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capoeira - geschichte
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350
jahre sklaverei
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Die
Sklaverei war bereits Teil der Feudalgesellschaft Europas. So führte
z.B. der Kampf um die Vorherrschaft auf der Iberischen Halbinsel zwischen
Christen und Muslimen Ende des 17. Jahrhunderts zur Versklavung von beinahe
250 000 Menschen.
Nach seiner Entdeckung im Jahr 1500 sollte Brasilien eines der amerikanischen
Länder werden, welches am stärksten von der Sklaverei geprägt
wurde.
Anfangs waren es die eingeborenen Indianer, vor allem des Tuponambá-Stammes,
welche zur Arbeit auf Plantagen und Gutshöfen gezwungen wurden. Auseinandersetzungen
zwischen verschiedenen Stämmen wurden gezielt gefördert und dazu
verwendet neue Sklaven zu gewinnen. Oftmals wurde ein Stamm, nachdem er im
Kampf vorerst unterstützt worden war, im Gegenzug angegriffen und seine
Mitglieder versklavt.
Die Indianer widerstanden der inhumanen Behandlung durch die Portugiesen nicht.
Die schlechte Ernährung, die europäischen Krankheiten und die infernalischen
Arbeitsbedingungen führten beinahe zu deren Ausrottung. Dennoch sollte
diese traurige Form der Ausbeutung noch länger als 300 Jahre dauern.
Der Hauptgrund für die Auswechslung der ansässigen Amerikaner durch
afrikanische Sklaven war das Aussterben der indianischen Gemeinden. Hinzu
kam, dass die Indianer als wild, schwächlich und unfähig zu harter
Arbeit betrachtet wurden. Die Schwarzen dagegen galten als kämpferisch,
resistent und gewöhnt an harte und schmerzhafte Arbeit. Sie schienen
wie gemacht für die Sklaverei.
Eine riesige Zahl von Afrikanern wurde an der afrikanischen Küste für
billige Handelsware getauscht und zu einem höheren Preis in der Neuen
Welt verkauft. Zwischen 10 und 15 Millionen Afrikaner landeten in Amerika,
davon kamen rund 3 bis 5 Millionen nach Brasilien.
Doch die versklavten afrikanischen Völker hörten nie auf, sich gegen
die Bedingungen, die ihnen von den sogenannt "Zivilisierten" auferlegt
worden waren, zu wehren. |
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Kolonne
von Gefangenen auf dem Transport an die Küste
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gefangennahme und transport
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Die
Schwarzen wurden von Europäern gefangengenommen oder von Afrikanern
verkauft. Sie wurden von Händlern, welche mit Gewehren und Peitschen
bewaffnet waren, bewacht. Gefesselt am Hals mussten sie schwere Lasten
auf dem Kopf tragen. Die Gefangenen kamen nur langsam voran. Sie hatten
Todesangst, und mussten mit starren Beinen und Füssen Märschen
ertragen, die mehrere Monate dauern konnten. Diejenigen, welche nicht
weiter konnten, wurden mit offenen Kehlen auf dem Weg liegengelassen.
Die Gefangenen aus dem Inneren des Kontinents wurden in Baracken festgehalten
und in Gruppen zu Zehn aneinander gefesselt. Frauen und Kinder konnten
innerhalb der Baracken frei umhergehen. Aufgrund der schlechten Ernährung
war die Sterblichkeitsrate hoch. Viele starben, bevor sie auf die Schiffe
gebracht werden konnten. Die europäischen Käufer untersuchten
die "Ware" und kauften nur diejenigen Jugendlichen, die gesund
waren.
Die Sklavenschiffe brauchten lange Zeit bis sie in Afrika waren und
noch einmal länger für die Überfahrt nach Brasilien.
Vor der Abfahrt wurde den Gefangenen bessere Nahrung gegeben. Nachdem
sie gewaschen und rasiert worden waren, wurden sie wie Vieh gebrandmarkt
und nackt auf die Schiffe gebracht.
Tausende
von Gefangenen starben auf der Überfahrt. Viele hatten das Meer noch
nie gesehen und konnten nicht schwimmen. Es war eine schreckliche Tragödie.
