden, aber den Wille hatten es zu probieren.

Diese Zeit war eine fundamentale Lehre für mich in Sachen Geduld und Mitgefühl. Ich habe so Vieles gelernt. Es war nicht immer einfach. Wir alle werden auch mal genervt. Die Frustration nicht raus schreien zu können, ist für einen Stummen zerreisend. Einen nervösen, genervten Stummen zu erleben ist echt erschreckend, sie schlagen einfach alles, was in der Nähe ist oder sogar sich selbst. Das machte mich sehr traurig, und ich musste lernen mit diesem Gefühl umzugehen. Aber die Kinder haben auf meinen Unterricht sehr ungeduldig gewartet, an dem Tag waren alle immer aufgeregt und fröhlich.

Ich lernte wie der Wille, körperliche Behinderungen sprengen kann, sie gaben mir unglaubliche Kraft.

































 
 
Die Bedeutung des Aufwärmens im Sport und im Speziellen im Capoeira .

von Macaco Branco
(Adrian Almendinger)

Was versteht man unter Aufwärmen?
Unter Aufwärmen werden alle Massnah-men verstanden, die vor einer sportlichen Belastung der Herstellung eines optimalen psychophysischen und koordinativ-kinästhetischen Vorberei-tungszustandes sowie der Verletzungsprophylaxe dienen. (Aus: J. Weineck, «Optimales Training» 1996, s.645)
Vereinfacht gesagt, Körper und Geist sollen auf die anschliessende sportliche Belastung vorbereitet werden.

Was heisst das nun für ein bevorstehendes Capoeira Training?
Da Capoeira eine vielseitige Sportart ist, mit komplexen, koordinativ anspruchsvollen Bewegungen, die sowohl Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit, als auch eine gute Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit in hohem Masse voraussetzen, ist ein vielseitiges, ganzheitliches Aufwärmen vor dem eigentlichen Training unabdingbar.

Wie sieht denn ein ganzheitliches optimales Aufwärmen in der Capoeira aus?
Da Capoeira immer in Verbindung mit Musik ausgeführt wird, kann diese bereits ins Aufwärmen miteinfliessen; Samba, Samba-Reggae oder Pagode eignen sich ausgezeichnet für ein gutes unterhaltsames Aufwärmen. Zudem wird mit einer gut gewählten Musik eine positive, motivierte Stimmung erzeugt.

Das Aufwärmen sollte folgende vier Punkte beinhalten, die nachfolgend erklärt und mit Beispielen erläutert werden.

1. Laufen
Beim Laufen soll die Körper- und Muskeltemperatur erhöht werden sowie das Lungen- und Kreislaufsystem auf die spätere Anstrengung vorbereitet werden. Dass die Erwärmung der Körpertemperatur eine enorme Bedeutung auf die Leistung hat, zeigt sich darin, dass, bei jedem Grad Temperaturerhö- hung ein Anstieg der Stoffwechselvorgänge um 13% festzustellen ist. Anders gesagt, je wärmer unser Körper-system ist, umso schneller können wir reagieren und umso bessere Leistungen können wir erbringen. Selbstverständlich besteht eine Limite nach oben, die bei ca. 38 Grad liegt.
Verschiede Formen: Leichtes Joggen, Aerobic-Schritte, Tanzkombinationen.

2. Hüpfen
Beim Hüpfen sollen Gelenke und der ganze Bewegungs-apparat weiterhin erwärmt werden. Dies hat den Effekt, dass die Gelenke durch die jetzt produzierte Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) genährt werden und damit spätere Druckkräfte besser aufgefangen werden können.
Zudem soll mit verschiedenartigem Hüpfen die koordinative Leitungsfähigkeit verbessert werden.
Verschiedene Formen: Hampelmann, Einbeinhüpfen, Langlaufhüpfen etc.

3. Dehnen
Das Dehnen soll immer erst bei erwärmten Körper (also nach den Schritten 1 & 2) stattfinden. Denn erst jetzt sind die Muskeln, Sehnen und Bänder optimal dehnfähig.
Es gibt unterschiedliche Dehnformen, hinter denen jeweils verschiedene Motive stehen. Man kann beispielsweise
 
Dehnen, um Verletzungen vorzubeugen oder Dehnen, um die verschiedenen Facetten der Beweglichkeit auszubauen. Dabei ist die erstgenannte Form immer ein Muss für das Capoeira-Training.

