Die
Gefangenen wurden von anderen Sklaven aus derselben Heimat "empfangen".
Dies geschah, um die Ankömmlinge zu beruhigen, denn viele glaubten,
sie würden nun von Kannibalen verspeist. Die "menschliche
Ware" wurde in Gruppen von bis zu 400 Gefangenen "gelagert".
Ihnen wurde nun genügend Nahrung gegeben, Kranke wurden versorgt.
Sie wurden daraufhin auf Bänken vor den Geschäften der Sklavenhändler
ausgestellt. Die Kranken wurden zu Liquidationspreisen verkauft. Jeder
Sklave wurde vor dem Kauf von seinem zukünftigen Herrn und dessen
Arzt oder Feitor (Sklavenaufseher) kontrolliert. Es wurde zudem Wert
darauf gelegt, Sklaven verschiedener Herkunft zu kaufen, damit diese
nicht dieselbe Sprache sprachen und so schlechter miteinander kommunizieren
konnten.
Trotz
der schrecklichen Strafen, die denjenigen drohten, welche sich gegen
die Sklaverei erhoben, war die Flucht von Sklaven sehr häufig.
Einzeln oder in Gruppen stellte die Flucht eine stete Bedrohung für
die Herren dar. Der Geflohene verlor seinen Wert auf dem Markt, denn
die Flucht galt als teuflisches Laster. Es entstand ein neuer Berufszweig:
Der "Capitão do Mato". Diese Sklavenjäger verfolgten
entflohene Sklaven und lieferten sie ihren Herren gegen Bezahlung wieder
aus. Schwer bewaffnet stiessen sie in Wälder und Hügel des
Hinterlandes vor. Doch es kam vor, dass die Jäger hier selbst zu
Gejagten wurden und von Gruppen entflohener Sklaven "gerichtet"
wurden.
Die
Sklaven flohen aus den Fazendas, den Gutshöfen der Herren, und
gründeten im Urwald eigene Siedlungen, die Quilombos. Hier hielten
sie ihre kulturellen Traditionen am Leben. Die Herren und die staatlichen
Autoritäten führten konstant Krieg gegen die Quilombos.
Es gelang ihnen jedoch nie, diese vollständig auszulöschen.
Die
Lebensbedingungen der Sklaven in Brasilien variierten je nach Region
und Beschäftigung. Im Normalfall waren sie ausgesprochen schlecht.
Die Kleidung war bei Sklaven auf dem Land und in der Stadt verschieden.
Auf dem Land gingen sie meist barfuss, was Unfälle und Krankheiten
häufig machte.
Die
Flucht der Schwarzen vor den steten Strafen, der fehlenden Nahrung und
dem traurigen und hoffnungslosen Leben setzte sich fort. Die Quilombos
wuchsen, lebten von der Landwirtschaft, dem Fischfang, der Jagd und
von Raubzügen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts versteckten sich
Tausende von Sklaven in der unzugänglichen Region der Serra da
Barriga (Staat Alagoas). Im Herzen des Brasiliens der Sklaverei entstand
hier ein freier schwarzer Staat, die Confederação
dos Quilombos dos Palmares. Er verteidigte sich jahrelang gegen
die Angriffe der Sklavenhalter. Erst 1694 wurde Palmares durch eine
mächtige Militäroffensive unter Domingo Jorge Velho zerstört. |