Die Sklavenhändler wussten, dass nur ein Teil der Gefangenen die
Neue Welt erreichen würde. Daher war der Preis, welcher für
die Überlebenden verlangt wurde, zehn mal höher als in Afrika.
Der Greuel des Transports wurde in Folge etwas "gemildert".
Auf grösseren Schiffen konnten die Gefangen auf drei Decks
in Gruppen von Männer, Frauen und Kinder unterteilt werden.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Gefangenen
gegen Windpocken geimpft. Die Sterblichkeitsrate während der Überfahrt
blieb jedoch bei etwa 20 Prozent. Es wird angenommen, dass mehr als 1.5
Millionen Afrikaner dabei starben. |
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Wie Sardinen in Zehnergruppen unter Deck |
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Der Versuch ein wenig Luft und Licht
zu erhaschen
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landung, verkauf und flucht
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Die Gefangenen wurden von anderen Sklaven aus derselben Heimat "empfangen".
Dies geschah, um die Ankömmlinge zu beruhigen, denn viele glaubten,
sie würden nun von Kannibalen verspeist. Die "menschliche
Ware" wurde in Gruppen von bis zu 400 Gefangenen "gelagert".
Ihnen wurde nun genügend Nahrung gegeben, Kranke wurden versorgt.
Sie wurden daraufhin auf Bänken vor den Geschäften der Sklavenhändler
ausgestellt. Die Kranken wurden zu Liquidationspreisen verkauft. Jeder
Sklave wurde vor dem Kauf von seinem zukünftigen Herrn und dessen
Arzt oder Feitor (Sklavenaufseher) kontrolliert. Es wurde zudem Wert
darauf gelegt, Sklaven verschiedener Herkunft zu kaufen, damit diese
nicht dieselbe Sprache sprachen und so schlechter miteinander kommunizieren
konnten.
Auf den Fazendas (Gutshöfen) lebten die Sklaven in Gemeinschaftshäusern,
die Gefängnissen glichen: den sogenannten Senzalas. Hier versammelten
sich die Sklaven um kleine Feuerstellen, die der Zubereitung von Speisen
und der Vertreibung von Insekten und bösen Geistern dienten. Nachdem
die Sklaven gezählt worden waren, wurden die Tore der Senzalas
bei Nacht geschlossen. Die Gefangenen aus verschiedenen Teilen Afrikas
versuchten anderen Sklaven ihres selben Stammes nahe zu sein, um so
ihre Sprache und Religion, ihre Tänze und ihre Musik weiter kultivieren
zu können. Doch die Herren verboten jeglichen Ausdruck afrikanischer
Kultur.
Trotz
der schrecklichen Strafen, die denjenigen drohten, welche sich gegen
die Sklaverei erhoben, war die Flucht von Sklaven sehr häufig.
Einzeln oder in Gruppen stellte die Flucht eine stete Bedrohung für
die Herren dar. Der Geflohene verlor seinen Wert auf dem Markt, denn
die Flucht galt als teuflisches Laster. Es entstand ein neuer Berufszweig:
Der "Capitão do Mato". Diese Sklavenjäger verfolgten
entflohene Sklaven und lieferten sie ihren Herren gegen Bezahlung wieder
aus. Schwer bewaffnet stiessen sie in Wälder und Hügel des
Hinterlandes vor. Doch es kam vor, dass die Jäger hier selbst zu
Gejagten wurden und von Gruppen entflohener Sklaven "gerichtet"
wurden. |

Senzala an de rFazenda Boa vista in São Luis de Paraitinga
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Die
Sklaven flohen aus den Fazendas, den Gutshöfen der Herren, und
gründeten im Urwald eigene Siedlungen, die Quilombos. Hier hielten
sie ihre kulturellen Traditionen am Leben. Die Herren und die staatlichen
Autoritäten führten konstant Krieg gegen die.
Es gelang ihnen jedoch nie, diese vollständig auszulöschen.