Die zweite Form kann je nach dem, wie oder was man anschliessend trainieren will, gewählt werden. So gibt es z.B. eine aktive Form des Dehnens, die bei den Schlägen für ein grösseres Bewegungs-ausmass sorgt. Dies kann man mit oft wiederholten Beinschwingen nach hinten und vorne oder auf die Seiten erreichen. Hat aber jemand das Ziel den Spagat zu beherrschen, so muss er passiv Dehnen. Das heisst, er muss in Ruhestellung mit dem eigenen Körpergewicht oder mit der Hilfe eines Partners die Dehnung vorantreiben.
Wichtig ist beim Dehnen ausserdem, dass man eine korrekte Körperhaltung hat (gerader Rücken) damit es nicht zu Fehlbelastungen kommt.
4. Kräftigen
Durch das Dehnen sind die Muskeln nun langgezogen und entspannt. Es geht jetzt darum, die Muskeln in eine optimale Ausgangslage zu bringen, damit sie das nachfolgende Training mit Erfolg bestreiten können. Mit anderen Worten: die Muskelspannung muss wieder aufgebaut werden. Hierzu eignen sich Übungen für Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur (Liegestützen, Rumpfbeugen, Kniebeugen etc.).
Hat jemand das Ziel seine Muskeln spezifisch zu vergrössern, kommt er nicht drumherum an den Kraftmaschinen zu trainieren.

Mit diesen vier, hier modellhaft aufgeführten Schritten, ist der Körper optimal für ein Capoeira Training vorbereitet.
Die Reihenfolge der verschiedenen Aufwärmschritte sollte so eingehalten werden, damit der Sinn und Zweck des Aufwärmens erfüllt wird.




































 
 

Das 9. Capoeira Ostertreffen in Münsigen-City, 10.-11.-12. April 2004

Nilsa Eberhart (Graduada Preta)

An Ostern, wenn unzählige Menschen ihre Zeit in kilometerlangen Staus verbringen, schwitzen, singen, spielen und springen die Capoeiristas jeweils am Ostertreffen. Dieses Jahr fand es in der Schlossmatt Turnhalle in Münsin-gen statt und man könnte es im Nachhinein als ein Treffen der Harmonie bezeichnen.

Die beiden (Bern) Organisatoren Mestre Matias und Graduada Preta, leisteten harte Arbeit, wobei sie den Schwerpunkt ihrer Anstrengungen auf die Pünktlichkeit setzten. Am Samstag schon ab 9.00 Uhr bereitete Preta in der Turnhalle Hinweisschilder, farbige Armbänder und Anmeldungen für die über hundert Schüler vor. Energía aus Lausanne, war ihr dabei eine grosse Hilfe. Gleichzeitig rannte Mestre Matias mit den T-Shirts, den Instrumenten und allen eingeladenen Mestres hin und her.

Mestre Magôo aus Portugal, wie immer lächelnd, begeisterte die Schüler in seinem ersten Kurs mit Rasteiras und Xessouras. Die Körperbeherrschung von Professor Pica Pau, aus Rotterdam, beeindruckte uns alle sehr. Bei ihm wirkt ein Aú (Rad), nicht wie ein einfaches Aú, seine Bewegungen sind vollendet kontrolliert und können auch in Zeitlupe stattfinden.


Einer der Höhenpunkte war sicher Mestre Paulãos Samba de Roda Training. Er brachte auch den steifsten unter uns richtig in Schwung und dazu, sich harmonisch zu bewegen. Die Gesangstunde von Mestre Magôo endete schlussendlich in einer zweistündige Roda, womit zwar das Programm vollständig aus den Fugen geriet, der Energiepegel jedoch deutlich anstieg.


Am Abend wurden wir königlich verwöhnt. Unsere brasilianischen Köchinnen zauberten aus 10 kg Reis, 12 kg Huhn, 7 kg Bohnen, 8 kg Salat, 7 kg Kartoffeln und 6 kg Karotten, leckere Gerichte, die uns wieder belebten. Nach ein paar Stunden Samba tanzen in der Colosseo Bar, waren auch die aufgedrehtesten reif fürs Bett.

