DAS ENDE DER SKLAVEREI

In Brasilien gelang es den Sklaven nie einen generellen Widerstand gegen die Sklaverei zu organisieren. Die wichtigsten Aufstände beschränkten sich auf einzelne Gemeinden. Es gab keine Eilte unter den Sklaven, welche den Widerstand hätte führen können. Die Sklaven lehnten sich gegen ihre eigene Kondition auf, nicht aber gegen das System an sich. Der kontinuierliche Zugang neuer Sklaven erschwerte die Formierung eines Antisklaverei-Bewusstseins. Nach den infernalischen Arbeitstagen ruhten sich die Sklaven aus und machten sich auf die Suche nach Essen. Sie hatten kaum Zeit über ihre Situation nachzudenken und noch weniger um sich zu organisieren.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann England aus wirtschaftlichen Gründen Druck auf diejenigen Nationen auszuüben, die weiterhin die Sklaverei duldeten. Denn durch das Ende des Sklavenhandels 1807 und das Verbot der Sklaverei 1833 erhöhte sich der Zuckerpreis auf den Antillen, während er in Brasilien immer noch sehr tief blieb.


Die Capoeiristas sollten weiterhin starke Verfolgung, Repression durch die Polizei und gesellschaftliche Diskriminierung erfahren.

Nach der Abschaffung der Sklaverei in Brasilien 1888 wurde die Kampftechnik der Capoeira verschiedentlich bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden in Rio und Salvador angewandt. Die Polizei versuchte wiederholt diese Praktiken in den Städten zu unterbinden. Zwischen 1865 und 1870 wurden viele Capoeiristas gezwungen, im Krieg gegen Paraguay zu kämpfen. Wer sich weigerte wurde eingesperrt. Die Überlebenden des Krieges dagegen wurden als Helden gefeiert.

Im Artikel 402 des Strafgesetzes von 1890 wurde jegliche Verwendung von Capoeira (Capoeiragem) mit Haft oder Deportation bestraft.

Hier ist der Moment, wo die Person von Manoel dos Reis Machado, Mestre Bimba, zum Vorschein kommt. Er gründete 1932 das Centro de Cultura Física Regional (Zentrum für Körperkultur Regional) in Salvador da Bahia. Indem er die existierenden Bewegungen systematisierte und sie mit anderen Bewegungen verband entwarf er einen einzigartigen Stil. Er war wirksamer, athletischer und akrobatischer: Die Capoeira Regional.



Jogar Capoeira-Dança de Guerra (Capoeira Spiel - Kriegstanz) - Rugedas 1835

Negros Dançando (Schwarze beim Tanz) - Harro-Harring 1840


Capoeiristas no Rio (Capoeiristas in Rio)- Rugedas 1835

In den 1820er Jahren verschwand die Sklaverei durch die Erschöpfung der Minen und die Krise in der Zuckerproduktion allmählich aus Brasilien. Aber die Entwicklung der Kaffeewirtschaft sollte erneut eine steigende Zahl von Sklaven erfordern: Tausende wurden heimlich an die Küste Brasiliens geschafft. Weil der Vertrag zwischen England und Dom Pedro I von 1826 missachtet wurde, gab Bill Aberdeen der englischen Kriegsmarine den Befehl, brasilianische Sklavenschiffe als Piratenschiffe zu betrachten und anzugreifen. Das Parlament verabschiedete daraufhin im September 1850 das Gesetz Eusébio de Queirós, welches schlussendlich den Handel mit Sklaven verbot und verfolgte. Der Handel im Landesinnern hielt aber weiterhin an...

1871 wurde ein erstes Gesetz verabschiedet, welches die Sklaverei einschränkte. Es gab den Sklaven das Recht, ihre Freiheit selbst gegen den Willen des Herren zu erkaufen und befreite die Kinder von Sklavinnen. Wer nach 1871 geboren wurde war "frei". Der Konflikt zwischen den Befürwortern der Sklaverei und deren Gegner ermöglichte jedoch den Kaffeeproduzenten ihre Schwarzen noch ein weiteres Jahrzehnt auszuplündern.

Die Antisklaverei-Bewegung fand zu grösserer Kraft. Sklaven und Freie begannen zusammen gegen das System anzukämpfen. Geheime Organisationen ermöglichten die Flucht von Sklaven aus Fazendas im Staat Sâo Paulo. Im Gegenzug übten Capangas und Capitães do mato Attentate gegen die Anführer des Abolitionismus aus. Als Antwort auf den Verlust von Arbeitskräften wurde die europäische Einwanderung gefördert.

Am 13. Mai 1888, nach 350 Jahren Hölle, schuf Brasilien als letzte Nation der Welt die Sklaverei ab.