Gewalt, Verstümmelungen und Folter an den Sklaven kannten keine
Grenzen. Der Versuch der Herren und Aufseher die Sklaven vollständig
unter ihren Willen zu bringen führte oftmals bis zum Tod.
Die
Lebensbedingungen der Sklaven in Brasilien variierten je nach Region
und Beschäftigung. Im Normalfall waren sie ausgesprochen schlecht.
Die Kleidung war bei Sklaven auf dem Land und in der Stadt verschieden.
Auf dem Land gingen sie meist barfuss, was Unfälle und Krankheiten
häufig machte.
Schlecht ernährt litten die Sklaven Hunger. In geringen Mengen
assen sie Maniokmehl, Bohnen, Getreide und Reis.
Nach der Arbeit wurden einige der Sklaven in den "Casas do Tronco",
einer Art Folterhaus das sich auf vielen Fazendas befand, bestraft.
Der Tronco (Baumstamm) war ein Instrument in Form einer riesigen Schere
aus Holz oder Stein, mit Löchern für die Füsse. Die Sklaven
lagen hier für lange Zeit mit gefesselten Füssen. Stock- und
Peitschenhiebe waren des Weiteren die häufigsten Strafen. Ein Sklave
konnte für ein schweres Vergehen mit bis zu Tausend Stockschlägen
bestraft werden.
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Capitão do Mato mit einem Flüchtling
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Die
Flucht der Schwarzen vor den steten Strafen, der fehlenden Nahrung und
dem traurigen und hoffnungslosen Leben setzte sich fort. Die Quilombos
wuchsen, lebten von der Landwirtschaft, dem Fischfang, der Jagd und
von Raubzügen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts versteckten sich
Tausende von Sklaven in der unzugänglichen Region der Serra da
Barriga (Staat Alagoas). Im Herzen des Brasiliens der Sklaverei entstand
hier ein freier schwarzer Staat, die Confederação
dos Quilombos dos Palmares. Er verteidigte sich jahrelang gegen
die Angriffe der Sklavenhalter. Erst 1694 wurde Palmares durch eine
mächtige Militäroffensive unter Domingo Jorge Velho zerstört.
Der Unterhalt von Familien war teurer als der einzelner Personen. Deshalb
führten die Herren mehr Männer als Frauen ein. Die Familien
widersetzten sich zudem besser dem despotischen Willen der Herren und
erschwerten den Verkauf von einzelnen ihrer Mitglieder. Die Sklavenhalter
interessierten sich wenig für die neugeborenen Kinder der versklavten
Mütter, denn es war billiger einen neuen Arbeitssklaven zu kaufen,
als über Jahre für ein Kleinkind zu sorgen. Die Kindersterblichkeit
war in Brasilien demzufolge sehr hoch. |
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Die Gargalheira, Bestrafungs- und fluchtbehiderungsinstrument
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Aus
Reaktion auf die Gewalt der herrschenden weissen Rasse und aus der
Notwendigkeit der versklavten Schwarzen sich ohne Waffen verteidigen
zu können, entstand der Kampf der Männer der Capoeira.
Um gegen die "Capitães do Mato", die in den Urwald
vorstiessen, kämpfen zu können, benutzten die Entflohenen
ihren ganzen Körper. Sie schlugen mit dem Kopf, den Füssen,
den Knien.
Es war die Sehnsucht nach Freiheit der Sklaven, welche die kämpferische
Kraft der Capoeira hervorbrachte und den Ausbau körperlicher
Fähigkeiten und verstärkter Sinneswahrnehmung ermöglichte.
Der Kontakt mit den Tieren im Urwald und die Anpassung an deren
Fähigkeiten zu überleben, inspirierte die Entflohenen.
Sie entwickelten eine Kombination aus Verteidigungs- und Angriffsbewegungen,
in denen sich die Agilität des Affen, der Kampfgeist des Jaguars,
die Schlauheit des Fuchses und die Fähigkeiten der Spinne,
den Feind in ein Netz zu wickeln, verbanden. Der Sklave entwickelte
so eine Lebens- und Überlebens-Philosophie, die Capoeira. |

Sklave wird gepeischt ( Pau do Pelorinho )
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