Auch am Sonntag fing das Training wieder pünktlich an, im Afrotakt weckte Mestre Matias unsere verschlafenen Muskeln und Gemüter auf. Noch acht Stunden Queijadas, Negativas, und Martelos, mit Mestre Passaro und Prof. Negola aus Genf, Mestre Zebelê aus Biel und Contra-Mestre Papa aus Neuenburg. Dank dem Pizzaschmaus in der Pause hielten wir bis am Abend durch. Das Programm am Abend bestand aus Feijoada, einem Capoeira-Video und dem Bett.

Der Hauswart musste unser «Dream-Putz-Team» fast aus der Halle rauswerfen, sie wollten weiter putzen bis alles blitzte und glänzte. Schlussendlich liessen sie sich dann aber doch dazu bewegen, die Besen und Wischer abzugeben.
Am Montag erlebten die Überlebenden ein «Warm-up» mit Graduada Preta, Graduada Monika aus Lausanne und Graduado Linguinha aus Basel, eine feurige Mischung aus Raggeton, Bogaloo und Samba Raggae...Cool! Es folgte eine heisse Schluss Roda. Da flogen einem die Martelos, Xessouras und Rasteiras nur so um die Ohren. Die Mestres zeigten uns wieder einmal, warum sie Mestres sind und wir noch einen sehr langen Weg vor uns haben.

IIIIEEEEE!
Bis zum nächsten Jahr in Lausanne.


































 
Capoeira, wieso?

von Nora und Miriam (Moranginho und Onzinha) (13J. alt)

Warum wir Capoeira machen Capoeira ist mehr als nur ein Sport! Du musst Musik (Gesang, Berimbau, Atabaque und Pandeiro), Akrobatik, Kreativität, Tanz, Kampf, Geschichte, Körperbeherrschung und noch vieles mehr lernen.

Im Training kannst du deine Aggressionen abbauen und neue Energie auftanken (auch innerlich). Wenn du in die Academia kommst, tauchst du in eine andere Welt ein. Du bist ganz dich selbst und vergisst den Stress. Du musst, ob du nun einen guten oder schlechten Tag hast, immer alles geben!
Du brauchst auch Kraft (körperlich und innerlich) und Mut, Respekt, Selbstvertrauen und viel Disziplin.
Wahrscheinlich weil Capoeira in den Sklavenhütten und auf den Zuckerrohrfeldern als Freiheits-und Befreiungskampf diente, ist beim Spielen in der Roda, die Freiheit immer noch zu spüren.

 

 

 




































 
 
Vor 21 Jahren brachte Mestre Lua die Capoeira in die Schweiz

Gespräch mit Mestre Lua Rasta in Bern - Mestre Matias


Mestre erzählen Sie uns wie Sie nach Europa kamen und was sich dann alles ereignet hat.

«1983 kam ich mit einem Charter Flug nach Europa, genauer gesagt nach Marseille. Kulturell gesehen passierte für mich dort nicht viel, auch nicht mit der Capoeira. In Nyon fand dann das African Roots Festival statt, dort lernte ich einen Brasilianer kennen, der als Geigenspieler engagiert war. Mit seiner Hilfe konnten meine Kollegen und ich einen kleinen Musikauftritt durchführen. Wir spielten Afoche und Siranda. Da keine Capoeiristas zu finden waren, konnte ich nicht Capoeira spielen. Bei dieser Gelegenheit lernte ich ein Mädchen aus Genf kennen, mit dem ich mich befreundete, sie lud mich zu sich nach Hause ein. Sie wohnte in einer Wohngemeinschaft mit einem Amerikaner, der Jesse hiess. Jesse war schon mal in Brasilien gewesen und kannte die afro-brasilianische Kultur. Mit dem Französischen hatten wir beide sehr grosse Schwierigkeiten, zudem hat meine Freundin den ganzen Tag gearbeitet und so konnte sie mir fast nie bei der Verbreitung meiner Arbeit helfen. Trotzdem begann ich langsam, Capoeira zu unterrichten, lange Zeit hatte ich nur drei Schüler.

Dann lernte ich Mari-Jo kennen, meine jetzige Frau, mit der ich drei Kinder habe. Sie half mir unglaublich viel; mit der Sprache, beim Finden geeigneter Lokale, sowie mit der Werbung. Paulo Siquera, (ein Mestre aus Rio), war zu dieser Zeit in Deutschland und ich kontaktierte ihn, damit er zu mir nach Genf kam. Mein Interesse an der Musik entwickelte sich weiter und ich war bei den verschiedenen Open Airs und Musik Festivals involviert. Ich spielte Berimbau und Perkussion mit Parafina, einer Gruppe aus Burkina Faso, wir hatten so grossen Erfolg, dass wir uns für das Welt Musik Festival anmelden konnten. Als Parafina den Afroteil des Auftritts beendet hatte, spielten Paulo und ich Capoeira zum Jembé. Zu meinem Glück schaute eine Theatergruppe mit 24 Personen zu, eine Gruppe, aus der auch mein langjähriger Schüler Tartaruga kam. Am nächsten Tag hatte ich schon ein Lokal von einem der Tänzer in der Rue de Genève und dort begann ich diese Gruppe zu unterrichten. Da viele schon Tänzer waren, wurde es viel einfacher für mich, ihnen die Bewegungen zu lehren. Langsam drangen wir in viele andere kulturellen Happenings ein. Ich machte nicht nur Capoeira, auch Bumba meu Boi, Samba, Maculelê, und das waren alles Neuheiten in der Schweiz, dank denen wir sehr viele Einladungen bekamen. Mein Schüler, Christian Tartaruga hat alles noch auf Video, viele Sachen, an die ich mich überhaupt nicht mehr erinnere, richtige Geschichte.

Da war auch ein Kulturhaus, wo sich sehr viele Latinos trafen. Mit der Capoeira war es schwierig, weil ich der einzige Capoeirista war. Ihr habt jetzt mehrere Gruppen und könnt besser arbeiten. Ich musste meine Frau voll in die Capoeira miteinbeziehen, um mit jemandem trainieren zu können. Ich hatte die Grundlagen der Capoeira Regional, ich lernte die Sequencias und cintura desprezada von Mestre Bimba, obwohl ich eher zur Angola tendierte. Aber ich konnte meine Schüler nirgendwo hin mitnehmen, um ihnen Capoeira richtig zu zeigen. Zum Glück erfuhr ich dann, dass China, ein Schüler von Mestre Pexinho (Senzala) in Paris war. Er organisierte eine Batizado (Taufe) mit Mestre Sorriso, Garrincha und Peixinho. Ich nahm alle meine Schüler und sagte: «Jetzt werdet ihr erleben, was Capoeira ist!» Und wir fuhren nach Paris.

Ich hatte kein Geld, die Artisten aus der Theatergruppe hatten auch nicht viel Geld, um mich zu bezahlen, ich hatte langsam genug und wollte zurück nach Brasilien. Dann kam unser erstes Kind zur Welt, so wohnten wir jeweils sechs Monate hier und sechs Monate in Brasilien. Jetzt komme ich nur noch ab und zu wenn ich eingeladen werde. Meine Tochter lebt hier und ich muss auch kontrollieren, was sie so anstellt. Das Lokal, wo wir früher trainierten, eher als "Squaters", ist heute völlig renoviert und Tartaruga unterrichtet dort Kinder. Ich komme, wenn er mich braucht. Denn wer lange ohne Kontakt zu anderen Capoeiristas trainiert braucht neuen Input. Er muss auch noch sehr viel lernen, die Kinder sollen auch Anderes aus der Capoeira sehen als nur das, was er lehrt.

Als ich hierher kam, hatte ich niemanden und niemand verstand etwas von der Capoeira. Ich freue mich sehr zu sehen, wie die Capo-eira in der Schweiz gewachsen ist.»

Mestre wie war ihr Einsteig in die Capoeira?
Meine Geschichte in der Capoeira ist ähnlich, wie deine Matias, nur dass du etwas jünger bist als ich. Das Problem der brasilianischen Gesellschaft und die Gehirnwäsche unserer Eltern, die glaubten, Capoeira sei etwas für Landstreicher und Diebe, prägten meine Entwicklung. Ich komme aus einer sehr grossen schwarzen Hafenarbeiter-Familie. Mit fünfzehn Jahren hatte ich noch nie etwas von Capoeria gehört. Für die ganze Familie war das ein Tabuthema und sie wollten nicht, dass jemand von uns Jungen Capoeirista werden würde. Die Diskriminierung war sehr stark. Bei einem Familiengespräch wo alle meine Brüder von jemandem erzählten, der mit der Polizei gekämpft hatte, hörte ich das Wort zum ersten mal. «Der Bursche war Capoeirista». Das bliebt mir im Kopf... «Wow, der Typ, der alle Polizisten besiegt hatte war Capoeirista ... hey, Mann, cool!».

Alle Capoeiristas hatten sich damals im Zentrum von Salvador konzentriert. Die Academia von Mestre Bimba war oben in der Stadt, die von Mestre Pastinha etwas weiter unten und Caiçara in der Terreiro. Als das Fernsehen kam, sah ich einen Maculelê Auftritt von Mestre Popo, da waren alle in weissen Abadás, ohne T-Shirt und ich war begeistert. Aber ich hatte noch keine Freiheiten von zuhause aus, ich musste am Abend spätestens um 21.00 Uhr daheim sein, am morgen musste ich lernen. Später konnte ich mit meinem Onkel in einer Schuhfabrik arbeiten, ich war immer um 17.00 Uhr fertig und anstatt nach Hause zu gehen, ging ich natürlich ins Zen-trum, ich musste mir immer irgend eine Ausrede einfallen lassen.

Die erste Capoeira, die ich sah, war die von Mestre Pastinha. Ich wusste über die Geschichte der Sklaverei oder Zumbi oder allgemein über die Geschichte der Schwarzen fast nichts. Ich war schon eher ein wilder Teenager mit einer Vorliebe für Schlägereien und brauchte etwas in die Richtung Kampfsport. Da war die Capoeira von Mestre Pastinha nicht ganz das, was ich suchte. Eines Tages spazierte ich nach oben Richtung Academia von Mestre Bimba und hörte die heissen Berimbaus «chin-chin-chin-dong-din». Da waren Filote de Onça, Accordeon, Camisa roxa, Sasi, (der schon gestorben ist), Volta grande etc. Ich blieb dort stehen und schaute zu, am gleichen Tag meldete ich mich an und so begann ich mit der Capoeira Regional. Ich war damals sechzehn Jahre alt. Mann, ich trainierte mit Mestre Bimba Ginga, er hob meine Hände wie bei allen anderen hin und her, alle hatten genau dasselbe erlebt.

Dann lernte ich Geni kennen, der Schüler von Mestre Canjiquinha. Er lebte im gleichen Quartier wie ich, Lua de bobô. Wie sollte ich das wissen, brother...niemand sagte je etwas, Capoeira war ein grosses Geheimnis, da war eine Schlägerei zwischen Capoeiristas... Mann..., niemand sagte was. Mestre Bimba wollte nicht, dass seine Schüler auf der Strasse spielen, aber für Camisa roxa war das keine Tabu mehr und er prügelte sich mit den Schülern von Mestre Waldemar. Ich ging mit Geni zu Canjiquinha in der Plaza da Sé, wo dieses grosse Metallkreuz steht. Die ganze Woche bis Freitag spielte dort Canjiquinha, Samstag und Sonntag spielte Caiçara. Am Tag trainierte ich mit Mestre Bimba am Abend war ich bei Mestre Canjiquinha.

So lernte ich alle diese Persönlichkeiten kennen. Roda in der Strasse jeden Tag, hey, ich war fast nicht mehr zu Hause. Am Sonntag von 10-12.00 Uhr war Capoeira Ausdauertraining in der Lapinha und dann den ganzen Tag bei Mestre Waldemar. Die Zeit verging (oder das Wasser im Fluss floss) und dann lebte ich in der Academia von Preguiça mit Perro groso und Camisinha. Später ging Camisinha zu Rafael von Senzala. Ich finde, das war die beste Zeit der Senzala, damals waren alle etwas einfühlsam, als ich nach Rio ging, waren wir alle wie Brüder, alle halfen einander, langsam wurden einige Köpfe heisser und grösser. Ich kehrte nach Bahia zurück und als ich wieder nach Rio ging war da mein Ticket nach Europa.

Capoeira hat sich sehr verändert, aber es hat alles schon mal gegeben, Saltos und verrückte Bewegungen, das alles sah ich schon als Junge. Capoeiristas, die so gut waren, wie viele heute, Nichts ist neu, alles wird nur renoviert. Ich bin für Entwicklung aber gleichzeitig bin ich traditionell und klassisch. Die Capoeira damals war schön und pur. Die Capoeiristas heute sind professioneller und organisierter geworden, das ist gut.

Mein Rat ist im Leben sowie im Spiel flexibel zu sein, einander zu helfen und sich zu respektieren. Mestre Bimba hat uns ein grosses Erbe hinterlassen, wir sollten das Beste daraus machen.

Danke Mestre Lua für dieses Interview, Sie sind ein lebendiges Stück Capoeira-Geschichte

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Ich habe Muskelkater!


Gutes Auf- und Abwärmen, vernünftig dosiertes Training und
einwandfreie Ausrüstung können akute und chronische Verletzungen verhindern. Was ist zu tun, falls das Unglück doch passiert?

Muskelkrampf
Die plötzliche Verkrampfung betrifft meist die Wadenmusku-latur. Man nimmt an, dass der Verlust von Elektrolyten durch Schwitzen sowie Sauerstoffmangel in der Muskulatur einen Krampf auslösen. Deshalb ist es zur Vorbeugung ratsam, dem Körper genügend Flüssigkeit (salzhaltige Getränke) zuzuführen.

Behandlung: Die betroffene Muskulatur so lange dehnen, bis sich der Krampf löst. Danach sollte sie mit kaltem Wasser oder Eis abgerieben werden. Die Extremität leicht schütteln, um den Muskel zu lockern.

Muskelkater

Muskelkater entsteht durch die Überlastung nicht genügend trainierter Muskelpartien. Er tritt vor allem bei ungewohnten und damit neuen Bewegungsabläufen auf.

Behandlung: Warme Bäder, Schwimmen, Lockerungs- und Dehnungsübungen. Mit einem leichten Bewegungstraining sollte stets sofort begonnen werden.

Muskelzerrung

Bei plötzlicher Überdehnung eines Muskels entsteht eine Muskelzerrung, wobei manchmal auch kleine Muskelfasern reißen können. Der Sportler spürt einen stechenden Schmerz, die Belastung des betreffenden Muskels ist nicht mehr möglich (Schonhaltung).

Behandlung: Eine Kälteanwendung bringt Linderung. Bei tiefer liegenden Muskeln ist sie jedoch wirkungslos. Der Sportler kann selbst wenig tun. Ein Arzt sollte einen funktionellen Stützverband anlegen, der eine langsame Belastung zulässt.


Muskelfaserriss / Muskelriss
Meist handelt es sich um Faserrisse größeren Ausmaßes, manchmal sogar mit komplettem Durchriss eines Muskels. Der Sportler spürt einen heftigen, messerscharfen Schmerz. Oft kann man auch eine schmerzhafte Delle zwischen den auseinanderklaffenden Muskelzügen tasten.

Behandlung: Kälteanwendung, Eispackung und feuchtkalte Umschläge.
Achtung! Eine sofortige ärztliche Behandlung ist notwendig. Muskelverletzungen sind hartnäckige Verletzungen und bedingen immer eine mehrwöchige Pause.


Wasserblasen
Blasen mit Gewebewasser entstehen zumeist durch Druck und Scheuern (z.B. von Schuhen).

Behandlung: Blasen sollten nicht geöffnet werden, da sie sich ansonsten fast immer entzünden. Sie werden nur desinfiziert und mit einem Verband abgedeckt, der sie gegen Druck schützt. Blasen trocknen nach einigen Tagen aus. Dann hat sich eine neue Hautschicht gebildet und der obere Teil löst sich von selbst ab.
Achtung! Stark gerötete und schmerzende Blasen unbedingt vom Arzt behandeln lassen!








Schürfwunden
Schürfwunden entstehen, wenn sich die Haut abreibt. Der Sportler zieht sich Schürfwunden überwiegend durch Stürze zu. Geschehen diese Verletzungen im Freien (auf der Straße oder einem Hartplatz), sind die Wunden häufig stark verschmutzt.

Behandlung: Schürfwunden werden (wenn möglich) unter fließendem Wasser gereinigt und gut abgetrocknet (keine Papiertaschentücher verwenden). Anschließend ein Desinfektionsmittel auftragen. Am besten lässt man Schürfwunden offen heilen. Wenn ein Verband angelegt wird, dann sollte ein Mullverband dem Pflaster vorgezogen werden, da Schürfwunden oft nässen und feuchte Pflasterverbände Infektionen fördern.
Achtung! Pflasterspray, Puder und Salben verschmieren die Wunde und verzögern die Heilung.


Prellung (Kontusion)
Die am häufigsten auftretenden Sportverletzungen sind Prellungen. Ein Stoß oder Schlag - und schon ist es passiert. Die Haut wird zwar nicht verletzt, aber es entstehen Quetschungen in tiefer liegenden Hautschichten. Dabei werden oft kleine Blutgefäße zerrissen. Es kann zu Blutergüssen kommen, die durch Verfärbungen der Haut längere Zeit sichtbar bleiben.

Behandlung: Prellungen sind zunächst sehr schmerzhaft. Kälteanwendungen wie Eiswürfel, Kältepackungen oder feuchter Druckverband lindern den Schmerz. Hinweis: Kältesprays gehören ausschließlich in die Hände von ausgebildetem Personal. Der falsche Einsatz von Kältespray kann zu Erfrierungen des Gewebes führen und den Schaden noch verschlimmern.
Bei starken Prellungen ist ein Arztbesuch notwendig, da für den Laien oft nicht erkennbar ist, ob Muskelfasern gerissen sind oder ein großer, in der Tiefe liegender Bluterguss vorhanden ist. Der Arzt oder Physiotherapeut wird in diesem Fall durch geeignete Verbände (z.B. Stützverband, Tapeverband) und spezielle Übungen die volle Beweglichkeit rasch wieder herbeiführen.


Verstauchung (Fachausdruck: Zerrung oder Distorsion)
Bei der Verstauchung handelt es sich um die Verletzung eines Gelenks. Dabei wird der normale Bewegungsspielraum des betreffenden Gelenks überschritten. Typische Verstauchungen sind das Umknicken mit dem Sprunggelenk oder das Verdrehen des Kniegelenks. Die Folgen einer Verstauchung reichen von einer leichten Schwellung bis hin zum Bänderriss.


Behandlung: Als Erstbehandlung ist die sofortige Anwendung von Kälte (Eiswürfel, Eisbeutel, Kältepackungen) angezeigt. Später sollte ein gut sitzender Kompressions- und Stützverband angelegt werden. Ein Bänderriss muss unbedingt ärztlich versorgt werden. Ansonsten kann eine spätere Instabilität des Gelenks durch Lockerung der Bänder die Folge sein.

Verrenkung (Luxation)
Hierbei handelt es sich immer um schwerwiegende Gelenk-verletzungen. Oft kann neben der eigentlichen Verrenkung ein Bruch der Gelenkfläche vorhanden sein. Verrenkungen heilen oft - trotz fachgerechter Behandlung - nicht ohne bleibende Einschränkung der Gelenkfunktion aus. Häufig betroffen sind: Schulter-, Knie- und Sprunggelenk sowie die Fingergelenke
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Behandlung: Die Erstbehandlung besteht in der Kühlung und Ruhigstellung des verletzten Gelenks.
Achtung! Der ungeübte Laie sollte niemals versuchen, ein ausgekugeltes Gelenk wieder einzurenken. Der Verletzte muss so rasch wie möglich in ärztliche Behandlung. Je länger damit gewartet wird, umso schwieriger wird die Einrenkung und desto gravierender fallen die Spätfolgen aus


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